Im Ringen um eine Beilegung des Gaza-Kriegs haben sich Israel und die islamistische Hamas in indirekten Verhandlungen auf erste wichtige Punkte geeinigt. Konkret sollen nach Unterzeichnung die von der Hamas im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln binnen 72 Stunden freikommen. Israel werde außerdem seine Truppen auf eine vereinbarte Linie zurückziehen, wie US-Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social bekanntgab: „Alle Parteien werden fair behandelt.“
Die Hamas bestätigte die Einigung. Die Vereinbarung sehe ein Ende der Kampfhandlungen im Gazastreifen, einen Rückzug des israelischen Militärs, Zugang für Hilfsgüter in das Küstengebiet und einen Austausch von Geiseln und Häftlingen vor, hieß es in einer Mitteilung der Terrororganisation.
Auch interessant
Gaza-Friedensplan: Israelische Regierung kommt Donnerstag zusammen
Trump dankte weiteren Vermittlerländern in dem Konflikt – Katar, Ägypten und der Türkei. Im ägyptischen Scharm el Scheich hatten indirekte Verhandlungen zwischen Israel und der Islamistenorganisation Hamas über einen von Trump vorgestellten Friedensplan stattgefunden.
Laut einem Bericht der „Times of Israel“ will die israelische Regierung am Donnerstag zusammenkommen, um das Abkommen zu genehmigen. Der TV-Sender CNN berichtete unter Berufung auf eine israelische Quelle, dass die Geiseln voraussichtlich am Samstag oder Sonntag freigelassen werden könnten. Trump hingegen sprach in einem Audio-Interview des Senders Fox News von voraussichtlich Montag.
Aktuelle News aus dem Nahen Osten
Benjamin Netanjahu erleichtert über angekündigte Geiselfreilassung
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte erleichtert auf die angekündigte Freilassung der Geiseln. „Mit Gottes Hilfe werden wir sie alle nach Hause bringen“, schrieb der Regierungschef auf der Plattform X.
With the approval of the first phase of the plan, all our hostages will be brought home. This is a diplomatic success and a national and moral victory for the State of Israel.
— Benjamin Netanyahu - בנימין נתניהו (@netanyahu) 8. Oktober 2025
From the beginning, I made it clear: we will not rest until all our hostages return and all our goals…
Israels Oppositionsführer Jair Lapid schrieb ebenfalls auf X: „Wir warten mit angehaltenem Atem auf unsere Kinder.“ Er danke US-Präsident Trump.
Auch interessant
20 Geiseln im Austausch gegen 2000 inhaftierte Palästinenser
Trumps Friedensplan sieht vor, dass alle israelischen und ausländischen Geiseln in der Gewalt der Hamas und anderer Terrororganisationen freikommen. Im Gegenzug dafür soll Israel rund 250 zu lebenslanger Haft verurteilte palästinensische Häftlinge freilassen sowie etwa 1.700 nach dem 7. Oktober 2023 Inhaftierte.
Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, von denen nach israelischen Informationen noch 20 am Leben sind.

Geisel-Familien: „Mischung aus Aufregung und Besorgnis“
Die Menschen werden unter grausamen Bedingungen festgehalten. Zuvor freigelassene Geiseln haben von Folter und schweren Misshandlungen berichtet. In von Terrororganisationen veröffentlichten Videos waren Geiseln zuletzt auch stark abgemagert zu sehen.
Die Familien der Geiseln begrüßten den Durchbruch. „Das ist ein wichtiger und bedeutender Schritt auf dem Weg, alle nach Hause zu bringen, aber unser Kampf ist noch nicht vorbei und wird erst enden, wenn die letzte Geisel zurückgekehrt ist“, hieß es in einer Mitteilung des Forums der Geisel-Familien. Sie hätten die Nachricht von der Einigung mit einer „Mischung aus Aufregung, Vorfreude und Besorgnis“ aufgenommen.
Mehr von Israel-Korrespondentin Maria Sterkl
- Staatsbesuch: Israel und die USA: Plötzlich steht Netanjahu der Schweiß auf der Stirn
- Militärexperten warnen: „Bitte, Israel, komm!“ – Warum Ex-Iraner einen neuen Krieg fordern
- Bestechungsskandal: Netanjahu kämpft um sein politisches Überleben
- Hamas in Gaza: Sie warten in Tunneln auf den nächsten Einsatz
- Radikale Siedler: „Ärgern sich, weil Krieg vorbei ist“ – So brutal agieren sie
Gibt die Hamas ihre Waffen ab?
Nicht erwähnt wird bisher ein wichtiger Knackpunkt des Friedensplans: die Entwaffnung von Terroristen im Gazastreifen. Das sieht Trumps Friedensplan vor: Sobald alle Geiseln freigelassen sind, bekommen demnach Hamas-Mitglieder, die sich zu friedlicher Koexistenz und zur Niederlegung ihrer Waffen verpflichten, Amnestie.
Die USA sind überzeugt, dass der Terror wiederkommen wird, wenn es keine Entwaffnung gibt. US-Außenminister Marco Rubio sagte am Sonntag zu den längerfristigen Zielen, zu denen auch eine Entwaffnung gehöre: „Das wird schwierig sein, aber es ist entscheidend, denn ohne das wird es keinen dauerhaften Frieden geben. Man mag die Geiseln zurückbekommen, man mag eine Einstellung der Feindseligkeiten erreichen, aber langfristig wird sich alles wiederholen.“
Die USA hatten betont, dass es zwei Phasen der Verhandlungen gäbe. Zum einen die über die Geiselfreilassung, die absolute Priorität habe. Zum anderen eine zweite Phase, in der der langfristige Frieden gesichert werden sollte. Darunter zählten die USA auch die Entwaffnung.

Wie wird eine Übergangsregierung aussehen können?
Die Hamas hatte jüngst zwar gesagt, sie sei damit einverstanden, dass das Gebiet nach Kriegsende zunächst von einer Übergangsregierung palästinensischer Technokraten unter Aufsicht eines internationalen Gremiums regiert werde. Es blieb aber unklar, ob sie damit auch der Forderung von Trumps Friedensplan zustimmte, dass sie selbst dabei keine Rolle spielen darf.
Lesen Sie auch: Palästina als Staat anerkennen: Bringt das überhaupt noch was?
UN-Generalsekretär António Guterres rief nach der Einigung alle Beteiligten auf, „diese einmalige Gelegenheit“ für den Weg hin zu einer Zweistaatenlösung zu nutzen, die es Israelis und Palästinensern ermöglichen würde, in Frieden und Sicherheit zu leben. „Noch nie stand so viel auf dem Spiel“, betonte er. Mit Zweistaatenlösung ist ein unabhängiger palästinensischer Staat gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Israels Ministerpräsident Netanjahu lehnt eine Zweistaatenlösung ebenso ab wie die Hamas.
Indirekte Verhandlungen in Ägypten
Die indirekten Verhandlungen hatten am Montag mit dem Ziel begonnen, den seit zwei Jahren laufenden Gaza-Krieg schrittweise zu einem Ende zu führen. Unter anderem der US-Sondergesandte Steve Witkoff, Israels Minister Ron Dermer und Chalil al-Haja, der höchste Vertreter der Hamas im Ausland, reisten dafür nach Scharm el Scheich. Versuche, den Gaza-Krieg zu beenden, waren in der Vergangenheit mehrfach gescheitert.
Der Gaza-Krieg begann vor zwei Jahren. Auslöser war der Überfall der Hamas und anderer islamistischer Terrororganisationen auf Israel am 7. Oktober 2023. Rund 1.200 Menschen wurden dabei getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt. Seither kamen laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 67.000 Palästinenser ums Leben.
dpa







