Tierpfleger Philipp Klaus führt durch das Tropen-Revier im Tierpark in Berlin. Der Park gehört zu den Hauptattraktionen in der Hauptstadt. Und kämpft dennoch mit steigenden Kosten und hohen Ansprüchen an artgerechte Haltung.
Hier im Tierpark gibt es mehrere Tausend Tiere. Hast du als Tierpfleger einen geheimen Favoriten?
Eigentlich sollte man keinen haben. (lacht) Aber meine Favoriten sind die Tiger. Die sind einfach meine Lieblinge hier im Revier.
Wie füttert man einen Tiger, ohne sich in Gefahr zu bringen?
Wir füttern die Tiger natürlich nicht aus der Hand und sind nie gemeinsam mit ihnen im Gehege. Entweder füttern wir sie in der Box oder wir binden das Futter auf der Innen- oder Außenanlage an, sodass die Tiere dafür arbeiten müssen. Währenddessen sind sie im rückwärtigen Bereich, nicht bei uns auf der Anlage.
Auch interessant
Welche Sicherheitsvorkehrungen trefft ihr dabei?
Zuerst holen wir die Tiger in den Boxenbereich und verschließen alle Schieber. Dann gehen wir auf die Innenanlage. Wir arbeiten mit einem Schlüsselsystem, mit dem wir allein sicher arbeiten können. Ich habe in dem Moment den einzigen Schlüssel für die Anlage. So kann niemand die Tiere versehentlich zu uns auf die Innenanlage lassen – nur ich selbst.
Gibt es Situationen bei deiner Arbeit, in denen du nervös bist?
Eigentlich nicht mehr. Am Anfang macht man sich schon Gedanken, ob zum Beispiel der Schieber wirklich hält. Aber mit der Zeit kennt man die Tiere und die Abläufe. Ich bin seit 2021 in diesem Revier. Trotzdem muss man immer aufmerksam bleiben.

Tierpark oder Zoo: Was empfiehlst du Freunden und Verwandten für einen Besuch?
Natürlich den Tierpark. Der ist in Berlin das Highlight. Ursprünglich komme ich aus Thüringen und bin mit 16 für die Ausbildung extra in den Tierpark nach Berlin gegangen – und geblieben.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?
Im Sommer ist es hier besonders schön: warme Temperaturen, viele Wiesen, auf denen man entspannen und die Ruhe genießen kann. Viele haben Jahreskarten und gehen hier mit ihrem Hund Gassi oder einfach spazieren. Auch im Frühjahr, wenn alles blüht, ist der Tierpark besonders schön. Außerdem würde ich eher die frühen Morgenstunden empfehlen. Da ist der Tierpark noch nicht so voll, und man sieht die Tiere am besten. Mittags schlafen viele – wer Action sehen will, kommt also besser morgens.
Als Pfleger erlebst du auch, wie Tiere alt werden und sterben. Wie gehst du persönlich damit um?
Mein persönlich größter Verlust war unser Tigerkater JJ im März. Er kam 2022 in den Tierpark, ich habe ihn von Anfang an gepflegt und mit ihm trainiert. Da baut man eine echte Bindung auf. Man bekommt aber Zeit für den Abschied. Die Tierärzte geben uns die Möglichkeit, noch ein paar Minuten allein mit dem Tier zu sein. JJ wurde eingeschläfert und dann ins Institut für Zoo- und Wildtierforschung gebracht, um genauer untersucht zu werden. Man hat oft eine Diagnose, kann aber erst nach dem Tod feststellen, woran das Tier verstarb.
Ein Tierpfleger kann gefühlt alles.
Philipp Klaus,, Tierpfleger im Tierpark Berlin
Tierschutzorganisationen wie PETA sagen, artgerechte Haltung in Zoos beziehungsweise Gehegen sei nicht möglich. Wie stehst du zu dieser Kritik?
Ich finde, man sollte offen mit Kritik umgehen und sie nicht einfach abweisen. Was aber oft zu kurz kommt: Zoos leisten wirklich etwas für den Artenschutz. Wir wildern Feldhamster, Wildpferde, Wisente und Bartgeier aus. Ohne Zoos würde es manche Tierarten nicht mehr geben – das Wisent ist das beste Beispiel. Die Reservepopulationen aus Zoos haben diese Art gerettet. Tierschützer und wir wollen letztlich dasselbe: dass es den Tieren gut geht.

Aber nicht alle Tiere, die im Tierpark gehalten werden, sind gefährdet. Wäre es besser, die Bestände auf gefährdete Arten zu reduzieren?
Das ist schwer zu sagen. Tiere, die heute nicht gefährdet sind, könnten es morgen sein. Der Brillenpinguin wurde erst kürzlich von „stark gefährdet“ auf „vom Aussterben bedroht“ hochgestuft. Das geht durch Umwelteinflüsse leider sehr schnell.
Auch interessant
PETA veröffentlicht immer wieder Videos, die stereotypes Verhalten von Zootieren zeigen – Tiere, die im Kreis laufen etwa. Kennst du das?
Ja, das gibt es. Aber nicht jeder Zoo ist gleich. Es gibt Einrichtungen, deren Haltungsbedingungen nicht gut sind. Hier im Tierpark haben die Tiere Platz. Wir haben die Fläche und nutzen sie.
Was sollte man noch über deinen Beruf wissen?
Dass Tierpfleger nicht nur Tiere streicheln und füttern – auch wenn viele Praktikanten genau das erwarten. Wir sind Reinigungskräfte, Krankenpfleger, Beschäftigte. Wir trainieren täglich mit den Tieren. Ein Tierpfleger kann gefühlt alles. Es ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann.




