Andrea und Thomas Kliem betreiben eine Firma und fertigen innovative Campervans in Kalkar („Dailycamper“). Ein langgehegter Traum war die Reise durch Kanada mit dem eigenen Campingbus. Nach der Verschiffung von Hamburg nach Halifax und der Reise durch Nova Scotia, über Prince Edward Island und durch New Brunswick bis zum mächtigen Sankt-Lorenz-Strom stehen viele weitere abwechslungsreiche Reisetage an. Hier erzählen sie selbst von ihren Erlebnissen.

Höhe Dünen prägen die Landschaft im Sandbanks Provincial Park.
Höhe Dünen prägen die Landschaft im Sandbanks Provincial Park.

Unser zweites Drittel der siebenwöchigen Reise beginnt am nördlichen Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms. Dieses Gewässer zeigt sich bereits bei der 70-minütigen Überfahrt mit der Fähre und dem Blick auf Belugawale und die immensen Gezeiten sowie die Strömung als landschaftliche Attraktion. So checken wir nach dem Anlegen in Saint Simeon direkt auf dem Camping Municipal ein. Der attraktive Campingplatz ist gut besucht und dank der geringen Ausmaße unseres Campers ist noch ein Plätzchen für uns frei. Auf diesem, wie auch auf fast allen unserer Campingplätze, steht für uns eine Bank bereit. So nehmen wir Platz und blicken über den Strand auf den Strom. Es bleibt jedoch beim Ausblick, denn ein Bad in dem kalten Gewässer ist schier unmöglich.

Bei der weiteren Fahrt bleiben wir dem nördlichen Ufer des Sankt Lorenz treu und machen so mancher sympathischen Stadt wie Saint Paul unsere Aufwartung. Vor den Toren der Stadt Quebec ist der Besuch der gigantischen Wasserfälle Montmorency ein Muss. Eine Hängebrücke führt über die Fälle und bietet unvergleichliche Blicke auf die tosenden Wassermassen. Ein naheliegender Campingplatz ist für uns das Basislager für den anstehenden Stadtbesuch in Quebec.

Mit dem Camper mitten ins Herz von Quebec und Montreal

Die Kanadier sind sehr defensive und rücksichtsvolle Autofahrer und darüber hinaus ist die Beschilderung sehr gut. Unser kompakter Camper motiviert uns stets, direkt ins Stadtzentrum zu fahren und dort einen Parkplatz zu nehmen. In der Provinzhauptstadt der riesigen frankophonen Provinz Quebec ergattern wir einen Parkplatz direkt im Zentrum. Wir lösen ein Tagesticket. Schon steht dem ausgedehnten Stadtrundgang nichts mehr im Wege. Das gigantische Hotel Château Frontenac bestimmt die Silhouette der quirligen Metropole. Vor dem Komplex mit den unzähligen Türmen erstreckt sich ein breiter Boulevard mit Holzbohlen, von dem wir über die Altstadt auf den mittlerweile vertrauten Sankt-Lorenz-Strom blicken. Es bereitet viel Freude, in diese schöne Metropole einzutauchen. Viele Straßenkünstler verwandeln die Stadt in ein großes Freilichttheater.

Nach dem lohnenswerten Stadtbesuch steigt unsere Vorfreude auf die nächste herausragende Metropole, die nur eine Tagesetappe entfernt ist. So ergattern wir wiederum nach einem Fahrtag entlang des Sankt Lorenz einen Parkplatz im Herzen von Montreal.

Montreal hat viel zu bieten: Ein lehrreicher Stadtrundgang für die Kliems.
Montreal hat viel zu bieten: Ein lehrreicher Stadtrundgang für die Kliems.

Montreal ist nach Paris die größte frankophone Stadt der Welt und die Liste der Attraktionen ist unendlich lang. Wir konzentrieren uns auf die lebendige Harbourfront, die Altstadt und die vielen bunten Plätze. An dem herrlichen Sommertag bleibt den vielen Gästen das Wegesystem „Sous Terrain“ im wahrsten Sinne verborgen. Mit der Rolltreppe geht es für uns aufgrund unserer Neugierde hinab in das rund 33 Kilometer lange Wegenetz, das wichtige Bauwerke, Plätze, Metrostationen und Einkaufszentren verbindet. Im strengen Winter sind die unterirdischen Wege ein Segen. Ein Segen für uns ist der herrliche Sommertag, der die Stippvisite wiederum zu einem Highlight der Reise macht. Der Blick vom Hafen auf die hoch hinausragenden Häuser führt uns erstmalig vor Augen, in Nordamerika zu sein.

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Naturidylle und Großstadtflair im Osten Kanadas

Unsere Tour mit dem Campervan ist geprägt von einem stetigen Wechsel des Aufenthalts im Kultur- und Naturraum. Waren wir gefühlt gerade noch in der Millionenstadt Montreal, so checken wir kurz darauf in einem ruhigen Provincial Park ein. Mittlerweile haben wir die Provinz Ontario erreicht. Hier wird Englisch gesprochen und wie gewohnt werden wir angesprochen, denn der kompakte Camper (für kanadische Verhältnisse ein winziger Camper) mit dem D-Schild wirft bei unseren Campingnachbarn einige Fragen auf. Wir freuen uns wie gewohnt über nette Gespräche, nutzen die Gelegenheit und holen Ratschläge für den anstehenden Stadtbesuch in Toronto ein.

Eine Anfahrt mit dem Dailycamper und das Parken in der Megacity, die im Großraum immerhin 6,3 Mio. Einwohner zählt, kommen für uns nicht infrage. So fahren wir bis zum herrlichen Städtchen Cobourg und landen mit dem Campingplatz an der Marina und am Strand einen Volltreffer. Unser Camper steht nur wenige Meter vom feinen Sandstrand entfernt. So geht es aus dem Camper direkt ins warme Wasser des riesigen Ontariosees. Einmal mehr freuen wir uns über unseren kompakten und autarken Campingbus, denn der beliebte Campingplatz verfügt nur noch über kleine „unserviced“-Plätze, die für uns wie gemacht sind, jedoch nicht für die weitaus größeren RVs und Trailer. Hier stehen wir dann neben einem gigantischen Wohnmobil, dessen „Slideouts“ (herausfahrbare Wohnbereiche) länger sind als unser Dailycamper.

Stadtbesuch der Megacity Toronto

Cobourg hat alles zu bieten, auch einen Bahnhof. Der VIA-Train bringt uns zur Union Station im Herzen von Toronto. Vor rund 30 Jahren waren wir dort, jetzt sind wir gespannt, wie sich die Stadt am Ontariosee entwickelt hat. Über den Skywalk, einem geschlossenen Fußwegenetz oberhalb der Straßen, gehen wir zunächst vom Bahnhof zum CN-Tower. Dieser 553 Meter hohe Turm ist das höchste Bauwerk Nordamerikas. Von der Aussichtsplattform in einer Höhe von 346 Metern sind wir wie vor drei Jahrzehnten von dem Blick über die Downtown, Toronto Island und das ausufernde urbane Umland überwältigt. Eine ausgiebige Erkundung der besonderen Metropole mit ihren vielen Attraktionen, zu denen für uns auch die große Chinatown gehört, lässt nicht lange auf sich warten. Im Schatten der verspiegelten Wolkenkratzer, auf den stark frequentierten Gehwegen, kommt die Freude auf das nächste naturnahe Event auf.

Der Blick vom 553 Meter hohen CN-Tower auf die Downtown von Toronto.
Der Blick vom 553 Meter hohen CN-Tower auf die Downtown von Toronto.

Wandern und Kanutour in Ontario

In den folgenden Tagen machen wir das, was eine Reise in Kanada ausmacht: Wir wandern und unternehmen einen Ausflug mit dem Kanu. Der Sandbanks Provincial Park bietet nicht nur einige Campingplätze mit Stellplätzen in den Dünenwäldern, sondern auch schöne Trails. So geht es für uns nach einem erfrischenden Bad über die gut ausgeschilderten Wanderwege zu den hohen Dünen des großen Naturschutzgebietes. Abends stehen wir in der absolut dunklen Parzelle des Campingplatzes und können ohne Lichtsmog den Sternenhimmel genießen. Zu einem Höhepunkt unserer Naturerlebnisse gehört auch die Kanutour auf dem Colonel-By-Lake, der ein Teil des Rideau Canal ist. Dieser historische Kanal (UNESCO-Weltkulturerbe) ist ein System aus Seen und Kanälen, die durch Schleusen verbunden sind. 1832 wurde der Rideau Canal fertiggestellt und verbindet den Ontariosee mit der kanadischen Hauptstadt Ottawa. Auf dem Campingplatz Rideau Acres bei Kingston leihen wir uns ein Kanu aus und paddeln unter anderem bis zur nächsten Schleuse. Hier beobachten wir die zufriedenen Wassersportler beim Auf- und Abschleusen. Später, im Kanu, wird uns erneut bewusst, wie vielseitig eine Reise im Osten Kanadas sein kann.