„Jagd ohne dich ist wie ein Wald ohne Wild!“ So steht es auf der Grabplatte von Asta Westerode. Neben der Platte liegt ein blauer Ball mit einem Smiley darauf, eine Kerze steht daneben. Hier, auf dem Tierfriedhof im Tannenwald in Kevelaer Twisteden, hat die Jagdhündin Asta neben anderen geliebten Haustieren ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ihre Besitzer, die Familie Hornbergs, haben hier einen Ort für Tierhalter geschaffen, die einen Ort zum Trauern brauchen.
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Angefangen hat alles 2002. Einer von Gerd Hornbergs geliebten Jagdhunden wird von einem Auto erfasst und verstirbt. Da der Hof und das angrenzende Land das Jagdgebiet des Hundes waren, will der Landwirt ihm hier seine letzte Ruhestätte geben. Doch beim Vergraben des Tieres wird er von Polizisten gesehen. „Sie fragten mich, ob ich wisse, dass das nicht erlaubt sei“, erinnert er sich. Doch der Landwirt bleibt stur: „Ich antworte nur: Sie können sich auf den Kopf stellen. Der Hund wird hier begraben, auf seinem Gebiet.“
Tierfriedhof im Tannenwald entsteht nach zwei Jahren Genehmigungen
Die Hornbergs machen sich schlau: Solange das Grundstück nicht Teil des Wasserschutzgebiets ist, sei es erlaubt, die Tiere hier beizusetzen. Daraus entstand die Idee, die Fläche auch für andere trauernde Tierbesitzer zu öffnen. „Wir haben ja ausreichend Platz hier“, sagt Gerd Hornbergs. Zwei Jahre dauert es, bis alle Genehmigungen durch sind. Gerd Hornbergs beschreibt es als ein Hin und Her: „Sie kennen ja die deutsche Bürokratie“, sagt er augenzwinkernd. Seit 2002 darf er nun auf seinem Grundstück die Tierbestattungen durchführen. Der Tierfriedhof im Tannenwald entsteht. Der Name kommt von den grünen Nadelbäumen, die den Friedhof umsäumen.

Auf einem der Gräber liegt ein grünes Halsband. Ein Windspiel dreht sich, das Licht von Kerzen schimmert durch den roten Kunststoff. Hier wird aktiv getrauert. Was verrotten kann, darf mit ins Grab gegeben werden. Spielzeuge aus Kunststoff, Leinen oder Halsbänder schmücken die Ruhestätte von außen. Am Rand des Friedhofs hat man die Möglichkeit, Platz zu nehmen oder eine Gießkanne aufzufüllen. Es erinnert an einen Friedhof für Menschen. Nur, dass hier die treuen tierischen Begleiter liegen.
Tierfriedhof rund um die Uhr erreichbar: „Man muss schon rufbereit sein“
Marlene und Gerd Hornbergs haben im vergangenen Jahr den Hofbetrieb an ihren Sohn Ralf und dessen Frau Andrea abgegeben. Doch trotzdem packen beim Tierfriedhof alle noch mit an. Damit die Tiere nach ihrem Tod schnell beerdigt werden können, muss die Familie erreichbar sein. „Man muss schon rufbereit sein. Außerdem hilft hier jeder aus der Familie mit. Der eine kümmert sich um die Bestattungen, die andere mäht den Rasen und pflegt die Gräber“, sagt Ralf Hornbergs.
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Denn wenn ein Tierleben endet, muss es schnell gehen: „Meistens rufen die Menschen an und sagen, dass ihr Tier vermutlich im Laufe des Tages eingeschläfert wird. Dann bereiten wir alles vor, heben das Grab aus, besorgen einen Sarg, falls gewünscht. Wir holen das Tier auch bei Bedarf beim Tierarzt ab“, erklärt Ralf Hornbergs. Die Mindestliegezeit für ein Grab liegt bei drei Jahren. Danach kann individuell verlängert werden: um ein, drei, fünf oder sogar zehn Jahre. Kleine und große Haustiere finden hier ihre letzte Ruhe: „Wir haben schon Mäuse und Ratten hier begraben. Das Größte, was wir begraben können, sind Hunde.“
Das kostet eine Bestattung auf dem Tierfriedhof
Auf Wunsch lässt die Familie auch Särge für die Vierbeiner bei einem Schreiner anfertigen. Eine Beisetzung im Sarg ist jedoch keine Pflicht auf dem Tierfriedhof. Eine Bestattung im anonymen Wiesengrab kostet 160 Euro. Die Kosten für ein persönliches Grab beginnen bei 350 bis 400 Euro für drei Jahre Mindestliegezeit, können aber je nach gewünschter Dienstleistung auch steigen. Ralf Hornbergs betont: „Jede Beerdigung und jedes Grab sind individuell. Da wir uns an den Wünschen der Besitzer orientieren, können die Preise variieren.“

Das älteste Grab auf dem Friedhof in Kevelaer ist von 2004. Es sieht auch heute noch gepflegt aus. Der tierische Begleiter wurde 1988 geboren und verstarb 2004. Seitdem erneuert die Besitzerin stetig die Ruhestätte, kommt noch immer regelmäßig vorbei und pflegt es, beobachtet Marlene Hornbergs. Die Familie beurteilt nicht, wie die Menschen hier trauern: „Die Tiere haben den Menschen eine enorme Freude bereitet.“ Ihr Sohn Ralf weiß: „Für manche waren die Tiere Kinderersatz oder ein treuer Lebenspartner.“
Tierbestattungen ganz individuell: „Es gibt hier wirklich kein Schema F“
Auch Geschwistergräber gibt es hier: Zwei Ruhestätten sind gleich bepflanzt und gleich gut gepflegt. Jedes Grab ziert eine kleine Tanne und eine Tafel mit Namen und Bild der Hunde. Es brennen gleich mehrere Kerzen. „Die Familie kommt sehr regelmäßig und pflegt die Gräber sehr gut, wie man sehen kann“, sagt Marlene Hornbergs. Doch auch auf einem Tierfriedhof gibt es Gräber, die verwittert aussehen. „Manche kommen jeden Tag, andere kommen gar nicht“, beobachtet sie. „Dann liegt auf dem Grab ein Stein mit der Inschrift ,Wir werden dich niemals vergessen‘, aber es war schon lange keiner mehr hier, um das Grab zu pflegen. Dann denke ich mir manchmal: Die Tiere scheinen schon lange vergessen“, gibt sie zu.

Ihr Sohn Ralf sagt: „Besonders für die Menschen, die in Mietwohnungen leben, ist der Friedhof ein Ort zum Trauern. Nicht jeder Haustierbesitzer hat die Möglichkeit, das Tier im eigenen Garten zu begraben, möchte es aber auch nicht zum Abdecker oder zur Tierbeseitungsanlage bringen.“ Die Bestattungen sehen dabei immer unterschiedlich aus: „Es gibt hier wirklich kein Schema F. Manche Menschen möchten bei der Bestattung selbst nicht dabei sein, aus emotionalen Gründen. Sie bitten dann um einen Anruf, wenn das Grab geschlossen und das Tier beerdigt wurde, und kommen erst danach hierher.“ Andere feiern eine kleine Beerdigung mit der gesamten Familie. „Ich weine fast jedes Mal mit“, gibt Andrea Hornbergs zu.
Kontakt
Der Tierfriedhof im Tannenwald befindet sich Im Auwelt 42, 47624 Kevelaer-Twisteden. Familie Hornbergs ist telefonisch unter +49 (0)2832 78318 oder der Mailadresse info@hornbergs.de zu erreichen.
Wie oft ihre Dienste im Schnitt beansprucht werden, kann die Familie nicht pauschal beantworten, aber eines ist ihr in über 24 Jahren aufgefallen: „Wenn ein Tier stirbt, kommen danach immer Tiere nach. Das ist ein Phänomen, das auffällt. Sobald wir einen Anruf bekommen, kommt dieser meist nie allein. Es ist ein wenig so wie bei uns Menschen“, wundert sich Marlene Hornbergs. Doch in all den Jahren mussten die Hornbergs noch keinen Anruf ablehnen.



