„Mit den Bäumen kenne ich mich nicht so aus“, gibt Detlev Schulz gleich zu Beginn zu. Doch das tut dem Gartenparadies keinen Abbruch. Ein kleiner Bachlauf zieht sich durch den Teil des Gartens, der am Deich liegt, „mit Klärfunktion“, fügt er hinzu. An Reben hängen Weintrauben, nicht weit davon entfernt steht ein alter Walnussbaum. Das Grün der Wiese leuchtet kräftig. In Kalkar haben er und seine Frau Britta Schulz direkt hinter dem Deich ein Gartenparadies geschaffen.

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Das fast 8000 Quadratmeter große Grundstück hat parkähnliche Qualitäten. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld ist etwa 7000 Quadratmeter groß. Mehrere Teiche und Brunnen, viele alte Obstbäume, unzählige Staudenbeete, ein Steingarten, ein Wildblumenbeet, ein Gräsergarten und ein Blumenzaun finden sich hier. Dabei ist das alles noch gar nicht so alt, wie man vermuten könnte: „Ich habe erst vor circa sieben Jahren damit begonnen, den Garten so zu gestalten und die Staudenbeete anzulegen“, erzählt der 71-Jährige.

Vom Familiengarten zum Biodiversitätsparadies

Lange gab es nur die Teiche und die alten Obstbäume. „Als die Kinder noch klein waren, hatten wir viele Spielgeräte. Alles, was man damals zum Leben gebraucht hat“, erinnert sich Britta Schulz. Nun sind die Kinder groß. Auf der Suche nach einem Hobby in der Rente ist dieses Paradebeispiel an Biodiversität im eigenen Garten entstanden. Verbesserungsvorschläge seiner Frau nimmt Detlev Schulz gerne an, wenn auch „leider etwas verspätet“, wie Britta Schulz mit einem Augenzwinkern in die Richtung ihres Mannes sagt.

Ein Teil des Gartens liegt direkt hinter dem Deich in Kalkar.
Ein Teil des Gartens liegt direkt hinter dem Deich in Kalkar. © FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Petersson und Findus, die beiden Jack-Russell des Paares, flitzen hin und wieder zwischen den Beinen ihrer Herrchen hindurch über die Wiese. Das Ehepaar Schulz beherbergt außerdem noch vier Milchziegen und drei Hühner: „Sie sind nur für den Eigenbedarf, aber sie legen tapfer Eier“, scherzt Britta Schulz. Auf einer Hecke sitzt eine Taube. „Ein ungewöhnlicher Standort für die Tiere, aber auch sie haben sich hier eingenistet“, weiß die 67-Jährige. Zum Leidwesen für sie, denn auch die Tauben müssen mal.

Vor allem die Staudenbeete haben es Detlev Schulz angetan. Die legt er alle selbst an. „80 bis 100 Dahlien haben wir. Die heimischen Stauden haben hier Vorrang. Und auch alte Sorten pflanze ich gerne.“ So eine Pracht von Pflanzen zieht einige Tiere an. „Das ging alles sehr schnell“, erinnert sich Detlev Schulz, „innerhalb von zwei Jahren gab es die ersten neuen Vögel. Ich war total verblüfft.“ Ein paar der alten Bäume weisen so etwas wie Höhlen in ihren Stämmen auf. „Hier nisten die Dohlen“, weiß der ehemalige Agraringenieur. Sie scheinen hier ein schönes Zuhause gefunden zu haben. Das freut auch Schulz: „Die halten uns auch die Krähen vom Leib.“

Vogelvielfalt im Garten steigt durch naturbelassene Wiesen

Vier Meisensorten, Rotschwänze, Schwalben, Stieglitze, Sperber – sogar Raubvögel hat Detlev Schulz in seinem Garten schon entdeckt. In einem Stück ungemähter Wiese finden die Vögel ihr Menü: Hier springen im Sommer die Insekten und Heuschrecken munter herum. „Bei so viel Platz kann man einige Ecken so belassen, wie es der Natur passt. Wenn die Gärten noch so wie vor 50 Jahren wären, dann würden auch mehr Vögel zurückkommen“, ist sich der 71-Jährige sicher. „Die Vogelvielfalt war in den Gärten begründet.“

Mehrere Teiche und Brunnen zieren den Garten des Ehepaars, eingerahmt von Staudenbeeten.
Mehrere Teiche und Brunnen zieren den Garten des Ehepaars, eingerahmt von Staudenbeeten.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

So ein Garten braucht vor allem eins: Zeit. „Ich verbringe im Durchschnitt zwei bis drei Stunden am Tag mit Gartenarbeit“, gibt Detlev Schulz an. Am liebsten morgens in der Früh, nachmittags möchte er dann seinen Garten genießen. „Jetzt im Sommer ist es schon entspannt, im Winter gibt es mehr zu tun. Es ist besser als jedes Fitnessstudio“, sagt der Rentner. Seine Frau hat ebenfalls viel Freude an dem Naturparadies auf dem eigenen Grundstück, auch, wenn sie weitaus weniger Zeit mit der Gartenarbeit verbringt. „Es ist ein sehr schönes Hobby. Aber es muss auch jemand im Haus sitzen und sagen, wie schön man es hat“, sagt die 67-Jährige lachend. Doch sie hat Freude daran, ihrem Mann bei der Gestaltung zu helfen: „Ich bin für das Grobe da, sie für das Schöne“, antwortet ihr Mann mit einem Schmunzeln zurück.

Das Leben blüht im Garten Schulz

In einem der Teiche springen Frösche – oder doch Kröten? – von den Seerosenblättern ins Wasser und verschwinden mit einem leisen Platschen. „Die Frösche hier sind sehr gut drauf. Abends gibt‘s hier ein Orchester“, sagt Britta Schulz. Ihr Mann weiß, wo sich weitere Gartenbewohner verstecken: „Unter jedem Stein findet man mindestens einen Molch.“ Und wie sieht es mit weniger netten Gartenbewohnern aus? „Die Hornissen und Wespen stören gar nicht. Außer man stößt direkt vors Nest. Aber da sag’ ich nur: selbst Schuld“, sagt Detlev Schulz.

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So ein Gartenparadies kann sich sehen lassen. Deshalb nimmt das Ehepaar Schulz bei den Offenen Gärten im Kleverland teil– mit viel Freude: „Der Besuch ist einfach fantastisch. Man kann auch immer jemanden anstecken mit neuen Ideen.“ Ihr Mann fügt hinzu: „Es ist mit das größte Vergnügen, den Garten mit anderen zu teilen und die Artenvielfalt unter die Leute zu bringen.“

Offene Gärten im Kleverland

Bei den „Offenen Gärten im Kleverland“ können private Gartenoasen am Niederrhein besichtigt werden. Zwischen März und Oktober öffnen engagierte Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer an ausgewählten Terminen ihre Tore. Der „Garten am Rheindeich“ von Britta und Detlev Schulz ist 2026 am 21. Juni, am 5. Juli und am 23. August jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Mehr Infos unter www.gaerten-kleverland.de.

Kann man bei so einer Gartenpracht überhaupt eine Lieblingsblume haben? Detlev Schulz möchte sich nicht festlegen, aber Britta Schulz hat sofort einen Einfall: „Den rosa Mohn. Den roten kennt fast jeder, aber dieser ist besonders. Er hat dicke Blüten und eine knallige Farbe“, schwärmt sie. „Siebenmal im Jahr wechselt der Garten seine Farben. Im Herbst ist der blau von den Astern, davor blühen die Dahlien, im Sommer sind die Sommerblüher dran. Im Februar zeigen sich die ersten Zwiebelpflanzen, dann steht hier eine Krokuspracht“, versichert Detlev Schulz. Kein Wunder, dass man sich da nicht festlegen möchte.