• Die Teilnahme Israels am ESC sorgt auch 2026 für Diskussionen
  • Nach langen Debatten haben die Veranstalter das Land eingeladen
  • Doch warum ist der große Streit über Israels Teilnahme überhaupt entbrannt?

Die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest sorgt auch 2026 für hitzige Diskussionen und Proteste. Dabei gehört das Land seit Jahrzehnten fest zum Wettbewerb: 1973 nahm Israel erstmals am ESC teil – als erstes außereuropäisches Land – und erreichte auf Anhieb Platz vier. Möglich ist die Teilnahme, weil Israel wie auch Australien oder Aserbaidschan Mitglied der European Broadcasting Union (EBU) ist. Die geografische Lage ist dafür nicht entscheidend.

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Vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts und des Kriegs in Gaza ist Israels Teilnahme seit mehreren Jahren jedoch besonders umstritten. Schon beim ESC 2024 in Malmö wurde der Auftritt der israelischen Sängerin Eden Golan von Buhrufen begleitet; Demonstrationen und teils gewaltsame Ausschreitungen prägten die Atmosphäre rund um den Wettbewerb. Beim Publikum fand der Beitrag dennoch großen Rückhalt: Im Televoting landete Israel auf Platz zwei, im Gesamtergebnis auf Rang fünf.

Auch der ESC 2025 in Basel stand im Zeichen dieser Debatte. Für Israel trat Yuval Raphael mit „New Day Will Rise“ an – eine Überlebende des Hamas-Angriffs auf das Nova-Musikfestival am 7. Oktober 2023. Während der ESC-Woche kam es zu pro-palästinensischen Protesten; bei der Eröffnungsparade wurden palästinensische Fahnen geschwenkt, zudem berichtete die israelische Delegation von Drohungen gegen Raphael. Beim Publikum kam ihr Beitrag dennoch an: Mit 297 Punkten gewann er das Televoting, in der Gesamtwertung belegte Raphael mit 357 Punkten Platz zwei hinter dem österreichischen Sieger JJ.

ESC 2026 in Wien: Israels Teilnahme löst Boykott mehrerer Länder aus

Nach dem österreichischen Sieg 2025 findet der ESC 2026 in Wien statt – und die Debatte um Israels Teilnahme begleitet den Wettbewerb auch in diesem Jahr. Im Dezember 2025 bestätigte die EBU, dass 35 öffentlich-rechtliche Sender am Eurovision Song Contest teilnehmen werden. Israel beziehungsweise der Sender KAN gehört dazu.

Mehrere Länder zogen daraus Konsequenzen: Spanien, Irland, die Niederlande, Slowenien und Island nehmen 2026 nicht am Eurovision Song Contes teil. Slowenien geht noch einen Schritt weiter und will den Wettbewerb nicht übertragen; stattdessen soll ein Programm mit palästinensischen Filmen gezeigt werden. Auch Spanien und Irland verzichten nach aktuellen Berichten nicht nur auf eine Teilnahme, sondern auch auf die TV-Übertragung.

Die EBU hatte zuvor über die Kritik an Israels Teilnahme beraten, entschied sich aber gegen eine gesonderte Abstimmung über einen Ausschluss. Stattdessen verwies sie auf neue Maßnahmen, die Neutralität und Vertrauen in den Wettbewerb stärken sollen. Eine große Mehrheit der EBU-Mitglieder habe keinen weiteren Teilnahme-Vote für nötig gehalten, teilte die Rundfunkunion mit.

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Israel beim ESC: Noam Bettan tritt unter schwierigen Vorzeichen an

In Wien dürfte Noam Bettan damit zu den am stärksten beobachteten Künstlern des Wettbewerbs gehören. Der israelische Sänger tritt nicht nur mit einem Popsong an, sondern auch unter dem Eindruck einer politischen Debatte, die Israels ESC-Teilnahme seit Jahren begleitet. Bettan selbst scheint sich dieser Rolle bewusst zu sein: Nach seiner Nominierung sagte er, es fühle sich an, als begebe er sich „in die Höhle des Löwen“.

Sein Beitrag „Michelle“ verbindet Hebräisch, Englisch und Französisch – passend zu Bettans Biografie. Der 27-Jährige stammt aus einer französischen Familie, wuchs in Israel auf und verarbeitet in seiner Musik internationale Pop-Einflüsse. In Israel ist er bereits kein Unbekannter: Bettan hat mehrere Singles veröffentlicht und auch ein Album herausgebracht.

Auch aus Deutschland gibt es inzwischen Kritik an Israels Teilnahme – allerdings nicht an Bettan persönlich. Der frühere deutsche ESC-Teilnehmer Michael Schulte stellte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) klar, der israelische Sänger könne als Künstler nicht für die Politik seines Landes verantwortlich gemacht werden. Zugleich sprach Schulte sich dafür aus, dass Israel beim ESC 2026 freiwillig auf eine Teilnahme verzichten solle.

Der wohl größte Unsicherheitsfaktor für Israels langfristige ESC-Teilnahme bleibt die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Senders KAN. Sollte die israelische Regierung, und entsprechende Pläne gibt es, den Sender privatisieren oder schließen und KAN dadurch seine EBU-Mitgliedschaft verlieren, könnte das auch Folgen für Israels Teilnahme am Eurovision Song Contest haben. Gleichzeitig kann das auch ein Argument für die Teilnahme Israels sein: Würde man das Land ausschließen, gäbe es für die Regierung ein Hindernis weniger, den Sender zu privatisieren.