Es ist der Tag, auf den sie sich seit Monaten vorbereitet hat: Sarah Engels steht heute Abend beim ESC 2026 in Wien vor rund 160 Millionen Menschen auf der Bühne. Wir haben Engels einige Wochen vor dem Eurovision Song Contest zum Interview getroffen.
Wie fühlen Sie sich gerade?
Sarah Engels: Ich fühle mich gerade sehr dankbar und voller Energie. Es ist eine unglaublich intensive Zeit, aber auch eine, die ich ganz bewusst genieße. Da ist viel Vorfreude, ein bisschen Aufregung – und vor allem das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.
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Wird der Stressfaktor noch steigen?
Ich glaube, die Intensität wird auf jeden Fall noch zunehmen, je näher das Event rückt. Aber ich versuche, das gar nicht als Stress zu sehen, sondern eher als positive Spannung. Es ist so eine besondere Zeit, und ich möchte sie bewusst erleben und genießen – mit allem, was dazugehört.
Wer ist Ihr persönlicher ESC-Favorit?
Es gibt wirklich viele starke Acts in diesem Jahr. Ich durfte auf der ESC-Party in Oslo schon einige Kandidaten persönlich kennenlernen und live sehen – das war total spannend. Da sind wirklich viele tolle Künstler dabei, aber besonders freue ich mich über die starken Powerfrauen, zum Beispiel Antigoni aus Zypern, Dara aus Bulgarien und Delta aus Australien.
Welche Chancen rechnen Sie sich aus?
Darüber mache ich mir ehrlich gesagt gar nicht so viele Gedanken. Für mich steht im Vordergrund, diesen Moment zu genießen und auf der Bühne alles zu geben. Natürlich würde man sich wünschen, gut abzuschneiden – aber am Ende geht es darum, die Menschen mit meiner Musik zu erreichen und eine starke Performance abzuliefern.
Sarah Engels über ESC-Fans: „Diese Verbindung bedeutet mir am meisten“
Was tun Sie, um die Anspannung mental zu verkraften?
Mir hilft es vor allem, mir bewusst kleine Auszeiten zu nehmen und bei mir zu bleiben. Zeit mit meiner Familie gibt mir unglaublich viel Ruhe und Kraft. Außerdem versuche ich, mich immer wieder auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und mir keinen unnötigen Druck zu machen. Am Ende geht es darum, die Freude an der Musik nicht zu verlieren – und genau daran halte ich mich fest.
Wie haben Sie nach dem Vorentscheid die Fans erlebt?
Ich spüre unglaublich viel Unterstützung und positive Rückmeldungen, und das bedeutet mir wirklich sehr viel. Gerade aus den anderen Ländern bekomme ich viel positives Feedback. Es ist ein total schönes Gefühl, zu sehen, wie viele Menschen den Weg mit mir gehen und mich unterstützen. Genau das gibt mir nochmal extra Motivation und Energie für alles, was jetzt kommt.
Welche Fans sind es, die Sie am meisten feiern?
Ich finde es total schön zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen sind, die mich unterstützen. Da sind ganz junge Fans dabei, Familien, aber auch Menschen, die mich schon seit vielen Jahren begleiten. Am meisten berührt es mich, wenn Menschen meine Musik wirklich fühlen und sich darin wiederfinden – unabhängig vom Alter oder Hintergrund. Diese echte Verbindung bedeutet mir am meisten.
„Arbeiten noch an Choreografie und Performance“
Vor dem Vorentscheid hatten Sie durchblicken lassen, dass es beim Auftritt noch einige Änderungen geben wird. Gibt es dazu schon Details?
Ja, es wird auf jeden Fall noch einige Anpassungen geben – aber ich möchte noch nicht zu viel verraten. Ein bisschen Spannung darf ja bleiben. Was ich sagen kann: Wir arbeiten gerade intensiv, vor allem im Bereich Choreografie und an der gesamten Performance. Es geht darum, jedes Detail noch stärker herauszuarbeiten. Ich kann auf jeden Fall versprechen, dass ich wieder alles auf der Bühne geben werde.
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Was wird auf jeden Fall anders sein?
Es wird auf jeden Fall noch intensiver und stimmiger im Gesamtbild. Wir arbeiten daran, die Emotionen noch klarer zu transportieren und die Performance insgesamt stärker wirken zu lassen. Ohne zu viel zu verraten: Es geht darum, die Energie von „Fire“ noch greifbarer zu machen.
In „Fire“ geht es um Stärke, aber auch um Befreiung aus belastenden Situationen und darum, bei Niederlagen wieder Mut zu fassen. Können Sie sich an Niederlagen erinnern?
Niederlagen kenne ich durchaus. Schon aus der Kindheit. Die Erfahrungen haben mich sehr geprägt.
Was meinen Sie genau?
Ich erinnere mich an Situationen, da hatte ich das Gefühl, dass ich mich verliere. Es war ein Gefühl, als stehe ich mit dem Kopf vor einer riesigen Glaswand und schreie – aber niemand wollte oder konnte mich hören.

Welche Situationen waren das?
Als ich noch jung war, ist zum Beispiel bei all meinen Freundinnen schon die Brust gewachsen, während ich eine der Letzten war. Ich habe mich hässlich gefühlt und gedacht, ich würde wie ein Junge aussehen. Jetzt mit fast Mitte 30 ist der Drops schon gelutscht und man kann solche Dinge aus der Kindheit nur noch im Nachhinein aufarbeiten.
Sarah Engels will sich nicht von Hass aufhalten lassen
Wie waren Ihre Erfahrungen im Musikbusiness? Haben es junge Frauen schwerer?
Ich glaube nicht, dass es grundsätzlich schwerer ist, nur weil man eine junge Frau ist. Das Musikbusiness ist generell ein Haifischbecken – für alle. Man muss hart arbeiten, kämpfen und vor allem dranbleiben. Entscheidend ist, dass man die richtigen Menschen um sich hat, denen man vertrauen kann und die an einen glauben.
Die Nachricht, dass Sie beim deutschen ESC-Vorentscheid auf die Bühne gehen, sorgte für gemischte Gefühle. Während viele Fans begeistert waren, prasselten auf Instagram Hasskommentare auf sie ein. Was macht das mit Ihnen?
Natürlich bekommt man als öffentliche Person auch negative Stimmen mit, das lässt sich nicht komplett vermeiden. Ich habe aber gelernt, mir sehr bewusst auszusuchen, wie viel Raum ich dem gebe. Mir helfen meine Familie, mein enges Umfeld und die Musik selbst, um geerdet zu bleiben. Ich versuche, mich auf das Positive zu konzentrieren und auf die Menschen, die mich unterstützen. Am Ende ist es wichtig, gut auf sich selbst zu achten und sich nicht von Hass definieren zu lassen.
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Ein Nutzer schrieb: „Keine Brüste = Null Punkte für Deutschland.“ Sie haben darauf geantwortet. Warum?
Weil ich solche Aussagen nicht einfach stehen lassen möchte. Es ging mir nicht darum, jemanden anzugreifen, sondern eine klare Grenze zu setzen. Kommentare, die Menschen auf ihr Äußeres reduzieren, sind respektlos – besonders gegenüber Frauen. Mir folgen viele junge Mädchen, und ich möchte ein Vorbild sein und zeigen, dass man gut so ist, wie man ist. Genau deshalb finde ich es wichtig, Haltung zu zeigen und deutlich zu machen, dass solche Aussagen nicht okay sind.
Wie wichtig ist Ihnen Schönheit?
Für mich kommt wirkliche Schönheit von innen – aus Selbstvertrauen, Stärke und der Art, wie man mit sich selbst und anderen umgeht. Genau das möchte ich auch nach außen transportieren.
Sarah Engels über den ESC: „Habe gelernt, auf meine Intuition zu hören“
Finden Sie sich schön, wenn Sie morgens in den Spiegel schauen?
Das kommt ganz auf den Morgen an (lacht) – und darauf, wie viel Schlaf ich hatte. Aber im Ernst: Es gibt Tage, da lächle ich mich an, und Tage, da denke ich mir: „Okay, wo sind meine Augenpads“. Und das ist völlig in Ordnung. Schönheit heißt für mich nicht, jeden Tag perfekt auszusehen, sondern sich selbst mit all seinen Seiten anzunehmen.
Wie würden Sie Ihre eigene Stärke beschreiben?
Meine Stärke liegt darin, immer wieder aufzustehen, an mich zu glauben und weiterzumachen – auch wenn es mal schwer wird. Ich habe gelernt, auf meine Intuition zu hören, für mich einzustehen und mich nicht von Zweifeln oder äußeren Meinungen bremsen zu lassen.
Sie sind zweifache Mutter. Wie sieht das im Alltag aus?
Im Alltag ist es definitiv eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bekommen. Ich habe das große Glück, ein starkes Umfeld zu haben, auf das ich mich verlassen kann. Und ohne meinen Mann würde ich das alles nicht so gut hinbekommen. Er ist eine wahnsinnige Unterstützung für mich.






