Sein narzisstischer Drang, seinen Namen und damit sich selbst noch zu Lebzeiten in das Stadtbild Amerikas zu pressen und damit teilweise Jahrzehnte alte Traditionen zu brechen, hat bei Donald Trump nun auch den ikonenhaften US-Kultur-Tempel schlechthin erreicht:

Das berühmte Kennedy-Center in der Hauptstadt Washington DC, benannt nach dem 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, ist am Donnerstag einer Umbenennung unterzogen worden, die Rechtsgelehrte umgehend als ungesetzlich bezeichneten.

Trump-Kennedy-Center: Keine einstimmige Entscheidung

Der vom 47. US-Präsidenten handverlesen ausgesuchte Vorstand der Veranstaltungsstätte für darstellenden Künste am Ufer des Potomac hat das Haus in „Trump-Kennedy Center” umbenannt (man achte auf die Reihenfolge). Das gab Trumps Sprecherin Karoline Leavitt bekannt.

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    Der Namenswechsel sei „aufgrund der unglaublichen Arbeit” erfolgt, „die Präsident Trump im letzten Jahr zur Rettung des Gebäudes geleistet hat“, schrieb die Pressesprecherin und sprach von einer einstimmigen Entscheidung. Was die demokratische Kongressabgeordnete Joyce Beatty aus Ohio sofort dementierte, die Mitglied des Gremiums ist, in das Trump getreue Anhänger wie Justizministerin Pam Bondi und Stabschefin Susie Wiles entsandt hat.

    President Trump Attends World Cup Draw At Kennedy Center
    Anfang Dezember bei der Auslosung der Gruppenspiele der Fußball-WM im nächsten Jahr hatte Donald Trump im Kennedy-Center einen weltweit als anrüchig empfundenen Auftritt. Fifa-Boss Infantino (re.) verlieh dem US-Präsidenten einen „Friedenspreis“.© Getty Images via AFP | Andrew Harnik

    Heftiges juristisches Nachspiel kündigt sich an

    „Ich wurde während des Telefonats stummgeschaltet und durfte mich nicht äußern oder meine Ablehnung gegenüber diesem Schritt zum Ausdruck bringen”, erklärte Beatty in sozialen Medien. Die in US-Medien als „dreist“ bezeichnete „Okkupation” der Einrichtung durch das Trump-Lager wird aller Voraussicht nach ein heftiges juristisches Nachspiel haben. 

    Der Name des Gebäudes ist gesetzlich festgelegt und kann laut Experten wie dem demokratischen Fraktionsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, allenfalls durch eine Kongress-Entscheidung modifiziert werden.

    Die Statuten zur Gründung des Zentrums besagen, dass „keine zusätzlichen Denkmäler oder Gedenktafeln in den öffentlichen Bereichen des John F. Kennedy Center for the Performing Arts angebracht oder aufgestellt werden dürfen“.

    Trump ging darüber hinweg, als er im Oval Office erklärte, er fühle sich „geehrt“ durch die Abstimmung, die von den „angesehensten Personen des Landes“ durchgeführt worden sei.

    Mikrofone sollen während der Abstimmung stummgeschaltet worden sein

    Trump hatte während seiner ersten Amtszeit mit der damaligen Leitung gehadert, die er als „woke” und “liberal” verurteilte und am Programm herummäkelt, dass ihm nicht konventionell genug war. Nach Amtsantritt im Januar entließ er Vorstandsmitglieder und erklärte im Februar, er sei einstimmig zum Vorsitzenden gewählt worden. Seine Allzweckwaffe Richard Grenell, einst US-Botschafter in Berlin, hat seither das Zepter im Kennedy-Center in der Hand, das nach dem Einstieg Trumps einen drastischen Besucherschwund zu verzeichnen hatte, wie die „Washington Post” nachwies.

    Das Kennedy-Center in Washington soll umbenannt werden - in Trump-Kennedy-Center.
    Das Kennedy-Center in Washington soll umbenannt werden - in Trump-Kennedy-Center.© AFP | MANDEL NGAN

    Der jüngste Akt, der in der demokratischen Hochburg Washington, wo Trump bei den Wahlen 2016, 2020 und 2024 chancenlos war, von vielen Bürgern als „feindliche Übernahme” gewertet wird, sorgte im Kennedy-Clan für Entsetzen.

    Jack Schlossberg, der Enkel von JFK, schrieb auf X: „Die Mikrofone wurden stummgeschaltet“, und fügte hinzu: „Die Abstimmung war nicht einstimmig.“ Er kritisierte die Bemühungen, das Gebäude nach Trump umzubenennen, und sagte, dessen Regierung „stehe für Unterdrückung, nicht für Meinungsfreiheit“.

    Mitglieder der Kennedy-Familie äußern sich

    Der ehemalige Abgeordnete Joe Kennedy III, Enkel von Robert F. Kennedy, schrieb ebenfalls auf X, dass das „Kennedy Center ein lebendiges Denkmal für einen verstorbenen Präsidenten ist und durch Bundesgesetz nach Präsident Kennedy benannt wurde. Es kann genauso wenig umbenannt werden wie das Lincoln Memorial, egal was irgendjemand sagt.“

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      Kerry Kennedy, die Tochter des ehemaligen Generalstaatsanwalts Robert F. Kennedy, verurteilte die Namensänderung ebenfalls. „Präsident Kennedy stand stolz für Gerechtigkeit, Frieden, Gleichheit, Würde, Vielfalt und Mitgefühl für diejenigen, die leiden. Präsident Trump steht im Gegensatz zu diesen Werten, und sein Name sollte nicht neben dem von Präsident Kennedy stehen.“

      Kopfschütteln löste bei den Kennedys die Stellungnahme von Trump-Sprecherin Leavitt aus. Sie hatte geschrieben: „Herzlichen Glückwunsch an Präsident Donald J. Trump und ebenso herzlichen Glückwunsch an Präsident Kennedy, denn dies wird auch in Zukunft ein wirklich großartiges Team sein! Das Gebäude wird zweifellos neue Höhen des Erfolgs und der Pracht erreichen.“ John F. Kennedy ist seit über 60 Jahren tot.