Almas Nase ist fest auf die grüne Wiese vor ihr gerichtet. Aufmerksam schnüffelt sie die Grashalme ab. Sie ist auf der Suche nach einem ganz bestimmten Duft: Sie möchte einen Igel finden. Und ihre Besitzerin Silvia Wiemann hat sie sogar extra dafür losgeschickt. Warum?
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Die Spürnase der siebenjährigen Alma soll in Zukunft die stacheligen Waldbewohner vor schlimmen Verletzungen oder sogar dem Tod bewahren. Maureen Radszuweit bietet in ihrer Hundeschule „Maureen‘s Dogs“ in Alpen seit April die erste Hundeausbildung zum Igel-Suchhund in Nordrhein-Westfalen an. Das Ziel: Igel sollen gerettet werden, bevor sie durch Rodungs- oder Mäharbeiten getötet werden. Denn die Tiere gelten in Deutschland als potenziell gefährdet.

Da kommen die Igel-Suchhunde ins Spiel. Den Theorieteil hat dieser Kurs schon hinter sich. Heute geht es das erste Mal ans Eingemachte: Radszuweit hat von der Igelauffangstation in Krefeld ein großes Einmachglas mit Geruchsproben bekommen. Sie verteilt an jede Teilnehmerin zwei Einmachgläser mit kleinen Fetzen von Hand- und Küchentüchern aus den Nestern der Tiere, die den Urin- und Eigengeruch der Igel aufgenommen haben. Dann bittet Radzusweit alle Teilnehmerinnen, nun Handschuhe anzuziehen. Sie selbst berührt die Proben ebenfalls nur mit einer Pinzette, damit sie nicht durch den menschlichen Geruch verunreinigt werden.
Igel-Suchhunde schützen Tiere bei Gartenarbeiten
Die siebenjährige Alma hat dem Kurs schon vorgemacht, was sie kann. Ihre Besitzerin Sivia Wiemann erzählt: „Auf einem Spaziergang im Wald ist sie auf einmal stehen geblieben und hat mir genau wie im Training geübt gezeigt, dass sie einen Igel gefunden hat. Leider war der Igel bereits verstorben.“ Jetzt sind die anderen dran. Die vierjährige Labradorhündin Kali muss sich erst noch an den Geruch gewöhnen. Das übt Besitzerin Heike Nürnberg mit ihr, indem sie Kali belohnt, sobald sie von selbst an dem Einmachglas mit der Geruchsprobe schnuppert.

Teilnehmerin Heike Nürnberg sei über Facebook auf den Ausbildung aufmerksam geworden. Die Werbung für den noch einzigartigen Kurs kam über das Haus der Igel in Krefeld, mit dem Maureen Radszuweit eng zusammenarbeitet, und das Internet. „Niemand kommt von selbst auf die Idee und sagt: Ich bilde jetzt mal meinen Hund zum Igel-Suchhund aus“, scherzt die Hundetrainerin. Bis Ende des Jahres plant sie, 24 Igel-Suchhunde auszubilden. „Eine Traumvorstellung wäre es, wenn es in jeder Stadt zwei Suchhunde gäbe“, sagt die 52-Jährige. Wenn die Teilnehmenden den Kurs für rund 550 Euro absolviert haben, können sie sich in Teams oder als Einzelpersonen als Igel-Suchtrupp bereit erklären. Ob sie den Service dann ehrenamtlich oder vergütet anbieten, bleibt ihnen überlassen.
Bloß nicht zurückbringen! Hunde lernen gezieltes Anzeigen mit Münzen
Kali und ihre Besitzerin Heike Nürnberg kommen aus Bottrop. „Suchen tut sie gerne, aber wir arbeiten noch am Timing mit der Belohnung. Darauf kommt es am meisten an“, hat Nürnberg schon gelernt. Denn wichtig ist: Die Hunde müssen, anders als beim Apportieren, darauf trainiert werden, den Igel zwar zu finden, aber ihn liegenzulassen, um sich selbst und auch den Igel nicht zu verletzen. „Darauf lag jetzt zwei Monate lang das größte Augenmerk. Nicht alles, was gerochen wird, darf auch apportiert und angeschleppt werden“, weiß Maureen Radszuweit.
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Deswegen hat sie im ersten Teil der Praxisausbildung ausgiebig das Anzeigen der Hunde ohne das anschließende Bringen geübt – mit einer Münze. Sobald der Hund die Schnauze auf die Münze richtet, gibt es eine Belohnung, verbunden mit dem Kommando, zum Beispiel „Top“. So lernt er das Zeigen auf einen Gegenstand, sobald ein bestimmtes Kommando fällt. Das wird so oft geübt, bis der Hund die Münze gezielt anstupst, wenn sie vor ihm liegt. Zwar trifft sich der Kurs über mehrere Monate einmal in der Woche, aber das reicht nicht aus, um die Hunde in der neuen Aufgabe fit zu machen: „Das eigentliche Training findet immer zu Hause statt. Ich zeige lediglich, wie es geht“, sagt Radszuweit.
Igel-Suchhunde kontaktieren
Igel sind gebietstreu. Das heißt, sie haben feste Reviere und nutzen innerhalb dieser vertrauten Umgebung dauerhaft dieselben Schlafnester, Futterplätze und Winterquartiere. Das erleichtert die Suche, denn auf allen Flächen, auf denen etwa Hecken geschnitten oder die gerodet werden, können die Igel-Suchhunde eingesetzt werden. Das Angebot gilt für Gärtnereien, Bauherren, Ämter, aber auch private Grundstücksbesitzer. Mehr Infos zur Hundeschule „Maureen‘s Dogs“ und ihrem Angebot unter www.hundetrainer-niederrhein.com
Hunde erschnüffeln spielerisch versteckte Gerüche auf der Wiese
Generell ist die Gruppe sehr gemischt. Und das ist kein Problem, denn: „Es kann theoretisch jeder Hund für die Ausbildung geeignet sein“, sagt Radzusweit. „Wenn er gerne Futter sucht, dann kann er auch andere Sachen suchen. Das Wichtigste aber ist der Spaß am Schnüffeln. Je länger die Schnauze, desto besser der Riechsinn, das Alter und die Rasse spielen eine untergeordnete Rolle“, stellt die Hundetrainerin klar.

Kali ist schon ganz aufgeregt, wie ihre Besitzerin Heike Nürnberg beobachtet: „Sie hat noch keine Ahnung, was gleich passiert“, gibt sie selbst mit etwas Aufregung in der Stimme zu. Die ersten Geruchsproben werden auf dem Hundeplatz versteckt. „Wir suchen nicht den einen bestimmten Igel, sondern die Spezies an sich. Das ist anders als beim Mantrailing, wo die Hunde darauf trainiert werden, nur nach einem bestimmten Menschen zu suchen“, erklärt Maureen Radszuweit.
Kali bekommt das Kommando und darf sich nun frei auf der Wiese bewegen. Und siehe da: Nach einigen Malen Verstecken hat sie den Dreh raus. Ihre Nase ist wie die von Alma fest auf den Boden gerichtet. Auch das Anzeigen klappt (fast) reibungslos. Mit noch mehr Übung kann sie bald kleinen Igeln das Leben retten. „Jetzt fängt es richtig an, Spaß zu machen“, sagt Radzusweit lächelnd.



