Manuela Hoppstock stellte ihrem Mann eine Bedingung. Sie holt kurz Luft und erzählt dann: „Wenn ich meinen Laden für Kinderbekleidung in der Moerser Innenstadt aufgebe, wenn er in Rente geht, dann möchte ich einen Crêpes-Wagen haben.“ Ihr Mann Rolf sitzt daneben und zuckt mit den Achseln, als wollte er sagen, dass das ja nichts Ungewöhnliches sei. „Wir haben ja immer irgendwas gemacht“, sagt Manuela Hoppstock noch schnell. So kam es, dass das Moerser Paar einen alten DDR-Camper zu einem mobilen Crêpes-Wagen mit Kaffeebar umgebaut hat und mit dem seit 2021 in der Region unterwegs ist.

Für Manuela Hoppstock lag dieses Konzept nahezu auf der Hand. „Mein Mann ist Oldtimer-Liebhaber und ich bin gerne kulinarisch unterwegs und bewirte Leute. Wir wollten gemeinsam etwas machen, was funktioniert“, sagt sie. Neben den Crêpes verkaufen sie italienische Kaffeespezialitäten aus der Siebträgermaschine. „Auf die Idee mit dem Kaffee hat uns unser Sohn gebracht“, sagt Manuela Hoppstock. Und dabei war es dem Paar wichtig, dass Crêpes und Kaffee hochwertig sind.

Crêpes-Foodtruck vom Manuela und Rolf Hoppstock
Der Nagetusch ist zu einer Crêpes-Küche geworden.© FUNKE Foto Services | Thorsten Lindekamp

Nachdem das Konzept für die beiden feststand, machten sie sich auf die Suche nach einem passenden Wagen. Über Ebay-Kleinanzeigen wurden die beiden fündig. „Ich hatte mich schon eine Weile nach dem passenden Wagen umgeschaut, da habe ich den Nagetusch gefunden“, erzählt Manuela Hoppstock und gerät gleich ins Schwärmen. „Diese Rundungen und dieses Nostalgische. Das hat mir direkt gefallen“, erzählt die 60-Jährige.

Vorbesitzerin war mit Nagetusch noch zum Campen unterwegs

Der Anhänger aus dem Jahr 1973 sollte es sein. „Uns war wichtig, dass der Wagen noch unverbaut ist“, erzählt Manuela Hoppstock. „Und das war er. Die Vorbesitzerin war damit noch richtig unterwegs zum Campen.“ - „Der Wagen war sogar noch angemeldet“, fügt Rolf Hoppstock noch schnell ein. Also machte er sich zusammen mit dem gemeinsamen Sohn auf nach München. Denn dort stand der Nagetusch und wartete auf seine neuen Besitzer. „Wir haben den Wagen dann ans Auto gehängt und sind vorsichtig wieder zurück nach Moers gefahren“, erzählt Rolf Holtkamp. „Das war überhaupt kein Problem.“

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Dann begann die Arbeit für Rolf Hoppstock und seinen Sohn. „Wir haben den Wagen komplett auseinander genommen“, erzählt der 65-Jährige. Zwei Jahre hat er an dem Wagen gearbeitet, bis er in dem heutigen Zustand ist. „Uns war sehr wichtig, dass von außen nichts verändert wird“, erklärt Rolf Hoppstock. Einen frischen Anstrich in Pistaziengrün gab es trotzdem für den Wagen. Und ansonsten? „Ich habe auch eine neue Achse eingebaut und neue Elektrik.“

Crêpes-Foodtruck vom Manuela und Rolf Hoppstock
Zwei Jahre hat Rolf Hoppstock gebraucht, um den nostalgischen Food-Truck umzubauen.© FUNKE Foto Services | Thorsten Lindekamp

Innen gab es einiges zu tun für den Oldtimer-Liebhaber. „Wir mussten zum Beispiel eine Verkaufstheke einbauen“, sagt Rolf Hoppstock. „Alles musste zu dem bereits verbauten Holz passen. Wir haben dann in der Regel Naturholz verwendet, das wir entsprechend lackiert haben.“ Viele der benötigten Ersatzteile konnten die Moerser problemlos im Osten von Deutschland kaufen. „Wir haben einen neuen Ventilator eingebaut und auf dem steht sogar noch ‚Made in GDR‘“, erzählt Manuela Hoppstock.

Der nächste Stopp...

Manuela und Rolf Hoppstock stoppen mit ihrem Food-Truck beim Schlossfrühling auf Schloss Dyck in Jüchen an den Wochenenden 4. und 5. April und Montag, 6. April, sowie 11. und 12. April, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Die Veranstaltung kostet für Erwachsene 18,50 Euro Eintritt, für Kinder bis sechs Jahre ist der Eintritt kostenfrei. Weitere Informationen zum Schlossfrühling gibt es unter www.stiftung-schloss-dyck.de. Noch mehr Fotos zum Food-Truck und Infos zu Manuela und Rolf Hoppstock gibt es unter www.hinundcrepes.de

Bei dem Umbau hat der Nagetusch auch ein paar Kilos mehr auf die Rippen bekommen. „Er hat jetzt ein Gewicht von 1300 Kilo“, sagt Rolf Hoppstock. „Zu DDR-Zeiten lag das zulässige Gesamtgewicht bei 750 Kilogramm. Aber der Wagen musste ja auch von leichten Fahrzeugen wie dem Trabbi gezogen werden können.“ Eine weitere Änderung hat Rolf Hoppstock außerdem vorgenommen: Der Wagen ist jetzt gebremst.

Crêpes-Foodtruck vom Manuela und Rolf Hoppstock
Einer der Bestseller: Crêpe mit Schinken, Käse und Rucola.© FUNKE Foto Services | Thorsten Lindekamp

Seit 2021 ist das Paar nun mit dem alten Nagetusch aus dem Jahr 1973 unterwegs – auf Märkten oder Lifestyle-Events. „Viele stellen uns Fragen zu dem Camper“, sagt die Moerserin. Die beiden haben sich in die Geschichte der Familie Nagetusch eingelesen und kennen sich aus. „Mein Mann hat mir ein Buch über Richard Nagetusch zum Geburtstag geschenkt“, erzählt sie. „Wir beantworten sehr gerne Fragen dazu und haben im Fenster des Wagens ein paar Informationen über die Familie und den Wagen hängen. Einige Kunden, die auf ihren Crêpe oder ihren Kaffee warten, lesen in der Zwischenzeit die Infos.“

Ein Eindruck, wie der Nagetusch bei der Übernahme der Hoppstocks aussah.
Ein Eindruck, wie der Nagetusch bei der Übernahme der Hoppstocks aussah.© Hoppstock

Zimt und Zucker ist einer der Bestseller

Zur Auswahl gibt es bei den Hoppstocks süße und herzhafte Crêpes. „Am beliebtesten sind natürlich Zimt und Zucker und unsere Käse-Schinken-Rucola-Variation.“ Was auch noch wichtig ist: „Den Teig rühren wir selbst an“, sagt Manuela Hoppstock. Bis zu 40 Liter Teig bringt das Ehepaar mit zu den Veranstaltungen. „Wir bekommen ein sehr gutes Feedback von den Kunden für die leckeren Crêpes und den guten Kaffee. Viele kommen, nachdem sie aufgegessen oder getrunken haben, nochmal zu uns und bedanken sich.“ Aber auch bei der Präsentation des Wagens überlassen sie nichts dem Zufall. „Es muss alles stimmen“, sagt Manuela Hoppstock. „Wir dekorieren jedes Mal mit vielen Blumen.“

So sah der Nagetusch aus, als ihn das Moerser Paar übernommen hat.
So sah der Nagetusch aus, als ihn das Moerser Paar übernommen hat.© Hoppstock

Und wie sieht‘s mit der Pflege des Wagens aus? Schließlich ist der Nagetusch schon über 50 Jahre alt. „Es ist eigentlich nicht aufwendig, ihn in Schuss zu halten“, sagt Rolf Hoppstock zufrieden. Aber natürlich wird der Wagen auch sehr gut gepflegt. „Wenn wir irgendwo waren, räumen wir noch in Ruhe auf und machen alles sauber“, erzählt Manuela Hoppstock. „Das kann schon mal so zwei oder zweieinhalb Stunden dauern.“ Dann wird der Wagen wieder zurück in seine Garage gebracht, bis das nächste Event ansteht.

Das Geschäft steht bei den Hoppstocks nicht im Vordergrund. „Wir machen das just for fun“, erklärt Manuela Hoppstock. „Wir könnten aber mehrmals die Woche und jedes Wochenende unterwegs sein“, sagt sie. „Es ist schön, wenn finanziell etwas dabei herausspringt, aber eigentlich soll der Wagen mehr ein Hobby sein.“ Die Idee geht auf. „Wir arbeiten zwar, aber stehen mit dem Wagen immer mitten im Grünen. Das ist wirklich richtig schön“, sagt Manuela Hoppstock und lächelt zufrieden.