Das sieht nicht gut aus für die Ukraine: Im Osten ist die strategisch wichtige Stadt Pokrowsk praktisch an die Russen verloren, die Energieversorgung ist schon vor dem Winter desolat, in Kiew steht Präsident Selenskyj wegen des Korruptionsskandals massiv unter Druck. Und jetzt noch mutmaßliche US-Pläne für einen Diktatfrieden: Nutzen Washington und Moskau die prekäre Lage aus, um Selenskyj zu neuen Zugeständnissen zu zwingen? Der Verdacht besteht mit dem sogenannten Friedensplan, den Unterhändler beider Regierungen beredet haben.
Wenn es stimmt, was jetzt durchsickert, ist das kein ernsthaftes Konzept, sondern alter russischer Wein in neuen Schläuchen. Die Abtretung von Gebieten, die Russland gar nicht erobert hat, die Halbierung der ukrainischen Armee, keine Friedenstruppe – für die Ukraine wäre das unzumutbar. Offenbar hat Wladimir Putin das Gefühl, dass er mal wieder mit Donald Trump sprechen sollte, weil neue Sanktionen drohen. Nur einlenken will Putin immer noch nicht.

Sollte es Trumps Helfern darum gehen, vor ernsthaften Verhandlungen noch einmal Moskaus Maximalforderungen zu erforschen, wäre das zwar überflüssig, aber akzeptabel. Wenn man aber in Washington wirklich glaubt, die Ukraine könne sich auf eine solche Kapitulation einlassen, wäre das ein schwerer Rückschlag für den Friedensprozess. So kann der Krieg nicht enden.
Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert
Wieder kommt es jetzt auf die Europäer an. Sie müssen glaubhaft unterstreichen, dass sie der Ukraine mit Geld und Ausrüstung weiter zur Seite stehen werden. Kiew muss nicht aufgeben. Zugleich muss das vereinte Europa in Washington klarstellen, was auf dem Spiel steht. Wenn Putin auf diese Weise üppige Kriegsgewinne einstreichen darf, die er auf dem Schlachtfeld nicht erzielen konnte, wird er sich nur ermutigt fühlen: Dann wäre bald nicht nur die restliche Ukraine dran, dann wäre auch die Sicherheit östlicher Nato-Staaten in Gefahr.






