Ostern schmeckt nach Aprikose, Apfel und Möhre und der Frühling nach Rhabarber, Kiwi und Stachelbeere. So steht es auf den Etiketten der Fruchtaufstriche im Ladenlokal an der Goebenstraße in Moers. Die Schraubdeckel sind in fröhliche Stoffe gehüllt. Denn seit es „onemillionfruits“ gibt, hat Susanne Schmitz nicht nur lecker gefüllte Gläser auf Lager, sondern auch große Stoffballen, aus denen mit einer Zackenschere Stücke herausgeschnitten werden. Die müssen nicht nur von der Größe her passen, sondern auch farblich und thematisch – darauf legt die Chefin Wert. Deswegen sind auf der „Hasentraum“-Stoffhaube Möhren zu sehen, auf den „Frühlingsgrüßen“ sind es weiße Blümchen.
Genussmanufaktur aus Moers wächst und begeistert bundesweit Kundschaft
Geändert hat sich daran in den letzten 15 Jahren nur, dass die Moerserin nicht mehr selbst zur Schere greift, sondern eine der Mitarbeiterinnen. Schließlich ist die Genussmanufaktur mit den ungewöhnlichen Fruchtaufstrichen, Chutneys, Gewürz-, Essig- und Ölmischungen stetig gewachsen; die Produkte werden inzwischen deutschlandweit verschickt und in Konzeptstores verkauft.
Wenn Susanne Schmitz nicht in der Küche hinter dem Lager und dem Verkaufsraum steht, dann sind sie und ihr Mann Volker auf Kreativmessen unterwegs – gerade sind sie mit einem großen Stand auf der Creativa in Dortmund vertreten. Dort präsentieren sie vielleicht keine Million, aber doch weit über 100 verschiedene Produkte.

„Pi mal Daumen sind es 150 Sorten Fruchtaufstriche“, lacht Susanne Schmitz, als sie in den Lagerraum bittet. Natürlich weiß sie es auch ganz genau – sie hat ja alle von A bis Z aufgelistet. Da das hier den Rahmen sprengen würde, bitte nur ein paar Beispiele – und die Unternehmerin holt aus: „Von A wie ‚Aprikose weiße Schokolade‘ über ‚Erdbeere pink & mint‘, also Erdbeere mit roten Johannisbeeren, rosa Pfefferbeeren und Minze, und ‚Kirsche-Schoko-Espresso‘ – mein persönlicher Favorit, die läuft auch richtig gut – bis Z wie ‚Rote-Zwiebel-Apfel‘: Das ist ein ganz herzhafter Aufstrich, der supergut zu Käse passt.“
Von der Büroarbeit zur Marmeladenküche: Susanne Schmitz startet neu
Gelernt hat sie Bürokauffrau und lange bei einem IT-Großhändler gearbeitet, erzählt Susanne Schmitz und bittet zum Kaffee an einen großen Holztisch. Hier werden in einer Stunde ihre Mitarbeiterinnen sitzen und frisch gefüllte Gläser mit Stoffhaube und Etikett versehen. Zeit genug also für einen kurzen Blick zurück: „Ich habe schon immer gerne gekocht und eingekocht; wir hatten früher einen großen Garten mit Johannisbeeren, Pflaumen, Äpfeln. Irgendwann habe ich angefangen, zu experimentieren, und dann ist es immer mehr geworden. Ich fand das einfach toll – andere malen oder stricken, ich habe halt eingekocht.“ Und sie hat die ganze Familie mit Konfitüren, Fruchtaufstrichen und Apfelmus beschenkt.
Als dann ihr Arbeitgeber den Sitz ins Ausland verlegte, war klar, dass sich beruflich etwas ändern würde. Das sei auch eine Zeit der Besinnung gewesen, erinnert sich Susanne Schmitz: „Ich habe mich gefragt, was ich gerne machen würde. Dann habe ich angefangen: mit zehn Sorten Konfitüren und Fruchtaufstrichen, die ich auf kleinen Handwerkermärkten angeboten habe.“

Ein Blick in die bunt gefüllten Regale rings um den Tisch zeigt: Die Idee, mit handgemachten Leckereien zu punkten, ging auf. „Angefangen haben wir bei uns zu Hause, da war mein Wohnzimmer aber bald ein Hochregallager.“ ‚Wir‘, das waren Susanne Schmitz und ihre Tochter Miriam Birk, mit der sie das Unternehmen aufbaute. „Da steckt ganz viel Kreativität von ihr drin. Sie hat die Flyer und das Online-Design gemacht. Meine Tochter hat Mediendesign studiert – das war natürlich praktisch.“

Auf der Suche nach einem Ladenlokal und Lager in der Nähe wurden sie dann in dem ehemaligen Friseursalon an der Goebenstraße fündig. Hinter dem Lager mit den hohen Regalen ist die Einmachküche, in der Susanne Schmitz genauso gerne nach bewährten Rezepten arbeitet, wie sie experimentiert.
Viele Messetermine
Mit ihren Fruchtaufstrichen, Gewürzmischungen, Ölen und Essigkreationen ist Susanne Schmitz fast jedes Wochenende auf Messen unterwegs. An diesem Wochenende ist „onemillionfruits“ Teil der Creativa Neo. In Halle 4 der Creativa Dortmund präsentieren Manufakturen, Designer und kleinere Labels ihre Ideen.
Mehr Infos zur Susanne Schmitz und den Produkten ihrer Manufaktur gibt es unter shop.onemillionfruits.de
Es gibt ein Basissortiment, das immer bleibt. Klassiker wie der Erdbeeraufstrich gehören dazu – und inzwischen auch der Banane-Weizen-Aufstrich, der in Bayern so beliebt ist. Aber vieles verändere sich auch ständig, sagt Susanne Schmitz – und meint damit nicht nur die Rezepturen. In der Coronazeit kamen Kooperationen mit Foodbloggern dazu, inzwischen laufen Geschenkboxen und Genießerpakete richtig gut. Auch in der Regionalschiene von Edeka ist „onemillionfruits“ vertreten. Ganz neu ist die „Pott-Edition“: Auf den Etiketten sind unter anderem ein Bergmann, Schlägel und Eisen und ein Förderturm zu sehen. Im Glas steckt jeweils ein dunkler Fruchtmix – von Birne-Holunder bis Heidelbeer-Apfel. „Das kommt richtig gut an.“
Vernetzung und Offenheit: Die Chefin setzt auf Erfahrungsaustausch
Neues auszuprobieren und mit der Zeit zu gehen, ist für Susanne Schmitz also selbstverständlich – und Grundvoraussetzung für den Erfolg. Unverzichtbar sei auch, gut vernetzt zu sein und über den Tellerrand zu schauen, sagt die Unternehmerin, die im Handelsausschuss der Niederrheinischen IHK sitzt und in verschiedenen Frauennetzwerken aktiv ist. „Es ist immer wichtig, nicht alleine zu kämpfen und voneinander zu lernen.“ Egal, worum es geht – sei es die Website oder ein vielversprechendes neues Kassensystem. „Es sind manchmal nur kleine Stellschrauben, aber ich wäre heute nicht hier, wenn ich nicht auch mal bei anderen nachgefragt hätte.“
Leckeres vom Niederrhein
Das klingt ja schon fast wie ein Schlusswort. Aber eine brennende Frage wäre da noch: Auf dem Stoffballenregal fällt ein knallpinker Stoff mit Leopardenmuster ins Auge. Was bitte kann dazu der passende Fruchtaufstrich sein? „Himbeere-weiße Schokolade“, kommt die Antwort ohne Zögern. Na klar, was denn sonst!


