Obwohl Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump auch körpersprachlich harmonierten und ihr über dreistündiges Gespräch in Mar-a-Lago als „großartig” und „fantastisch” bezeichneten, gab es keinen Durchbruch. Beide Staatsmänner betonen in ihren Äußerungen, dass die Beendigung des Krieges eine „komplizierte” Angelegenheit sei und dass ein tragender Erfolg im Friedensprozess Wochen dauern könne.
Während Selenskyj die Vereinbarungen bezüglich amerikanischer Sicherheitsgarantien gegen eine etwaige Neuauflage russischer Aggression in einigen Jahren zu 100 Prozent konsensual gelöst sah, sprach Trump von „vielleicht 95 Prozent”. Man sei so „nah” beieinander wie vielleicht noch nie. Warum sparten dann beide Politiker alle Details aus?
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Weiters Selenskyj-Treffen im Januar geplant
Die sollen einer Arbeitsgruppe vorbehalten bleiben, in der Trump seine Prioritäten durch die Chef-Unterhändler Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner offenbar weiter am besten vertreten sieht. Im Januar werde es dann ein weiteres Treffen mit Selenskyj und möglicherweise europäischen Staats- und Regierungschefs geben, die noch am Sonntagabend per Telefonschalte über den Stand der Dinge informiert wurden.

Wie unklar das Bild trotzdem ist, veranschaulicht der Einzelfall Saporischschja. Europas größtes Atomkraftwerk wird von Russland besetzt. Eine von den Amerikanern vorgeschlagene ukrainisch-russische Joint-Venture-Nutzung des Meilers kommt für Kiew nicht in Frage. Selenskyj hat dagegen die Idee gesetzt, die USA könnten das AKW gemeinsam mit der Ukraine betreiben - und an der Energiegewinnung beteiligt werden. Trump ging darauf nicht ein, wiederholte stattdessen, dass Putin offen sei für eine Zusammenarbeit mit dem Kriegsgegner. „Präsident Putin arbeitet tatsächlich mit der Ukraine daran, es zu öffnen“, sagte Trump und nannte es einen „großen Schritt”, dass der Kreml-Herrscher das Kraftwerk nicht bombardiert habe.
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Trump: Wenn es scheitert, „dann werden sie weiter kämpfen“
Die meisten Reporterfragen gingen erwartungsgemäß an Trump, der in gewohnter Manier die Aussichten auf Erfolg und Misserfolg quasi gleichberechtigt in einem Atemzug nannte. So könne es in „einigen Wochen” Frieden geben. Das Ganze könne aber auch noch an einem einzigen Detail scheitern. „Dann werden sie weiter kämpfen und weiter sterben.”

Trump sprach mehrfach von „dornigen Themen”, die noch ungelöst seien. Dazu gehört offensichtlich die russische Forderung nach großen territorialen Zugeständnissen der Ukraine im Donbass; auch dort, wo Moskau militärisch noch nicht erfolgreich war. Bisher ein No-Go für Kiew. Trump deutete offen Sympathie für die zügige Abtretung von ukrainischem Land an, bevor diese Frage von den Russen militärisch gelöst würde. Selenskyj bekräftigte, dass der Donbass eine „sehr schwierige Frage” darstelle, die am Ende durch eine Volksabstimmung oder einen Parlamentsbeschluss entschieden werden müsse.

Trump schließt sich Selenskyjs Forderung einer Waffenruhe nicht an
Der Forderung Selenskyjs, dass zur Vorbereitung und Durchführung eines Referendums eine 60-tägige Waffenruhe herrschen müsse, schloss sich Trump ausdrücklich nicht an. Putin wolle keinen Waffenstillstand, auch nicht während eines Referendums, sagt er. „Ich verstehe Putin, dass er nicht aufhören und dann möglicherweise wieder anfangen will.”
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Als Trump erklärte, „Russland will, dass die Ukraine Erfolg hat”, rang Selenskyj für einen kurzen Moment um Fassung, verzichtete aber auf einen abschlägigen Kommentar, der das durchweg gute Atmosphärische der Presse-Begegnung zerstört hätte.
Laut Trump will Putin der Ukraine beim Wiederaufbau helfen
Auch als Trump ausgiebig herleitete, dass sein Vertrauen in Putins Friedenswillen („Ich glaube ihm”) aus der Zeit der Verdächtigungen zu Beginn seiner ersten Präsidentschaft herrühre, als die Trump-Kampagne unter dem Verdacht stand, russische Hilfe gegen die Demokratin Hillary Clinton genutzt zu haben, hielt sich Selenskyj komplett zurück.
Ebenso, als Trump sich zu der Aussage verstieg, Putin sei „sehr großzügig in seinen Gefühlen gegenüber dem Erfolg der Ukraine“ und wolle dem im Februar 2022 überfallenen Land „beim Wiederaufbau helfen“. Dass Trump diese Behauptung ausgerechnet zu einem Zeitpunkt in die Welt setzte, zu dem russische Truppen verstärkt zivile Ziele in der Ukraine unter Dauer-Bombardement nehmen, halten US-Analysten „entweder für eine vorsätzliche Verbreitung der Argumente des Kremls oder ein Beweis für atemberaubende Naivität hinsichtlich der wahren Absichten Putins”.

Experte sieht keine Anzeichen, dass Putin ernsthaft verhandeln will
„Die Vorstellung, dass der Führer, der den größten Landkrieg in Europa seit Jahrzehnten initiiert hat, der die Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur überwacht hat und der weiterhin souveränes ukrainisches Territorium besetzt hält, nun darauf brennt, die Rolle eines wohlwollenden Partners beim Wiederaufbau zu spielen, ist reine Fantasie”, sagt Juri Boyechko, Gründer der humanitären Organisation „Hope for Ukraine”.
Daniel Fried, ein ehemaliger US-Diplomat mit großer Erfahrung in Russland und Mittel- und Osteuropa, sagte nach dem Treffen, dass Fortschritte bei den Vereinbarungen über Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau der Ukraine ein positives Zeichen seien.
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Er fügte jedoch hinzu, dass all dies aber keine Rolle spielen würde, wenn Putin letztendlich beschließen würde, in Bezug auf die umstrittenen Gebiete keinen Millimeter nachzugeben. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Russland bereits bereit ist, ernsthaft zu verhandeln“, sagte Fried in einem Interview.

Trump könnte vor dem Parlament in Kiew reden
„Die gute Nachricht ist, dass es für Putin umso schwieriger werden könnte, sein übliches Spiel der Ablenkung und Verzögerung zu spielen, je mehr sich die USA für den 20-Punkte-Plan, engagieren.“
Ein mögliches Indiz: Der amerikanische Präsident schließt nicht aus, vor dem Parlament in Kiew zu sprechen, um für seinen Plan zu werben. Selenskyj nahm den Ball sofort auf: „Sie sind willkommen.”







