Direkt nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren packte Yana Al Shurafa ihre Koffer und floh mit ihren fünf Kindern nach Düsseldorf. Sie stammt aus Charkiw. Dort ist sie geboren, aufgewachsen und hat eine Familie gegründet. Nachdem Wladimir Putin die Ukraine angegriffen hatte, musste sie für ihre Kinder einen sicheren Ort finden, an dem sie in Frieden leben können.

Seit März 2023 lebt die 45-Jährige in Düsseldorf. Das Ankommen war für sie nicht einfach, trotz vieler Hilfsangebote von Politik und Ehrenamtlichen: ein neues Land, eine neue Sprache und ein Neuanfang aus dem Nichts. Trotzdem ließ sie sich nicht unterkriegen. Die Ukrainerin hat direkt Sprachkurse besucht.

Mehr als 270.000 ukrainische Flüchtlinge in NRW

Am Dienstag, 24. Februar 2026, jährt sich der Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Yana ist eine von rund 1,2 Millionen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind. Von ihnen leben aktuell laut NRW-Flüchtlingsministerium 272.938 in NRW, darunter 73.511 Menschen unter 18 Jahren.

Doch ihre Integration, vor allem in den Arbeitsmarkt, war auch für NRW eine Herausforderung. „Zu einer gelungenen Integration gehört auch die Integration auf dem Arbeitsmarkt. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels können wir auf niemanden verzichten“, sagt Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) dieser Redaktion.

Unser Ziel muss es deshalb auch sein, Geflüchtete mit Bleibeperspektive noch besser in Arbeit zu vermitteln und sie als Fach- und Arbeitskräfte zu gewinnen.

Karl-Josef Laumann
Karl-Josef Laumann , NRW-Arbeitsminister

Integration von Geflüchteten: Fachkräftepotenzial soll besser genutzt werden

Diese Integration hängt laut NRW-Arbeitsministerium grundsätzlich von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der jeweiligen Firma ab. Je größer der Bedarf der Unternehmen an Arbeitskräften ist, desto besser sind die Chancen für eine berufliche Integration. „Unser Ziel muss es deshalb auch sein, Geflüchtete mit Bleibeperspektive noch besser in Arbeit zu vermitteln und sie als Fach- und Arbeitskräfte zu gewinnen“, betonte Laumann.

Yana wollte auf eigenen Beinen stehen. In der Ukraine hat sie ein Studium als Maschinenbauingenieurin für Flugzeuge absolviert. „In dem Bereich finde ich in Düsseldorf keine passende Stelle. Deshalb musste ich mir etwas anderes einfallen lassen.“ Durch ihre Arbeit bei der Flüchtlingshilfe in Düsseldorf konnte sie andere Menschen aus der Ukraine beraten und ihre Deutschkenntnisse verbessern. „Danach habe ich mehrere Stellen bekommen, unter anderem bei der Agentur für Arbeit in Düsseldorf und jetzt im Jobcenter als Beraterin“, berichtet sie.

NRW: Zahl ukrainischer Beschäftigter steigt um über 30 Prozent

Allein in NRW gibt es einer aktuellen Statistik der Agentur für Arbeit zufolge 74.400 Beschäftigte mit ukrainischer Staatsangehörigkeit (Stand: Januar 2026). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg von 31,4 Prozent. Davon sind 62.100 sozialversicherungspflichtig und 12.300 geringfügig beschäftigt.

Im Januar 2026 waren in NRW 46.527 Ukrainerinnen und Ukrainer arbeitslos gemeldet. Das sind 1.279 weniger als vor einem Jahr. Damit sinkt die Zahl der arbeitslosen Ukrainer laut der Agentur für Arbeit gegen den allgemeinen Trend in NRW. Zum Beginn des russischen Angriffskriegs hatten in NRW nur 9.975 Ukrainer einen Job. In den vergangenen vier Jahren haben somit weitere 52.125 ukrainische Arbeitnehmer eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in NRW aufgenommen.

NRW-Städte solidarisieren sich weiterhin mit der Ukraine

Seit Kriegsbeginn unterstützen Kommunen in NRW Städte in der Ukraine. In Monheim hat der Rat am 10. Februar den Weg für eine offizielle Städtepartnerschaft mit der westukrainischen Stadt Volodymyr freigemacht. Bereits unterstützt die Stadt ein Konzept für Stadtreinigung und Abfallentsorgung sowie Modernisierungen am städtischen Schwimmbad. Auch die Stadt Oberhausen unterstützt ihre ukrainische Partnerstadt Saporischschja mit humanitären Hilfen. Zum einen fahren regelmäßig Hilfstransporte nach Saporischschja. Zum anderen akquiriert das städtische Büro für Interkultur Fördermittel und Sachgüter, die die Resilienz der Bevölkerung von Saporischschja stärken sollen. Auch in Düsseldorf bietet der Verein Flüchtlingshilfe Düsseldorf Flüchtlingen aus der Ukraine Hilfe bei der Jobsuche, Bewerbungstrainings und Sozialberatung.

NRW-Arbeitsministerium betrachtet diese Entwicklung „als vorsichtig positiv“

Insgesamt ist die Zahl der Beschäftigten in NRW seit März 2022 gestiegen. Laut der Agentur für Arbeit arbeiteten im März 2022 in NRW 7.231.608 Menschen in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Im November 2025 waren es 7.433.600. Das bedeutet ein Wachstum um 201.992 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Davon haben die Geflüchteten aus der Ukraine rund ein Viertel ausgemacht. Laut Christoph Löhr, Sprecher der Agentur für Arbeit, steige die Beschäftigung in NRW bei Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit, während die Zahl der Arbeitnehmer mit einem deutschen Pass zurückgehe.

Das NRW-Arbeitsministerium bewertet diese Entwicklung jedoch „als vorsichtig positiv“. Dabei sei klar, dass Integration Zeit brauche. „Die aktuellen Beschäftigungsquoten zeigen zudem, dass die Integration in den Arbeitsmarkt kein Selbstläufer ist“, so das Arbeitsministerium auf Anfrage.

Die Sprache ist der zentrale Schlüssel zur Teilhabe und zur gesellschaftlichen Integration – gerade für Menschen, die motiviert sind, hier ein neues berufliches und privates Zuhause zu finden.

Familienministerin Verena Schäffer
Verena Schäffer , NRW-Integrationsministerin

NRW: Schnelle Anerkennung ausländischer Abschlüsse durch KI

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass Geflüchtete – darunter auch Ukrainer – häufig über hohe Qualifikationen und Berufserfahrung verfügen, jedoch oft in Berufen unterhalb ihrer ursprünglichen Qualifikation tätig sind. „Von zentraler Bedeutung ist es dabei auch, ausländische Berufsabschlüsse zügig anzuerkennen“, so Arbeitsminister Laumann.

Deshalb will das NRW-Arbeitsministerium, die Verfahren zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse beschleunigen. Geplant sind unter anderem die Digitalisierung der Verfahren, der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sowie Erleichterungen im Gesetz der Berufsqualifikation. „Eine wesentliche Maßnahme zur Vereinfachung der Verfahren ist die künftig gesetzlich vorgesehene Akzeptanz englischsprachiger Unterlagen“, so das Arbeitsministerium auf Anfrage.

NRW-Flüchtlingsministerin: „Die Sprache ist der zentrale Schlüssel zur Teilhabe“

Viele Flüchtlinge in NRW haben heute also eine klare Arbeitsmarktperspektive. Das NRW-Integrationsministerium sieht jedoch noch Handlungsbedarf, um geflüchtete Frauen „noch besser durch Sprach- und Integrationskurse, Ausbildungs- und berufliche Qualifizierungsmaßnahmen an den Arbeitsmarkt heranzuführen“, so eine Sprecherin auf Anfrage.

Die Sprachförderung sei ein wichtiges Mittel, damit geflüchtete Frauen und Männer den Weg in den Arbeitsmarkt finden können. Deshalb betrachtet die Landesregierung den Stopp der Zulassungen für die freiwillige Teilnahme an Integrationskursen mit großer Sorge. Denn dadurch können viele Geflüchtete nicht mehr die Sprache lernen. „Die Sprache ist der zentrale Schlüssel zur Teilhabe und zur gesellschaftlichen Integration – gerade für Menschen, die motiviert sind, hier ein neues berufliches und privates Zuhause zu finden“, sagte NRW-Integrationsministerin Verena Schäffer (Grüne) dieser Redaktion.

Die Ministerin betonte außerdem, dass die Lücke, die der Bund hinterlässt, von der Integrationsinfrastruktur der Länder nicht ohne Weiteres geschlossen werden könne. „Ich appelliere deshalb ausdrücklich an Bundesinnenminister Dobrindt, die Einschränkungen der Integrationskurse zurückzunehmen, um bleibende Schäden an der Integrationsinfrastruktur und in den Integrations- und Erwerbsbiografien der betroffenen Menschen zu vermeiden.“