Wir sitzen in unserem gepackten Campervan und fahren nach Hamburg. Es steht die langersehnte und im Kopf immer wieder durchgespielte Verschiffung unseres Dailycampers an. „Haben wir wirklich nichts vergessen?“, so die fast immer wiederkehrende Frage auf der Anreise zur Hansestadt. Die Überfahrt und schließlich die Fahrzeugabgabe ist nun der vorläufige Höhepunkt einer sehr umfangreichen Reiseorganisation, die glücklicherweise von dem Düsseldorfer Verschiffungsspezialisten SeaBridge unterstützt wird.
Zunächst geht es auf direktem Weg zum unendlich großen Hamburger Hafen, und obwohl wir unseren „Slot“, ein festgebuchtes Zeitfenster, für die Fahrzeugabgabe erst am nächsten Tag haben, nehmen wir uns die Zeit und fahren zur ersten Orientierung direkt einmal zum Hafen. Wir finden den Terminal und machen dort, die für die zusätzliche Kaskoversicherung notwendigen aktuellen Bilder.
Letzte Nacht im Camper vor der Verschiffung
Mit einem guten Gefühl geht es im Anschluss zum Hamburger Wohnmobil-Stellplatz, der am Rande des Zentrums liegt und erfreulicherweise auch Sanitäranlagen bietet. Nach dem Einchecken lädt die Hafenmetropole zu einem ausführlichen Rundgang ein. Teil der Stippvisite ist ein Besuch der hypermodernen Elbphilharmonie. Von der Aussichtsplattform sehen wir in naheliegender Entfernung sogar das riesige Gelände mit unzähligen Fahrzeugen, die ebenfalls verschifft werden sollen. „Da steht morgen auch unser Camper“, sagt meine Frau Andrea. Nach dem Rundgang geht es zurück zum Stellplatz. Unser Camper ist durchdacht gepackt und weder Wasser noch Lebensmittel sind an Bord. Viele Auflagen müssen für die Verschiffung befolgt werden, und so liegen wir in unserem gewaschenen Camper und tasten nichts an. Für die Verschiffung ist alles bestens vorbereitet.

Zwei Werktage vor dem Ablegen unseres Autofrachters, der Atlantic Sky, muss die Abgabe am Hafen erfolgen, und so geht es am folgenden Morgen zum Terminal. Parken, Warnweste anziehen, im Warteraum eine Nummer ziehen und dann am Schalter bei einer freundlichen Mitarbeiterin einchecken. Den Warteraum teilen wir uns mit unzähligen Truckern, die, wie ich, nach Aufforderung auf das abgeriegelte Gelände fahren dürfen. Ein sogenannter Surveyor nimmt unseren Dailycamper entgegen und inspiziert ihn. Ich stehe als Statist daneben und hoffe, alle Auflagen erfüllt zu haben. Daumen hoch! Der Camper wird mit Klebebändchen versiegelt, der Schlüssel markiert und ein Fahrer chauffiert mich, vorbei an unzähligen Neuwagen, zurück zum Ausgang. Schnell macht sich eine große Erleichterung breit und noch kurz kann ich einen Blick auf unseren blitzblanken Campingbus erhaschen, den wir erst in Kanada wiedersehen werden.
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Rund 14 Tage soll die Seereise der Atlantic Sky dauern (Kosten rund 2500 Euro) und für uns läuft das Leben in unserer Werkstatt in Kalkar normal weiter. Wir bauen weiterhin an Campern, die, wie unser Dailycamper, unseren Kunden viel Freude bringen und besondere Urlaubserlebnisse bescheren sollen. Zwischendurch schauen wir immer wieder auf die App, die in Echtzeit verrät, wo der Frachter fährt, beziehungsweise auf Reede liegt oder festgemacht hat. In Hamburg legt er zwei Tage später als geplant ab und auch nach den Zwischenstopps in Antwerpen und Liverpool kann er die Zeit nicht wieder rausfahren und macht erst zwei Tage später in Halifax, im peripheren Osten Kanadas, wieder fest.
Von Amsterdam nach Halifax mit dem Flieger
Unser Direktflug von Amsterdam nach Halifax rückt immer näher. Und wir checken erneut unseren mittlerweile dicken Ordner mit Dokumenten rund um Fahrzeug, Versicherungen, Zoll, Frachtpapiere und Touristenvisum. Hier wird uns erneut bewusst, wie umfangreich die Reiseorganisation für dieses kleine Abenteuer doch ist. Die Beantragung von Reisepass und internationalem Führerschein, Buchungen der Flüge und Bahnanreise sind da schon nebensächlich.

Nach rund sieben Flugstunden erreichen wir Halifax und sind bereits, anders als geplant, vor dem Frachter und unserem Camper da. So haben wir Zeit, um die interessante Hafenmetropole zu erkunden. Drei Tage später wird das oft durchgespielte Szenario spannende Realität. Wir müssen zum Spediteur und mit den ausgehändigten Frachtpapieren zum Zoll. Mit den abgestempelten Dokumenten fahren wir dann gespannt zum Hafen. Hier heißt es dann wiederum: Warnweste an, bei der Hafensecurity legitimieren und auf zum Camper.
Aufgereiht zwischen anderen Campern steht er völlig unversehrt und versiegelt da. Ein freundlicher Hafenmitarbeiter übergibt uns unseren Campingbus, und mit größter Freude passieren wir die Schranke der großen Hafenanlage. Nach dem Verstauen unseres Handgepäcks und einem Einkauf geht es zum Campingplatz.
Die Sonne lacht für uns und bei beachtlichen 26 Grad fahren wir zum kleinen Küstenort Linwood. Hier checken wir auf dem idyllischen „Linwood Harbour Campground“ ein. Die Dame der Rezeption sieht unser Nummernschild und fragt interessiert nach, hält uns jedoch aufgrund des D im Kennzeichen für Dänen. Am späten Abend, mit dem Blick aus dem Camper auf den schmalen Küstenstreifen, können wir den Moment, im eigenen Camper zu sitzen, kaum fassen.
Thomas Kliem


