Marcus lenkt den Transporter samt Anhänger routiniert über das steinige Gelände. Dass hier, in dieser Steinwüste, nächstes Jahr die Internationale Gartenausstellung (IGA) stattfinden soll, kann man sich nur mit viel Fantasie vorstellen. Doch für Marcus Hagmans und Joes Verweyen ist diese Vorstellung schon in der Realität angekommen. Der Transporter hält vor einer Wasserbucht. Hier schwimmt seit wenigen Tagen die erste Pflanzeninsel, die die jungen Unternehmer aus Kevelaer auf der Messe präsentieren. „Die IGA ist für uns ein einziger Glücksgriff. Da gibt es nichts Vergleichbares im Garten-Landschaftsbau“, sagt Verweyen.

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Bevor es zum Ufer geht, heißt es erst einmal: Sicherheitsschuhe an. Noch herrscht hier Baustelle, die schweren Geräte übertönen die Stille der Natur. Marcus geht schon mal vor, zum Ufer. „Daniel Düsentrieb“, wie er von seinem Kollegen und Geschäftspartner Joes liebevoll genannt wird, „ohne ihn würden wir jetzt nicht hier stehen.“

Damit meint Joes Verweyen, dass die eigentliche Idee von Marcus kam. Die Familie des Maschinenbauingenieurs hat einen Teich, in dem jedes Jahr ein Algenproblem wächst. Das regte den 32‑jährigen „Daniel Düsentrieb“ zum Tüfteln an: Was zunächst nach einem ungewöhnlichen Stück Gartendekoration aussieht, hat einen durchaus praktischen Zweck: Auf dem Wasser schwimmende Pflanzeninseln sollen Nährstoffe aus Gewässern aufnehmen, Algenwachstum reduzieren und gleichzeitig Lebensraum für Tiere schaffen. Dafür werden Steine in Edelstahlgitter oder Netze gefüllt, bepflanzt und im Wasser treiben gelassen.

Schwimmende Pflanzeninseln sollen Algenbildung vermindern

„Es soll so blühen, dass später von der Metalloberfläche nichts mehr zu sehen ist“, sagt Marcus Hagmans, der jetzt auf den Prototypen auf dem Wasser blickt. Bienen, Libellen, sogar ein eher seltener Eisvogel hat sich auf einer ihrer Pflanzeninseln schon sehen lassen. Und das Leben soll auch unter der Oberfläche weiter sprießen – als Laichplätze für Fische, vor der Sonne geschützt. „Auch Fische können Sonnenbrand bekommen“, weiß Joes Verweyen.

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Dadurch, dass die Pflanzen durch den ständigen Kontakt mit dem Wasser immer Zugriff auf Nährstoffe haben, wachsen sie gut. „Die Inseln sind meist Richtung Herbst bereits voll bewachsen, wenn man sie im Frühjahr bepflanzt“, erklärt Marcus Hagmans. Die Pflanzenauswahl reicht von rot-rosanem Blutweiderich über die gelbe Sumpfschwertlilie und die Sumpfdotterblume bis zu Seggen und Wassergräsern für die Filterleistung.

Gründerpaar aus Kevelaer ist mit Pflanzeninseln bei der IGA 2027
Noch ist die Pflanzeninsel frisch bepflanzt, doch schon in kurzer Zeit soll von dem Gitter nichts mehr zu sehen sein.© FUNKE Foto Services | Olaf Fuhrmann

Auf den Wurzeln im Wasser soll dann der sogenannte Biofilm wachsen. „Man kennt das vielleicht aus dem Pool, wenn die Folie im Wasser nach ein paar warmen Tagen auf einmal schmierig und leicht grün wird. Der Film ist die Putzkolonne des Gewässers und sammelt sich auf den vielen Wurzeln unter der Insel“, beschreibt der 32-Jährige anschaulich. „Diese Mikroorganismen funktionieren ähnlich wie eine Kläranlage.“ Gleichzeitig nehmen die Pflanzen Nährstoffe aus dem Wasser auf – Nährstoffe, die sonst unter anderem das Wachstum von Algen fördern können. So könne laut Hagmans die Wasserqualität verbessert und das Risiko eines „Umkippens“ eines Gewässers verringert werden.

Junges Unternehmen bekommt viel Unterstützung

Doch wie ist es möglich, dass die Inseln, gebaut aus Stein und mitsamt dem ganzen Grün darauf, auf dem Wasser schwimmen? Der Auftriebskörper besteht aus mineralischem Material mit einer Struktur, ähnlich der von Bimsstein. Die großen Inseln werden von einem Edelstahlgitter zusammengehalten und kommen damit ohne Kunststoff aus. Die kleineren, loseren Inseln werden jedoch noch mit einem Netz aus Kunststofffaser ausgestattet. Damit die Inseln auf dem Gebiet der IGA nicht abtreiben, werden sie mit Ankern befestigt. Auf dem heimischen Teich könne man sie aber auch frei treiben lassen.

Joes Verweyen kennt Marcus schon seit Kindheitstagen: „Wir kennen uns von den Pfadfindern“, schildert der 46‑Jährige. Dort haben die beiden einen nachhaltigen Grundsatz gelernt: „Wenn wir etwas bauen, soll die Natur davor besser sein als vorher“, beschreibt Joes. Heute ist der Satz auch Leitfaden für ihre Firma. „Inzwischen sind wir ein Familienunternehmen, obwohl wir nicht verwandt sind. Unsere Mütter haben beide schon Netze für uns geknüpft“, erzählt Joes, der eigentlich im Gesundheitswesen arbeitet.

Gründerpaar aus Kevelaer ist mit Pflanzeninseln bei der IGA 2027
Marcus Hagmans (links) und Joes Verweyen kennen sich seit Kindertagen.© FUNKE Foto Services | Olaf Fuhrmann

Auf dem großen Gewässer sieht die Insel fast schon klein aus. Dabei soll sie gemeinsam mit den dreien, die auf dem IGA-Gelände noch folgen werden, insgesamt so viel Fläche wie ein kleines Einfamilienhaus haben. Gemeinsam mit der Firma Grow Landschaftsarchitektur entstehen dort vier schwimmende Pflanzeninseln mit einer Gesamtfläche von mehr als 270 Quadratmetern. Sie sind die bisher größten Inseln, die die beiden aufs Wasser gebracht haben. „Die IGA ist die Weltmeisterschaft im Garten- und Landschaftsbau. Wenn wir das erfolgreich hinbekommen, ist das eine große Ehre“, freut sich Joes Verweyen.

Vor allem für eines sind die Gründer dankbar: „Wir hatten immer super viel Unterstützung von außen“, sagt Joes Verweyen. Sei es Hilfe bei einem Patentrechtsstreit oder der Webseite: Immer führte ihr Weg sie zu Menschen, die dem jungen Unternehmen gerne und vor allem günstig helfen konnten. „Ich bekomme bei dem Gedanken echt Gänsehaut. Es war, als hätte uns jemand immer wieder vor Augen geführt: Ihr müsst das machen!“, beschreibt der 46‑Jährige. Dass die Idee längst über den heimischen Gartenteich hinausgeht, zeigen verschiedene Projekte. Auch bei größeren Gewässern und in städtischen Bereichen kommen die schwimmenden Inseln schon zum Einsatz.

Pflanzeninsel Niederrhein

Pflanzeninsel Niederrhein entwickelt schwimmende Inseln für Gartenteiche und größere Gewässer. Kleine schwimmende Inseln mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern gibt es ab 39 Euro, eine 45-Zentimeter-Insel kostet 49 Euro, eine 60-Zentimeter-Insel 69 Euro. Die 50 mal 50 Zentimeter große, vollständig kunststofffreie Variante kostet 89 Euro, eine ein mal ein Meter große Insel 299 Euro. Pflanzen sind dabei teilweise nicht im Preis enthalten und können separat bestellt werden. Für größere oder individuell geplante Anlagen erstellt Pflanzeninsel Niederrhein auf Anfrage ein persönliches Angebot. Mehr Informationen unter www.pflanzeninsel-niederrhein.de

Dabei soll das schwimmende Stück Beet nicht nur der Umwelt eine Hilfe sein, sondern auch dem Gärtner nach getaner Arbeit bei der Entspannung helfen: „Es ist ein bisschen wie Lagerfeuer gucken. Pflanzen, die sich auf dem Wasser bewegen, sind für das menschliche Auge ungewohnt“, erklärt Marcus Hagmans.

Die Schwimminseln sind ab 500 Quadratmetern Wasserfläche geeignet. Doch die Männer aus Kevelaer arbeiten schon an einer kleineren Variante: In einer Schale voll mit Wasser können kleine, schwimmende Inseln auf den Balkon, die Terrasse oder sogar den Gartentisch gestellt werden. So hat man den Mobile-Effekt fürs Auge, die Bienen freuen sich und: „Man muss die Pflanzen nicht mehr gießen, wenn man mal länger im Urlaub ist“, sagt Marcus Hagmans lachend.