Es ist ein Vorfall, der ziemlich widersinnig klingt: Vor wenigen Tagen rettete die Feuerwehr in Solingen vier Waschbärbabys vom Vordach eines Wohnhauses, die zuvor abzustürzen drohten – kurze Zeit später wurden die Tiere getötet. Grund dafür ist eine Verordnung der EU.
Anwohner hatten die Waschbären am Dienstag (26. Mai) entdeckt. Durch ihre handartigen Pfoten sind Waschbären gute Kletterer und könnten zum Beispiel über die Dachrinne auf das etwa fünf Meter hohe Vordach gelangt sein. Die Anwohner befürchteten jedoch, dass die neugierigen Tierchen abstürzen könnten und alarmierten die Feuerwehr.
Vor Ort konnten die Einsatzkräfte die Waschbärbabys mit der Drehleiter wieder auf den Boden zurückbringen, eins musste von einem Dachdecker aus einem Dachkasten befreit werden. Die Tiere wurden an die Jagdaufsicht übergeben – doch diese töteten die Waschbären schließlich.
EU-Verordnung verbietet Aussetzung invasiver Arten
Der Landesjagdverband begründet das mit einer EU-Verordnung, die das Aussetzen und Auswildern invasiver Arten, zu denen auch der Waschbär zählt, verbietet. Damit soll verhindert werden, dass sich die Tiere weiter vermehren. Die Stadt Solingen betont deshalb, die Waschbären seien tierschutzgerecht getötet worden.
Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert die Argumentation. Die Behauptung verbreite ein falsches Narrativ: „Eine Tötung ist weder durch die EU-Verordnung vorgegeben noch zwingend erforderlich“, sagt Paulina Kuhn, Fachreferentin für Wildtiere. Eine weitere Option wäre es schließlich gewesen, die Tiere an eine Auffangstation oder einen Zoo abzugeben. Die Behörden hätten das, „zumindest prüfen müssen“, bemängelt die Tierschützerin.


