Nach der Eröffnung der Menschenaffenwelt im Oktober ist nun der nächste Schritt für das Artenschutzzentrum Affenpark im Zoo Krefeld geschafft: Die Baugenehmigung für Bauabschnitt 2 – den Bereich für Orang-Utans – liegt vor. Der Baustart kann laut Aussage der Tierpark-Verantwortlichen in Kürze erfolgen.

Auf einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern entsteht ein Warmhaus mit vier Innenanlagen sowie vier großzügigen, übernetzten Außenanlagen. Neben Orang-Utans wird eine weitere kleinere Affenart aus demselben südostasiatischen Lebensraum einziehen. Die Bauzeit ist auf etwa zwei Jahre veranschlagt. Die Gesamtkosten in Höhe von rund 14,1 Millionen Euro werden maßgeblich von den Gesellschaftern der Zoo Krefeld gGmbH, Stadt Krefeld, und vom Verein Zoofreunde Krefeld getragen.

Yvonne Brandt, Vorsitzende der Zoofreunde Krefeld: „Wir freuen uns sehr über die Baugenehmigung für den zweiten Bauabschnitt des Artenschutzzentrums Affenpark für Orang-Utans und danken allen für die tolle Unterstützung.“ Mit 3,2 Millionen Euro konnte allein der Förderverein des Zoos den Bau des Menschenaffenwaldes bislang finanziell unterstützen. Seit seiner Eröffnung im vergangenen Oktober werben und sammeln die Zoofreunde unermüdlich schon für das neue Orang-Utan-Zuhause.

Neues Zuhause für die Orang-Utans kostet 14,1 Millionen Euro

Und so soll das neue Zuhause der Tiere aussehen: Als typische Baumbewohner verbringen Orang-Utans den größten Teil ihres Lebens in den Kronen tropischer Regenwälder. Entsprechend liegt die Höhe in den Innenanlagen bei bis zu zwölf Metern und erstreckt sich über mehrere Galerieebenen. In den Außenanlagen werden sogar bis zu 15 Meter Höhe realisiert. Bäume, Kletterstrukturen, Plattformen, Felsen, ein Wasserlauf sowie unterschiedliche Bodensubstrate wie Wiese, Sand und Mulch schaffen eine abwechslungsreiche Umgebung mit vielfältigen natürlichen Reizen.

Hinter den Kulissen schließen sich Schlaf- und Trainingsräume an. Eine sogenannte Solebox bietet den Tieren die Möglichkeit zur Inhalation. „Jedes Individuum erhält eigene Rückzugsbereiche, zugleich ist eine flexible Gruppenhaltung möglich. Auch eine Vergesellschaftung mit einer kleineren Affenart ist vorgesehen, wobei die räumliche Struktur jederzeit eine getrennte Haltung erlaubt“, heißt es in einer Mitteilung des Zoos.

Neue Perspektiven auch für die Besucher

Für die Besucherinnen und Besucher soll der Neubau neue Perspektiven eröffnen. Über Panoramascheiben sind Einblicke in die Außenanlagen möglich. Der Besucherbereich erstreckt sich über mehrere Ebenen und erlaubt Begegnungen auf Augenhöhe mit den baumbewohnenden Menschenaffen. Eine Terrasse bietet zusätzliche Einblicke in Innen- und Außenbereiche. Große Oberlichter sorgen für Tageslicht in den Innenanlagen. Die Dachflächen werden extensiv begrünt oder für Photovoltaik genutzt.

Der Neubau entsteht auf einem Erweiterungsgelände in unmittelbarer Nähe zum Grotenburgstadion. Dadurch sollen die Bauarbeiten kaum Auswirkungen auf den laufenden Zoobetrieb haben.

Verantwortung für eine hochbedrohte Art: Schutz für Orang-Utans in Krefeld

Orang-Utans gehören zu den am stärksten bedrohten Menschenaffen weltweit. Ihre natürlichen Lebensräume auf Sumatra und Borneo schrumpfen durch Abholzung, Klimaveränderungen und Landnutzungsdruck dramatisch. Beide Arten gelten laut Weltnaturschutzunion IUCN als „kritisch bedroht“. Der Zoo Krefeld schreibt: „Moderne, wissenschaftlich geführte Zoos übernehmen daher Verantwortung im Ex-situ-Artenschutz, um stabile Populationen aufzubauen und gleichzeitig Schutzprojekte in den Herkunftsländern zu unterstützen. Welche Orang-Utan-Art künftig in Krefeld leben wird, entscheidet das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) des Europäischen Zoo- und Aquarienverbandes EAZA entsprechend des Bedarfs.“

Hintergrund: In der Vergangenheit gab es immer wieder Proteste, die sich besonders nach dem Brand des Affenhauses mit 50 toten Tieren an Silvester 2020 gegen den Neubau des Affenhauses richteten. Die Kritiker forderten eine grundsätzliche Überprüfung der Tierhaltung und bezweifelten, dass der Neubau den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird.

Dennoch wurde die neue Außenanlage am Gorillagehege 2022 eingeweiht, gefolgt von der Menschenaffenwelt 2025. Bis Mitte 2028 soll dann das neue Zuhause für die Orang-Utans fertig sein.