Sharyn Alfonsi ist wütend. Die US-Journalistin arbeitete kürzlich an einem Beitrag über das Cecot-Hochsicherheitsgefängnis in El Salvador. Die Einrichtung wird von der Regierung von Donald Trump als Abschiebegefängnis genutzt. Doch obwohl die Reportage am vergangenen Sonntag in der Sendung „60 Minutes“ auf dem Sender CBS erscheinen sollte, wurde die Ausstrahlung verschoben – auf unbestimmte Zeit. Alfonsi kritisierte diese Entscheidung nun scharf.
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Beitrag über Gefängnis in El Salvador: Warum wurde die „60 Minutes“-Ausstrahlung verschoben?
Wie aus einer internen E-Mail von Alfoni an ihre Kolleginnen und Kollegen hervorgeht, sei der „60 Minutes“-Beitrag mehrfach geprüft worden. Sowohl die Rechtsabteilung als auch Faktenchecker des Sendes hätten den Beitrag freigegeben, soll die Reporterin laut „New York Times“ geschrieben haben. „Er ist faktisch korrekt. Meiner Ansicht nach ist die jetzige Zurücknahme des Artikels (Videobeitrag, Anm. d. Red.), nachdem alle strengen internen Prüfungen abgeschlossen sind, keine redaktionelle, sondern eine politische Entscheidung“, heißt es weiter.
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Der Sender teilte am Sonntag mit, die Sendung werde zu einem späteren Zeitpunkt ausgestrahlt. Eine genaue Begründung wurde zunächst nicht gegeben. Die CBS-News-Chefin Bari Weiss erklärte gegenüber der „New York Times“ jedoch, sie solle sicherstellen, dass alle publizierten Recherchen so gut wie möglich sein sollten. Es sei ein übliches Vorgehen, „Geschichten, die aus irgendeinem Grund noch nicht fertig sind – etwa weil ihnen der nötige Kontext fehlt oder weil wichtige Stimmen fehlen –,“ zurückzuhalten.
Allerdings gilt die erst seit diesem Oktober im Amt stehende Senderchefin als Trump-nahe. Dem Bericht des US-Mediums zufolge soll sie mehrere Bedenken zu dem Beitrag geäußert und Änderungen verlangt haben. So habe sie etwa eine Stellungnahme der Trump-Regierung gefordert und soll dafür ein Interview mit Trumps Vizestabschef Stephen Miller vorgeschlagen haben.
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Doch trotz dieser Maßnahme konnten nun kanadische Nutzer von „Global TV“ den Beitrag sehen. Ausschnitte der Dokumentation landeten daraufhin schnell im Netz. In dem 13-minütigen Segment berichten vor allem Inhaftierte über die grausamen Zustände in dem Gefängnis in El Salvador. So erzählt etwa ein College-Student aus Venezuela, der in den USA Asyl beantragte, dass er dorthin abgeschoben und von dem Gefängnisdirektor mit den Worten „Willkommen in der Hölle. Ich werde dafür sorgen, dass ihr sie nie verlassen werdet“ begrüßt worden sein.
Ob es sich dabei um eine technische Panne oder eine bewusste Veröffentlichung handelte, ist nicht bekannt. Weder CBS, „60 Minutes“ noch Global TV äußerten sich bislang zu dem Vorfall. Mitarbeiter der CBS-Redaktion erzählten „The Independant“, dass die Angestellten bereit seien, gegen ihre umstrittene Chefin zu „rebellieren“.
„60 Minutes“: Sendung von CBS hat bereits einen Prozess gegen Trump hinter sich
Es ist nicht das erste Mal, dass die Sendung „60 Minutes“ einen Konflikt mit dem US-Präsidenten hat. Während des letzten Wahlkampfs wurde die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris interviewt. Trump behauptete, die Verantwortlichen hätten schwache Antworten seiner Rivalin um das Weiße Haus herausgeschnitten und klagte vor Gericht. Obwohl die Macher der Sendung dies in einem Interview-Transkript widerlegten und Medienrechtsexperten sie im Recht sahen, stimmte die Mediengruppe Paramount (zu der auch CBS gehört) einem Vergleich über 16 Millionen Dollar zu.

Seit diesem Sommer gehört die Paramount-Mediengruppe der Familie des Milliardärs Larry Elisson. Dieser ist ein bekannter Trump-Unterstützer. Nach seiner Übernahme wurde auch die Zusammenarbeit mit dem regierungskritischen Late-Night-Talker Stephen Colbert beendet. Der Vertrag des Moderators soll im Mai 2026 enden.




