• Das selbsternannte Fürstentum Seborga will von Italien unabhängig sein
  • An der Spitze: die Bayerin Nina Döbler Menegatto, „Prinzessin von Seborga“
  • Lesen Sie hier, welche ehrgeizigen Pläne sie verfolgt

Es klingt wie aus einem Märchen: In einem kleinen Dorf namens Seborga am Mittelmeer, das sich selbst zum Fürstentum ernannt hat, schwingt eine Bayerin das Zepter. Immer wieder fällt Nina Döbler Menegatto, „Prinzessin von Seborga“, wie sie sich nennt, mit Ideen für ihr Miniatur-Fürstentum auf. So zuletzt mit ehrgeizigen Pläne, um den Tourismus in dem 300 Seelen-Dorf anzukurbeln.

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„Mein Anliegen ist, Seborga zum Wachstum zu verhelfen“, erklärt La Principessa gegenüber dieser Redaktion. „Die Bevölkerung altert, wir wünschen uns, dass neue Einwohner dazukommen.“ Die 46-Jährige hat auch schon konkrete Vorstellungen, bei denen manche sich die Augen reiben mögen.

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„Fürstentum“ in Italien pocht auf seine Unabhängigkeit

Aber was, mag man sich fragen, hat es überhaupt mit dem selbsternannten Fürstentum auf sich? Um es kurz zu machen: In Seborga sind die Einwohner fest davon überzeugt, eigentlich nie zu Italien gehört zu haben – unter anderem, weil eine Kaufurkunde des Königs von Sardinien aus dem Jahr 1729 nie registriert worden sei. Historisch verbürgt ist, dass ein gewisser Graf Guido von Ventimiglia Seborga im Jahr 954 den Benediktinern von Lerino schenkte. Fast über acht Jahrhunderte später überließen die Mönche das Dorf dem Haus Savoyen, einem französischen Departement, offensichtlich ohne dass dies je amtlich registriert wurde.

Herausgefunden haben will das der erste Regent des modernen Fürstentums, ein Blumenhändler namens Giorgio Carbone, der 46 Jahre lang, von 1963 bis 2009, als „Fürst von Seborga“ die Geschicke des Dorfs lenkte und auch die Währung „Luigino“ einführte. Seit den 1950er-Jahren schon bemühte sich Carbone nachzuweisen, dass Seborga bei der Gründung der Republik Italien 1861 keiner Staatsmacht unterstellt war. Völkerrechtlich gehöre es bis heute nicht zu Italien. Dazu später mehr.

Deutsche Prinzessin will Urlauber anlocken – mit Luxushotel

Mindestens so märchenhaft wie die Geschichte ist die Lage Seborgas: auf etwa 500 Höhenmeter hinter der ligurischen Blumenriviera nahe der französischen Grenze, von wo aus man sowohl die Alpen als auch die italienische Küste bis nach Nizza bewundern kann. Aber es ist eben auch winzig: Das Bergdorf, das seit 1995 eine eigene Verfassung, eine eigene Hymne, eigene Autokennzeichen und Briefmarken erhielt, misst gerade mal vier Quadratkilometer. Umso größer sind die Pläne seiner Prinzessin.

Fürstentum Seborga
Klein, aber fein: Das Dorf Seborga in Ligurien ist ein selbsternanntes Fürstentum. Regiert wird es von einer Deutschen. © Principato di Seborga | Principato di Seborga

„Seborga ist der Ort, an dem ich meine kleine Tochter groß ziehen will“, erklärt die gebürtige Deutsche. „Es ist sicher, jeder kennt jeden.“ Die Frau aus Kempten, die mit 14 Jahren ihre Heimat verlassen hat und als Immobilienexpertin in Monaco lebte, bevor sie nach Seborga zog, arbeitet bereits an verschiedenen Projekten, um die Zukunft Seborgas zu sichern. Dank ihres Einsatzes sei schon einiges angefasst worden: So wurde beispielsweise das historische Stadtzentrum des Fürstentums aufs Feinste restauriert. „Seit ich gewählt wurde, kommen viel mehr Touristen aus Deutschland hierher“, sagt sie selbstbewusst. Das Interesse für Ferienwohnungen in der Gegend sei in den letzten Jahren stark gestiegen. Das nächste Projekt: „ein Luxushotel“.

Neue Seborga-Banknote ist bei Sammlern beliebt

Aber nicht nur mit ihren Immobilienprojekten, auch mit einer anderen Aktion hat Seborgas Prinzessin wieder einmal die Scheinwerfer auf sich gezogen: „La bella Nina“, wie sie seit ihrer feierlichen Krönung 2019 mitsamt Schwur und Krone genannt wird, mischt auch bei den Finanzen mit. Soeben hat sie eine neue Vier-Luigini-Banknote herausgegeben. Aktuell ist die etwa zwanzig Euro wert. „Luigini“ übrigens zu Ehren der französischen Könige. Der Wechselkurs wurde offiziell festgelegt: Für einen Luigino gibt es sechs US-Dollar.

Die Münzen – online zu erhalten – sind bei Sammlern sehr begehrt. Bisher wurden lediglich tausend davon aufgelegt. Und auch die Banknote komme gut an, so die Prinzessin. Die neue Vier-Luigini-Note ist in grün gehalten, international gelistet und äußerst hübsch anzusehen: Auf der Vorderseite prangen Porträt und persönliches Wappen der Prinzessin, sowie die Umrisse von Seborga. Die Rückseite zeigt die Kirche des Heiligen Bernhards, das Wappen des Fürstentums, sowie einen QR-Code, der auf die offizielle Website Seborgas verweist.

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Fürstentum Seborga kämpft für seine Unabhängigkeit

Doch aller Bemühungen zum Trotz bleibt ein Problem: Italien will Seborgas Unabhängigkeit nicht anerkennen – und in Rom nimmt man den angeblichen Fürstenstaat erst gar nicht ernst. Eine Klage des Wahlfürstentums beim Europäischen Gerichtshof scheiterte – wohl aus formalen Gründen, wie die Principessa betont. Jetzt arbeiten Anwälte an einem zweiten juristischen Vorstoß. Das tun sie ebenso ehrenamtlich, wie das ganze Fürstentum bisher funktioniert.

Trotzdem kämpfen die Seborghini unbeirrt für die Anerkennung. In Rom scheint man deshalb nicht alarmiert: Das Ministerium für Regionen äußert sich zwar nicht zum Thema, tut aber auch nichts, um die kuriosen Aktivitäten im Bergdorf einzuschränken. Das liegt auch daran, dass Prinzessin Nina betont, sich vorerst weiter an die Regeln des italienischen Staats halten zu wollen.

Auch Seborgas rechtlich anerkanntes Oberhaupt, Bürgermeister Pasquale Ragni, schätzt das selbsternannte Fürstentum: „Wir haben als Gemeinde ein Interesse daran, unsere Vergangenheit sichtbar zu machen und den Tourismus zu fördern“, sagt er. Deshalb arbeite er auch gern mit der Prinzessin zusammen. Was das Streben der Seborghini nach Unabhängigkeit angeht, hat Ragni aber eine klare Position: Seborga sei eine italienische Gemeinde und werden weiterhin Steuern für Italien abgegeben.