Butterbrot in der Dose und Socken in den Sandalen – Wandern genießt wohl kaum den Ruf des modernen Hobbys. Gleichzeitig zeigt ein Blick auf Instagram und TikTok ein ganz anderes Bild – immer mehr junge Menschen posten hier ihre Wanderungen. Die Freizeitaktivität scheint aus ihrem eingestaubten Image rauszuwachsen. Erlebt Wandern durch Gen-Z sein Revival?
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Für Jana Schadow sind junge Gesichter auf den Wanderpfaden ganz normal. Die 30-Jährige ist Vorstandssprecherin der Deutschen Wanderjugend NRW und leitet regelmäßig Wandertouren für Jugendliche.
Die Deutsche Wanderjugend (DWJ) wurde 1952 als Jugendorganisation des Verbands Deutscher Gebirgs- und Wandervereine gegründet und umfasst aktuell 57 regionale Vereine. Insgesamt sind ungefähr 100.000 Kinder und Jugendliche auf Bundesebene unter der DWJ organisiert.
Ihre Liebe zum Wandern entdeckte die gebürtige Ostwestfälin durch Zufall. „In meinem Dorf hat die Wanderjugend deutsche Volkstänze angeboten.“ Die Teilnahme an den Tanzkursen war ihr erster Berührungspunkt mit dem Verein, zum Wandern kam sie jedoch erst später.
Von der Wanderanfängerin zur Wanderführerin
„Mit 16 bin ich dann das erste Mal in meinem Leben bei einer Klassenfahrt in Österreich auf einen richtigen Berggipfel mit Gipfelkreuz gelaufen. Danach hat mich das Wandern irgendwie gepackt.“ Doch nicht nur machte ihr das Wandern selbst Freude, sie fand auch immer mehr Gefallen an der Idee, Wandertouren für andere in der Wanderjugend anzubieten.

Dafür absolvierte Schadow eine Ausbildung zur Jugendwanderführerin. Die erste von ihr angeleitete Tour führte über den Lieserpfad, von der Vulkaneifel bis zur Mosel. Seitdem folgten viele weitere Touren – von Wanderungen durch NRW bis hin zu Alpenüberquerungen in Österreich.
Mehr junge Gesichter auf den Wanderpfaden: Einbildung oder ein echter Trend?
Raus aus der digitalen Welt, zurück in die Natur: Viele junge Menschen teilen aktuell in den sozialen Medien ihre Abenteuer auf den Wanderpfaden der Welt. Doch ist das mehr als ein Online-Phänomen? „Mir laufen viele junge Leute über den Weg. Sowohl in den Bergen als auch hier bei uns in der Heimat“, berichtet Jana Schadow.
Und auch Klaus Erber, 1. Vorsitzender des Deutschen Wanderinstituts, bemerkt einen Wandel: „Es ist schon ein deutlicher Trend, dass die Wanderer insgesamt immer jünger werden“, sagt er. Das Institut forscht seit über 20 Jahren zum Thema Wandern und führt jährlich einen „Wandermonitor“ durch, der mithilfe von Umfragen empirische Daten zum Wandertourismus in Deutschland sammelt.
Erber weiß auch: Wandern zieht nicht erst seit gestern vermehrt junge Menschen an. „Wir beobachten das schon seit 15 Jahren. Wandern hatte früher eher ein angestaubtes Image. Das hat sich stark geändert.“ Aber was bringt Gen-Z zum Wandern?
Die NRZ lädt am Vatertag zum Wandertag um den Baldeneysee ein
Am Vatertag noch nichts vor? Am 14. Mai ist es wieder Zeit für den Wandertag der NRZ rund um den Baldeneysee in Essen. Erwachsene haben die Wahl zwischen drei unterschiedlich langen Routen: über 10, 18 oder 25 Kilometer geht es am See entlang oder einmal herum. Wie schon bei den vergangenen NRZ-Wandertagen wird es auch Spezialtouren für Hundebesitzer und Familien geben.
Darum geht Gen‑Z wandern
Laut Jana Schadow vor allem eine Frage, die sich alle jungen Menschen irgendwann stellen: „Schule durch – und was jetzt?“ In der Zeit nach dem Schulabschluss entdecken etliche dann das Wandern für sich. „Viele wollen nach dem Abi reisen gehen. Wandern eignet sich da super, weil es relativ günstig ist. Man muss nicht zwangsläufig weit fahren und braucht für den Anfang kein superteures Equipment.“
Beim Wandern muss man erst mal nicht viel können. Das kann man machen, ohne dass man Druck von außen bekommt.
Jana Schadow, Vorstandssprecherin der Deutschen Wanderjugend NRW
Für viele Jugendliche bietet Wandern außerdem eine Möglichkeit, sich ohne Leistungsanspruch sportlich zu betätigen. „In einem Sportverein, da muss Leistung gebracht werden, damit man nicht auf der Bank sitzt, sondern mitspielen darf“, erzählt Jana Schadow. „Beim Wandern muss man erst mal nicht viel können. Das kann man machen, ohne dass man Druck von außen bekommt.“
Wandern als digitaler Detox für junge Menschen
Dazu sei Wandern auch für viele ein digitaler Detox. „Man kommt miteinander ins Gespräch, man quatscht. Ich habe Leute um mich herum, die gleich eingestellt sind wie ich. Man hat auch keine Musik auf den Ohren, weil man die Natur drumherum einfach genießt. Und ich glaube, dass das auch Jugendlichen gut tut, wenn sie abends dann müde ins Bett fallen.“
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Beim Wandern nicht ständig ans Handy zu gehen, passiere fast automatisch, so Schadow. „Man steckt sich das Handy nicht in die Hosentasche, weil es da drückt beim Gehen. Und die Wanderhosen haben jetzt auch nicht unbedingt hinten eine Tasche, in die man es stecken könnte. Das heißt, es ist per se schon mal hinten im Rucksack.“ Dazu habe man oft in den Bergen ohnehin keinen Empfang.
So wandert die Jugend von heute
Funktionsjacke, Thermoskanne, ältere Menschen im Gänsemarsch: Wander-Klischees gibt es wohl wie Sand am Meer. Und wie wandert die Jugend von heute? Jana Schadow sagt: „Ich glaube tatsächlich gar nicht mal so anders.“
Einen Unterschied sehe sie aber im Enthusiasmus der Jüngeren. „Die sind noch ein wenig euphorischer, weil sie noch nicht so viel gesehen und erlebt haben, während die Älteren da etwas gelassener unterwegs sind.“ Zudem gebe es bei jungen Menschen oft noch einen sportlichen Anspruch: „Die Jugendlichen, die wollen etwas mehr Tempo machen“, so Schadow.
Was ihr aber besonders auffalle: „Die Älteren freuen sich immer, wenn sie die Jugend beim Wandern sehen. Und die Jungen freuen sich dann natürlich, wenn sie ein paar nette Sprüche bekommen“, erzählt die 30-Jährige und schmunzelt.





