Strafpredigt, Korpsgeist-Politur oder Loyalitäts-Überprüfung? Bis kurz vor Beginn der Rede, die Amerikas „Kriegsminister“ Pete Hegseth (die Umbenennung vom Verteidigungsminister bedarf noch der Zustimmung des Kongresses) am Dienstagmorgen in der Aula des Marine-Stützpunktes Quantico vor der Toren Washington hielt, war über den Inhalt nur Geraune bekannt. 

Allein damit vergrätzte der frühere Fox News-TV-Moderator, der seit der Ernennung durch Donald Trump durch schneidige Attitüden auffällt, einen nennenswerten Teil der knapp 800 Generäle und Admirale, die kurzfristig aus allen Teilen der Welt herbeikommandiert worden waren. Einige Spitzen-Militärs hatten den Termin anonym gegenüber US-Medien als „Millionensummen verschlingende Zeitverschwendung“ bezeichnet. Tenor: „Wofür haben wir denn teure Telekonferenz-Systeme?“ 

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„Kriegsminister“ Hegseth: „Wir sind zum ‚woke department’ geworden´“

Nach wenigen Minuten dämmerte den Zuhörern, dass der mit null Applaus begrüßte Minister einen Rundumschlag im Kopf hatte, der wohl in die US-Militärgeschichte eingehen wird. Ausgangspunkt: Die größte Streitmacht der Erde habe einen „jahrzehntelangen Verfall“ zu beklagen, der durch Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt und Inklusion verursacht worden sei. „Törichte und rücksichtslose Politiker haben den falschen Kurs eingeschlagen, und wir haben unseren Weg verloren. Wir sind zum ‚woke department’ geworden“, sagte der wie ein TV-Conferencier über die Bühne tigernde Minister. Das notwendige „Krieger-Ethos“ sei dabei verloren gegangen. Damit sei nun endgültig Schluss. „Wir sind fertig mit diesem Scheiß.“

Pete Hegseth hält eine Rede vor den führenden Kräften des US-Militärs
In Quantico sprach Verteidigungsminister Pete Hegseth zu knapp 800 Generälen und Admiralen des US-Militärs.© Andrew Harnik/Pool Getty Images North America/AP/dpa | Andrew Harnik

Hegseth verteidigte seine Entlassung von mehr als einem Dutzend Militärführern, darunter viele Menschen mit Migrationshintergrund und Frauen. Er entließ den Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General Charles Brown Jr., der schwarz ist, die erste Frau an der Spitze der Marine, Admiral Lisa Franchetti, und die Vertreterin des US-Militärs im Nato-Militärausschuss, Vizeadmiral Shoshana Chatfield. Der Minister kündigte an, dass es weitere Kündigungen geben werde.

Pete Hegseth: Dicke Generäle und Admirale sind „völlig inakzeptabel“

Ausführlich widmete sich Hegseth Äußerlichkeiten. „Es ist völlig inakzeptabel, dicke Generäle und Admirale in den Hallen des Pentagon zu sehen.“ Zweimal pro Jahr seien künftig Fitness- und Gewichtstests Pflicht. Dabei sei allein der „höchste männliche Standard“ maßgebend. Wenn Frauen ihn nicht erreichten, „dann ist das eben so“. Bärte und auffällige Frisuren kommen auch auf den Index: „Die Ära des unprofessionellen Aussehens ist vorbei.“ Er begründete dies mit der Notwendigkeit, dass sich das US-Militär auf einen Krieg vorbereiten müsse. Dazu müssten Feinde, die sich entschließen, die Vereinigten Staaten herauszufordern, „mit Gewalt vernichtet“ werden. Dazu müsse das Militär aufhören, wie Zivilisten zu denken. Führungskräfte müssten befähigt werden, Standards durchzusetzen, ohne Vergeltungsmaßnahmen oder Nachfragen befürchten zu müssen. Begriffe wie „Mobbing“ und „Schikane“ seien zu „Waffen“ gemacht worden. 

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Der Schlüssel zu einer starken Armee liege in ihren Menschen und der Ausbildung guter Führungskräfte. Kriterien? „Kompetent. Qualifiziert. Professionell. Agil. Aggressiv. Innovativ. Risikobereit. Unpolitisch.“ Bevor Präsident Donald Trump persönlich Worte an die Militär-Elite richtetet, gab Hegseth seinen Zuhörern einen Rat: „Wenn meine Worte ihr Herz sinken lassen, sollten sie zurücktreten.“ Hegseth erhielt nach Abschluss der Rede keinen Beifall.