Jonas Jost steigt aus dem Auto und läuft schnurstracks auf eine kleine Aussichtsform auf der Bislicher Insel in Xanten zu. Er kennt die Stellen, an denen sich gerne Besucherinnen und Besucher des Naturschutzgebiets tummeln, genau. Fotografen mit langen Objektiven haben sich dort auf die Lauer gelegt. Hinter ihnen stehen ein paar neugierige Radfahrer, die gespannt auf die Bäume gegenüber blicken. Es sieht alles ruhig und entspannt aus. „Meine Aufgabe ist es, den Leuten, die das Naturschutzgebiet besuchen, beizubringen, sich korrekt in der Natur zu verhalten“, erklärt Jost, der neue Ranger auf der Bislicher Insel.

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Er ist zufrieden. Und auch die Fotografen sind froh, dass sie an Ort und Stelle bleiben dürfen. „Kommen Sie mal her“, sagt einer der Fotografen, „schauen Sie mal auf den Bildschirm.“ Auf dem kleinen Monitor der Kamera ist ein Vogel zu sehen, der in einem Nest sitzt. Es ist der Horst des Seeadlers und der Vogel eines der Jungen. Offenbar sind die Eltern gerade unterwegs, um Futter zu suchen. Die auf die Kamera zu bekommen, wäre natürlich ein Jackpot für die Hobbyfotografen. Sie haben für die Adler extra einen Zwischenstopp in Xanten eingelegt. „Wir waren auf Texel und fahren dann später weiter nach Hause ins Saarland“, erklären Marion und Gerhard Balzert.

Marion und Gerhard Balzert fotografieren die Stars der Bislicher Insel: die Seeadler.
Marion und Gerhard Balzert fotografieren die Stars der Bislicher Insel: die Seeadler. © FUNKE Foto Services | Markus Weißenfels

Bis Mutter- oder Vateradler wieder auftauchen, kann Jost nicht warten. Er verabschiedet sich und steigt wieder in sein Auto. „Die Plattform, auf der gerade die Fotografen stehen, ist erst neu entstanden“, erklärt der Ranger bei der Weiterfahrt. „Extra für die Ornithologen, damit die besser die Adler beobachten können.“ Es ist strengstens verboten, den Weg im Naturschutzgebiet zu verlassen. Darauf zu achten, ist eine von Jonas Josts Hauptaufgaben. Er beobachtet aber auch Flora und Fauna und klärt Besucherinnen und Besucher über die Natur auf. Noch ist der 27-Jährige in der Ausbildung zum Ranger beim Eigenbetrieb Grün des Regionalverbands Ruhr (RVR). Voraussetzung für diese ist eine abgeschlossene Ausbildung in einem grünen Beruf. Jonas Jost ist ausgebildeter Forstwirt.

Jonas Jost kennt die Besucher-Spots im Naturschutzgebiet

Es gibt noch mehr Stellen, an denen er während seines Diensts vorbeischauen will. Seit 6.30 Uhr ist er an diesem Vormittag schon unterwegs. Er stoppt das Auto. „Wir haben unsere Spots, an denen wir wissen, dass sie Besucherinnen und Besucher anziehen. Das ist hier auch eine beliebte Stelle“, sagt er, als er aus dem Auto steigt und ein paar Schritte das Ufer entlang geht. Niemand da. Außer unzähliger Wasservögel, die ein Bad nehmen und zufrieden schnattern. „Das sind Überwinterungsgäste. Graugänse“, sagt er. Er geht wieder zurück zum Auto. „Besonders im Sommer sind viele Menschen auf der Bislicher Insel unterwegs. Jogger, Radfahrer und Menschen mit Hund. Die gehören im Naturschutzgebiet an die Leine“, weiß er. „Die meisten Besucher sind einsichtig und manchmal sogar froh, dass ich sie darauf hinweise.“

Das Nest der Seeadler.
Das Nest der Seeadler.© FUNKE Foto Services | Markus Weißenfels

Es geht erst einmal zurück zum Besucherzentrum des Regionalverbands Ruhr. Dort hat er auch ein Büro. Neben ihm arbeiten noch drei weitere Ranger als ausführende Gewalt der Naturschutzbehörde. Einer von ihnen ist Ulrich Gräfer. Er ist der dienstälteste Ranger auf der Bislicher Insel. Er wartet schon auf Jonas Jost und gibt ihm das Zeichen, mit zur Wiese, die zum Naturschutzzentrum gehört, zu kommen. In diese Richtung sind gerade noch zwei Besucher verschwunden, die sich andächtig jeden Baum anschauen.

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Ulrich Gräfer und Jonas Jost setzen sich auf eine Holzbank mit Tisch auf die Obstwiese. „Wenn wir wieder zurück sind am Besucherzentrum, tauschen wir uns erst einmal aus“, erklärt Jonas Jost. „Alles wird dokumentiert. Zum Beispiel auch die Leute, die wir ansprechen“, ergänzt Ulrich Gräfer. „Viele wissen gar nichts mit einem Ranger anzufangen. Beim RVR gibt es die Berufsgruppe seit 2004. Das waren die ersten in ganz NRW. Deutschlandweit arbeiten mittlerweile rund 800 Berufsranger“, erklärt der 64-Jährige.

Das Naturschutzgebiet Bislicher Insel bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Das Naturschutzgebiet Bislicher Insel bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen.© FUNKE Foto Services | Markus Weißenfels

Ulrich Gräfer kann sich nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. „Ich habe eine Leidenschaft für den Beruf“, sagt er. Und das, obwohl es dabei nicht nur darum geht, den ganzen Tag an der frischen Luft zu verbringen. „Gesetzestexte müssen wir in- und auswendig kennen. Ich muss schließlich begründen können, wieso etwas nicht erlaubt ist. Das Wissen muss immer abrufbar sein“, erklärt Gräfer. Regelmäßig werden die Ranger der Bislicher Insel auch an andere Orte in der Region, wie Duisburg und Wesel, ausgeliehen, um dort nach dem Rechten zu sehen.

Ranger sind auch mit dem Kajak on Tour

Die Ranger des RVR Ruhr Grün sind im Kreis Wesel auch auf der Lippe unterwegs. Bei einer Schulung durch die Kanu-Schule Friedrichsfeld in Voerde lernten sie, wie sie auf dem Wasser sicher on Tour sind und Menschen, die Erholung am Lippe-Ufer suchen, vom Wasser aus aufklären können. Der RVR hat dafür zwei Kajaks angeschafft.

Auch am Rheinufer sind sie unterwegs. „Das ist mittlerweile im Sommer zur Partymeile geworden“, sagt Jonas Jost. In Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt oder der Wasserschutzpolizei schauen die Ranger dort nach dem Rechten, sprechen die Leute an und erklären. „Wir bieten dann auch gerne Alternativen an, an denen sich die Leute aufhalten dürfen“, sagt er.

Rund 40 Biber leben auf der Bislicher Insel

So enden die Gespräche in der Regel friedlich. Die meisten Menschen, denen die Ranger begegnen, wollen ohnehin nur die Natur genießen und natürlich die heimlichen Stars der Bislicher Insel in freier Natur entdecken: die Seeadler und die Biber. Und von denen leben mittlerweile jede Menge auf der Bislicher Insel. „Rund 40 Stück“, weiß Gräfer. „Sie haben sich fleißig vermehrt.“ Das gilt auch für die Nutria. Allerdings sind die Biberratten nicht sonderlich beliebt bei den Rangern. „Sie sind eine richtige Plage geworden. Sie unterhöhlen Deiche. Das ist nicht gut“, erklärt der 64-Jährige. Aber auch andere invasive Arten haben die Ranger schon in Xanten gesehen. „Minks zum Beispiel. Das sind amerikanische Nerze“, beschreibt Gräfer. Und die können den Bodenbrütern gefährlich in die Quere kommen, wenn sie deren Eier fressen.

Die Besucherin und der Besucher sind mittlerweile wieder an ihrem Auto und lassen sich gut gelaunt ein Picknick schmecken. Auch Jonas Jost wird bald zurück zu seinem Auto auf den Parkplatz gehen. Um 15 Uhr endet seine Schicht. Dann geht es wieder nach Hause, bis es am nächsten Morgen auf der Bislicher Insel für ihn weitergeht – bei seinem Job mitten in der Natur.