„Schon elf Monate“, sagt Emilia Sturm. Die Zeit scheint zu rennen, wenn man so viel in der Natur unterwegs ist. Und das war die junge Frau seit dem letzten Sommer durch ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) beim Umweltzentrum Krefeld zu Genüge. Auf der Obstbaumwiese fangen die ersten Früchte an zu reifen. Links daneben eine kleine Hütte, die an eine Bushaltestelle erinnert. Hier darf Emilia in ein paar Wochen ihren Handabdruck in Rot, Blau oder Grün neben die der anderen ehemaligen FÖJ-ler an die Wand setzen, zusammen mit ihrem Abschlussjahr – wenn alles gut läuft. Aber viel kann in dem letzten Monat wahrscheinlich nicht mehr schiefgehen.

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Am Rande des Naturschutzgebiets „Hülser Bruch“ liegt das Krefelder Umweltzentrum auf dem Gelände einer ehemaligen Betonfabrik. Auf 5000 Quadratmetern verteilen sich Bauerngarten, Streuobstwiesen, Getreidebeet, Bienenstöcke, Naturteich und Wald. Hier dürfen fast täglich Schul- und Kitakinder die Natur und ihre Wunder entdecken. In Programmen zu Themen wie: Wie trenne ich Müll? Oder: Wie wird ein Brot gebacken? Dabei helfen unter anderem jedes Jahr vier junge FÖJ-ler zwischen 16 und 26 Jahren. So auch Emilia.

Junge Erwachsene finden Orientierung im Umweltzentrum

Bei einem Rundgang über das Gelände bleiben Emilia und Jana Behling, die Leiterin des Umweltzentrums, vor einer Mauer stehen. Hier könne man besonders gut Eidechsen beobachten. Weiter links, eingezäunt von Bäumen, befindet sich der Garten. Hier lernen die jungen Erwachsenen, wie man die Natur richtig pflegt. Emilia Sturm war wie viele Absolvierende nach der Schule erst einmal ratlos. „Ich habe ein Jahr zur Überbrückung gesucht“, berichtet sie. Anfangs habe sie noch nach einem freiwilligen sozialen Jahr gesucht, „aber ich war mir unsicher, ob ich ein Jahr im Sozialen machen möchte“, gibt sie zu. Jana Behling, die Leiterin des Umweltzentrums, fügt hinzu: „Zu uns kommen viele junge Menschen, die noch nicht genau wissen, wo ihre berufliche Reise einmal hingehen soll, ob sie eher im sozialen oder im landwirtschaftlichen Bereich arbeiten möchten.“

Portrait: Jule macht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr
Leiterin Jana Behling (links) nimmt jedes Jahr vier FÖJ-ler unter ihre Fittiche im Umweltzentrum in Krefeld. © FUNKE Foto Services | Rainer Hoheisel

Im Umweltzentrum Krefeld geben sich soziale und naturverbundene Beschäftigungen die Hand: „Wir haben auch viele Lehramtsstudierende oder die, die es noch werden wollen“, beschreibt Jana Behling. In der Arbeit mit den Schulklassen können die jungen Erwachsenen bei der Gartenarbeit an der freien Natur testen, wie sie die Arbeit mit Kindern finden. „Dafür ist es ja auch da: zum Reinschnuppern“, sagt Behling. Sie scheint es zu genießen, den jungen Menschen ein Jahr lang beim Wachsen an Aufgaben zwischen Gartenarbeit und Unterricht zuzusehen: „Es ist schon eine anspruchsvolle Aufgabe, vor Kindern zu stehen und zu erklären. Dann zu sehen, dass die FÖJ-ler das gut machen und auch Spaß haben, gibt beiden Seiten etwas zurück.“

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Im hinteren Teil des Gartens erklärt die 20-Jährige nun, was in den Beeten vor ihr wächst: „Hier vorn haben wir Waldbeeren, Flachs, Paprika und Melone. Da hinten wachsen Kartoffeln, Schnittlauch und Ackerrinde. Ein Teufelszeug“, bemerkt Emilia. „Und hier wächst eine einzelne Maispflanze“, sagt sie schmunzelnd, während sie auf den etwas zerrupft aussehenden Maiszweig im Beet deutet.

Junge Erwachsene übernehmen Verantwortung

Während des Jahres dürfen die Teilnehmer auch Seminare besuchen, die sie teilweise in Eigenregie leiten. „Alles planen wir dann selbst, bis zum Essensplan.“ Emilia hat ein Seminar über Globalisierung und Konsum gehalten und sich mit der Frage beschäftigt, wie sich weiterer Konsum auf die Umwelt auswirken würde. „Wir waren teilweise bis 21 Uhr unterwegs“, erinnert sie sich, „das kann auch anstrengend sein.“

Um die jungen Erwachsenen bei der anschließenden Berufswahl zu unterstützen, haben sie im Rahmen des FÖJs außerdem zehn Tage Zeit für Praktika, Probearbeit oder Bewerbungsgespräche. „Mir ist sehr daran gelegen, dass man danach auch etwas findet. Im besten Fall ist es ein sanftes Schubsen“, sagt Jana Behling mit einem Lächeln.

Das Freiwillige Ökologische Jahr

Ein FÖJ kann man in Nordrhein-Westfalen an biologischen Stationen, Einrichtungen der Umweltbildung, botanischen oder zoologischen Gärten und landwirtschaftlichen Höfen absolvieren. Die Tätigkeiten im FÖJ sind vielfältig und unterscheiden sich von Einsatzstelle zu Einsatzstelle.

Bei den beiden Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe sind die beiden FÖJ-Zentralstellen eingerichtet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort helfen Interessierten bei Fragen und um das FÖJ. Auf der Webseite des LVR können Interessierte weitere Infos zum Bewerbungsprozess und Kontaktdaten finden: www.lvr.de/foej/kontakt/index.jsp

Für Emilia scheint das FÖJ die richtige Wahl gewesen zu sein. „Ich habe hier viele Dinge, die mir gut gefallen. Zum Beispiel das Waldläuferprogramm. Das ist wie Survival light, also ich übe mit den Kindern Tragen bauen, Feuer machen oder Trommeln bauen.“ Sie ist es inzwischen gewohnt, bei Wind und Wetter mit der Natur und ihren Bewohnern in Kontakt zu kommen: „Ich ziehe angeblich die Bremsen an“, sagt Emilia, als sie eine von ihnen mit einer Handbewegung abwehrt. Und im Winter? „Dann bauen wir Krötenzäune auf und ab und kontrollieren die Eimer.“ Die Programme der Kinder finden dann in den Innenräumen des Umweltzentrums statt, aber es „macht auch nur halb so viel Spaß, wenn es drinnen stattfindet“, findet die FÖJ-lerin.

Eigentlich wollte Emilia immer mit Tieren arbeiten. Doch nun hat es ihr die Gartenarbeit angetan – dem FÖJ sei Dank: „Ich beginne eine Ausbildung in der Pflanzenabteilung eines Baumarktes. Mir gefällt es einfach, den Garten hier zu bepflanzen und mich darum zu kümmern. Es entspannt mich auch“, sagt die 20-Jährige. Mittlerweile macht der naturverbundenen jungen Frau auch die Arbeit mit den Kindern Spaß. „Ich bin ehrlich: Ich werde die Arbeit mit den Kindern vermissen, aber ich freue mich auch sehr auf meine Pflanzen im Baumarkt“, sagt sie lachend.