Zwei mannshohe Werbefähnchen, sogenannte Beachflags, dazwischen ein Briefkasten und zwei Meter daneben steht Michael Mösges. Der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sichert eigentlich den Backstage-Bereich der am Rathaus aufgebauten Bühne. Auf die Menschen, die kurz vor knapp noch ihre Abstimmungsunterlagen für den Olympia-Bürgerentscheid einwarfen, hatte er somit unfreiwillig einen exklusiven Blick.
Für den BMX-Sport wäre es großartig, wenn hier ein Skatepark mit olympischem Anforderungsprofil entstehen würde.
Dustyn Alt, BMX-Profi
„Ich stehe hier seit 10 Uhr“, sagte er gegen 13.30 Uhr, „um die 30 waren sicher schon hier, um den Wahlbrief einzuwerfen.“ In der mit 46.000 Einwohnern kleinsten der insgesamt 17 an der Bewerbung beteiligten Städte hat man also bis zum Schluss alles gegeben für den Traum von Olympischen und Paralympischen Spielen an Rhein und Ruhr. Und am Ende sollten sich die Anstrengungen gelohnt haben: 70,42 Prozent Ja-Stimmen (absolute Zahlen: 8958 zu 3712).
Monheim am Tag der Olympia-Abstimmung
Der Olympia-Bürgerentscheid fällt in der Stadt am Rhein zusammen mit einem riesigen Frühlingsfest, das mit 40.000 Besuchern fast so viele Besucher anzog wie die Stadt Einwohner hat. Zwischen allerlei Essensständen wie „schwäbischem Soul-Food“ hatten sich auch viele Vereine mit Ständen postiert.
Auch interessant
Olympia, so sagen es unter anderem die Inlineskater der „Skunks“ und auch Radler vom ADFC Langenfeld-Monheim, dürfe sehr gerne in die Stadt kommen. „Einen Zusammenhang zwischen Radwegen, die es zu erneuern gilt, und möglichen Olympischen Spielen sehe ich allerdings eher nicht“, sagt ADFC-Sprecher Horst Viebahn. Monheim sei Teil eines Radschnellweges und es gebe auch einige Fahrradstraßen. Die Radwege seien also schon jetzt besser in Schuss als etwa in der Nachbarstadt Langenfeld.
Langenfeld liefert Monheims Bürgermeisterin Sonja Wienecke (parteilos) ein Stichwort, „dass dort zeitgleich zu unserem Frühlingsfest Stadtfest gefeiert wird, ist etwas unglücklich“, sagt sie. Im kommenden Jahr wolle man sich in Sachen Feste besser absprechen.
Auch interessant
Auf der Bühne geht es nach griechischen Tänzen olympisch weiter. Dustyn Alt steht, beziehungsweise befährt die Bühne mit seinem BMX-Rad. Der 34-jährige Leipziger gehört zu den besten Fahrern der Welt, was er später auch noch auf der Straße quasi exklusiv für unseren Fotografen demonstrieren sollte.
Für den Bau eines Skateparks würden Fördergelder nach Monheim fließen
„Für den BMX-Sport wäre es großartig, wenn hier ein Skatepark mit olympischem Anforderungsprofil entstehen würde“, sagt Alt. Anlagen, die für internationale Wettbewerbe taugen würden, gebe es nämlich kaum in Deutschland. 12,5 Millionen Euro würde nach aktueller Schätzung der Bau der Skater- und BMX-Anlage auf dem Gelände einer früheren Kiesabbaufläche kosten.

Die Pläne für den Bau der Anlage standen bekanntlich wie viele andere Großprojekte des Wienecke-Vorgängers Daniel Zimmermann (Peto) auf der Kippe. So wurde etwa der Bau eines Yachthafens aus Kostengründen gekippt, die Skateranlage wurde nach allerlei politischer Diskussion letztlich nicht kassiert. Zu groß offenbar die Chance, bei den möglichen Spielen dabei zu sein, zudem würden für ein solches Projekt wohl auch allerlei Fördermittel fließen. Und sollte das Projekt Olympia an Rhein und Ruhr national oder international scheitern, käme das Thema Skateranlage erneut im Stadtrat zur Sprache. „Das ist dann eine politische Entscheidung“, sagte Wienecke.
Zum Frühlingsfest kamen 40.000 Gäste nach Monheim

Mehr als 12.000 der 33.000 Abstimmungsberechtigten hatten bis kurz vor Toresschluss ihr Kreuzchen gemacht, immer wieder schaute ein Mann des Wahlamtes vorbei und leerte den Kasten, bevor sich ein mächtiger Regenschauer über die Stadt ergoss. Eine der letzten, die ihren Zettel in den Kasten warf, war die Monheimerin Lisa Hinten. Die meisten, mit denen wir am Briefkasten nach ihrer Olympia-Stimmung ins Gespräch gekommen waren, sagten, dass sie mit Ja gestimmt hätten, Motto: „So eine Chance bekommen wir doch nie wieder.“ Lisa Hinten hielt sich mit einer Aussage zurück: „Ein paar Geheimnisse muss man ja auch noch haben...“.





