Fast 24 Stunden steckte der Riesentransporter, der den Flügel eines Windrads nach Alpen bringen sollte, auf der Auffahrt von der A42 auf die A57 fest. Für den rund 100 Meter langen Transporter war die Kurve, die an der Innenseite mit Bäumen bewachsen ist, zu eng. Die Bäume mussten zurückgeschnitten und Teile der Schutzplanke abgefräst werden.
Am Dienstagabend gelang es dann endlich, den Weg freizumachen. Gegen 23.30 Uhr nahm der Transporter wieder Fahrt auf, machte die A57-Zufahrt frei und kam schließlich kurz vor Mitternacht im Windpark Alpen-Veen an. Auch das zweite Blatt kam kurze Zeit später in Alpen an. In der Nacht zu Donnerstag soll der dritte und letzte Flügel für das Windrad geliefert werden.

Riesenpanne beim Windrad-Transport in Kamp-Lintfort
24 Stunden zuvor um 0.30 Uhr. Es ist die Nacht von Montag auf Dienstag (11./12. Mai). Arif Doruk steht auf dem Wanderparkplatz in der Nähe der Alpener A57-Ausfahrt. Aus der Ferne ist nur seine neongelbe Warnjacke zu erkennen, ansonsten ist es stockdunkel an der Weseler Straße. Gleich soll hier der erste von drei Transportern mit rund 100 Metern Länge von der Autobahn abfahren. Geliefert werden die 87,5 Meter langen Flügel für ein neues Windrad im Windpark Alpen-Veen. Noch ahnt der Dinslakener nicht, dass in dieser Nacht keiner der Transporter ankommen wird.
Wenige Kilometer weiter ragen schon die Türme der zwei neuen Windräder aus dem Boden. Das Maschinenhaus für das erste Windrad wurde schon erfolgreich abgeliefert, erzählt Doruk. Er ist der Bauleiter des Projekts der SL Naturenergie. „Jetzt fehlen nur noch die Flügel und es kann bald mit der Montage losgehen“, sagt Doruk. Den Schwertransport übernimmt ein anderes Unternehmen. Monatelang wurde der Transport vorbereitet: Straßenschilder wurden vorübergehend abgebaut, auf Privatgrundstücken in Alpen liegen Stahlplatten zum Überfahren bereit – die Straßen in Alpen sind nicht groß genug für die 100-Meter-Transporter.
„Schlechte Nachrichten“ für den XXL-Transport in Alpen
Doruk schaut auf die Uhr. Schon 1.15 Uhr. „Eigentlich sollte der erste Transporter schon durch sein. Jeweils eine Stunde später kommen dann noch die zwei anderen Flügel“, sagt der Bauleiter nachdenklich. Plötzlich fährt eines der Begleitfahrzeuge des Schwertransports mit gelber Warnleuchte auf die Kreuzung zu. Ein Mitarbeiter steigt aus und ruft Doruk etwas zu: „Schlechte Nachrichten!“
Eigentlich war alles vorbereitet: Die Route, über die die fehlenden Komponenten zu dem neuen Windrad geliefert werden sollen, wurde seit Oktober 2025 geplant. Doch auch Experten machen Fehler, wie in dieser Nacht wieder klar wird. Der Riesentransporter schafft es nicht für die letzten Kilometer auf die A57. Am Kreuz Kamp-Lintfort sollte er von der A42 auf die A57 wechseln, doch die Kurve der Auffahrt ist offenbar zu eng.
A57 blockiert: Deshalb konnte der Transporter nicht weiterfahren
Denn an der Innenseite der Kurve stehen Bäume, mit denen die Mitte des 31 Tonnen schweren Flügels kollidieren würde, wenn der vordere Teil des Transporters einschlägt. Der Transporter muss ststehen bleiben, die Polizei kommt sofort und riegelt die Stelle ab.

Vor Ort versucht die Besatzung der Begleitfahrzeuge zusammen mit der Polizei, den Transporter an den Bäumen vorbei zu rangieren. Schnell wird aber klar: Hier wird es noch mehrere Stunden dauern. Die übrigen Transporter der zwei weiteren Blätter, die eigentlich nur eine Stunde später kommen sollen, werden informiert. Sie bleiben erst mal stehen. Der Transport muss um 24 Stunden verschoben werden.
Windrad-Transport: Auffahrt auf A57 voraussichtlich bis Dienstagabend gesperrt
Ein Sprecher der Autobahnpolizei sagte am Dienstagmorgen, die Bergung des Spezialtransporters werde voraussichtlich noch bis 22 Uhr am Abend dauern. So lange bleibe auch die Auffahrt der A42 auf die A57 gesperrt. Autofahrerinnen und -fahrer könnten aber die Ausfahrt Moers-Hülsdonk auf der A57 nutzen.
Flügel-Transport blockierte A57-Auffahrt: Die spektakulärsten Bilder
Für die Bergung des Transporters müsse „aufwendiges Gerät“ angefordert werden, so der Sprecher. Die Bäume, an denen das Fahrzeug festhängt, müssten beschnitten werden. Die äußere Leitplanke der Auffahrt müsse zudem teilweise abgebaut werden, damit der Transporter einen größeren Bogen fahren kann. Zur Bergung sei außerdem ein Kran erforderlich. Am Nachmittag sind die Arbeiten noch im vollen Gange. Bis 22 Uhr wolle man aber fertig sein und den Transport dann wieder rollen lassen, heißt es von SL Naturenergie.
Am Mittwochmorgen dann war die Autobahnzufahrt von der A42 auf die A57 wieder frei – die Meldung kam um 1.26 Uhr in der Nacht, teilte die Autobahnmeisterei Rheinberg auf Nachfrage mit.
Transport der Windrad-Flügel: Das war geplant
Für den Windpark-Betreiber SL Naturenergie aus Gladbeck und Enercon, den Hersteller der beiden E-175-Exemplare, ist es der bisher längste Blatttransport der Unternehmensgeschichte. Eigentlich hätte dieser schon in der vergangenen Woche stattfinden sollen, musste aber wegen einer Baustelle noch zweimal verschoben werden. „Dass dann nicht alles perfekt nach Plan läuft, kann passieren“, holt Bauleiter Doruk aus, „bei der langen Planungsgeschichte ist es aber natürlich sehr ärgerlich.“
SLT, das Unternehmen, das den Schwertransport durchführt, betont auf Anfrage der Redaktion, weder für die Erteilung der Genehmigungen noch für den Streckenausbau verantwortlich zu sein.
Schwertransport in Alpen: Diese Straßen sind betroffen
Ursprünglich kommen die Flügel aus Wilhelmshaven, wurden zuvor aber schon nach Osnabrück gebracht. Von hier aus sollte es auf direktem Wege weitergehen zum Windpark in Alpen. Laut SL Naturenergie war geplant, den Konvoi über die A57, die Weseler Straße, die Bönninghardter Straße, die Thorenstraße und schließlich über die Dickstraße zur Baustelle am Schanzweg fahren zu lassen.
So viel Energie pro Umdrehung
Mit einem Rotordurchmesser von stolzen 175 Metern sollen es die beiden neuen Enercon E-175 auf etwa 10 Umdrehungen pro Minute bringen. Die alten Windräder am Windpark Alpen-Veen kommen noch auf etwa 18 Umdrehungen, sind aber auch deutlich kleiner und weniger effizient. Mehr Strom wird mit den beiden neuen Windrädern produziert: Bei einer vollständigen Umdrehung werden etwa acht Kilowattstunden Strom erzeugt. Damit lässt sich ein durchschnittlicher Haushalt schon ein bis zwei Tage versorgen oder ein Elektroauto für 50 Kilometer aufladen.
Durch die Blockade an der A57-Auffahrt musste der Transport um einen Tag nach hinten verschoben werden. Ein solcher Schwertransport darf nur in der Nacht stattfinden. Außerdem werden die Einsatzkräfte noch einige Zeit mit der Bearbeitung der Auffahrt beschäftigt sein.













