US-Präsident Donald Trump will die marode venezolanische Ölindustrie wieder flottmachen. Kann das gelingen? Und welche Auswirkungen hat dies auf den Ölpreis und den Ukraine-Krieg? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ändert sich, wenn US-Präsident Donald Trump Venezuelas Ölfelder unter seine Kontrolle bringt?

Die Kontrolle über die venezolanischen Ölfelder hieße, dass der amerikanische Präsident Donald Trump auf einem riesigen Schatz sitzen würde: Venezuela verfügt über Ölreserven in Höhe von 303 Milliarden Barrel. Das sind 17 Prozent der Vorkommen auf dem Globus. Kein Land hat mehr. Das würde den Vereinigten Staaten mittel- und langfristig eine gigantische Marktmacht verleihen. Im Jahr 2024 war Amerika mit einer Produktion von mehr als 22,7 Millionen Barrel pro Tag bereits die Nummer eins auf der Welt. Laut US Energy Information Administration (EIA) entspricht das etwa 22 Prozent der globalen Fördermenge. Die USA gewinnen im großen Stil Schieferöl im Landesinneren. Dabei setzen die Unternehmen auch auf die umstrittene Fracking-Methode, mit der das Öl mithilfe einer chemischen Flüssigkeit hydraulisch aus dem Erdboden gedrückt wird.

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Vor welcher Aufgabe stehen die amerikanischen Energiekonzerne?

Für Trump sind die venezolanischen Ölfelder eine riesige Bonanza. „Wir werden unsere großen US-Ölkonzerne (...) dort reingehen lassen, Milliarden von Dollar investieren, die marode Ölinfrastruktur reparieren und Geld machen, das dem Land zugutekommen wird“, kündigte er an. Doch so einfach ist das nicht. Die Ölindustrie Venezuelas ist heruntergewirtschaftet. Das Land produziert nur knapp eine Million Barrel pro Tag – das ist etwa ein Prozent des weltweiten Outputs. Verantwortlich hierfür sind die US-Sanktionen gegen das Maduro-Regime sowie Missmanagement. Hinzu kommt, dass das schwefelhaltige Schweröl Venezuelas nur mit spezieller Technik gefördert und weiterverarbeitet werden kann.

An der US-Golfküste sind zwar viele Raffinerien genau auf diese Art Öl spezialisiert. Die Frage ist: Rentieren sich die Investitionen für sie? Die Kosten wären gewaltig. „Nur um die Produktion bis 2040 auf dem gegenwärtigen Stand zu halten, wären rund 65 Milliarden Dollar nötig. Mehr als 100 Milliarden Dollar bräuchte es, um die Ölförderung Venezuelas wieder auf zwei Millionen Barrel pro Tag zu heben“, sagt Schreiner Parker von der norwegischen Energieberatungsfirma Rystad. Seit der Verstaatlichung der venezolanischen Ölindustrie durch Hugo Chávez 2007 operiert nur noch das US-Unternehmen Chevron im Land. 3000 Mitarbeiter sind in Joint Ventures beschäftigt.

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US-Angriff auf Venezuela: Maduro festgesetzt – was jetzt folgt
Im Krisenmodus
 

Derzeit bewegt sich der Preis der Ölsorte Brent nahe der 60-Dollar-Marke pro Barrel. Bei einem Preis unterhalb dieses Sockels lohnt sich eine Ausweitung der Förderung für viele amerikanische Schieferölkonzerne nicht. In den USA geht die Zahl der nicht fertiggestellten Bohrlöcher aktuell zurück. „Das heißt, die Ölproduzenten sind eher pessimistisch für künftige Ölpreise. Ihre Investitionsbereitschaft in neues Angebot beim aktuellen Preis ist eher niedrig“, sagt der Analyst Giovanni Staunovo von der Schweizer Bank UBS. Selbst wenn die geschäftsführende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez US-Firmen in ihr Land bitten würde, wäre es fraglich, ob ExxonMobil oder ConocoPhillips mit Mega-Investitionen einsteigen würden. „Für Amerikas Ölkonzerne gibt es wenig Anreiz, in Venezuela im großen Stil zu bohren“, betont Robert Kaufmann von der Boston University.

Steigen die Ölpreise?

Nach der US-Militäraktion in Venezuela gab es keine großen Ausschläge am internationalen Ölmarkt. Die Preise der Sorte Brent pendelten um die Marke von 60 Dollar pro Barrel. Das liegt in erster Linie daran, dass das südamerikanische Land nicht einmal einen Anteil von einem Prozent an der globalen Förderung hat. Die riesigen Ölreserven von rund 300 Milliarden Barrel sind eine Wette auf die Zukunft, bringen aber zunächst keinen Gewinn. Die Errichtung der dafür nötigen Anlagen dauert viele Jahre und verschlingt dreistellige Milliardenbeträge. Es wird daher keinen schnellen Venezuela-Faktor beim Öl geben. Klar ist aber auch: Wenn US-Konzerne die venezolanische Ölindustrie wieder flottmachen und der Output steigt, hat dies mittelfristig eine preissenkende Wirkung.

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Aber bereits derzeit übersteigt das Ölangebot die Nachfrage bei Weitem. Das liegt auch an der eher schleppenden Weltkonjunktur, die den Energiehunger der Unternehmen dämpft. Dies schlug sich bereits im vergangenen Jahr nieder. Der Preis der Ölsorte Brent ging um gut ein Fünftel zurück. Die Lage dürfte auch 2026 anhalten. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet mit einem Überangebot von 3,8 Millionen Barrel pro Tag.

Für die Verbraucher in Deutschland ist das ein beruhigendes Signal: Die Ölpreise sowie die daran gekoppelten Preise für Heizöl und Gas dürften stabil bleiben. Auch für die Benzinpreise droht von dieser Seite kein Stress. Der größte Risikofaktor bleibt geopolitische Instabilität. Im Juni schnellten die Ölpreise kurzzeitig nach oben, als Israel Luftangriffe auf den Iran startete. Im Dezember kam es zu einem leichten Preisanstieg, nachdem die amerikanische Regierung eine Blockade gegen sanktionierte Tanker aus Venezuela verhängt hatte.

Kommt Putin in Schwierigkeiten, wenn er sein Öl nicht mehr so gut absetzen kann? 

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sein Land auf Kriegswirtschaft getrimmt: Rund 40 Prozent der Einnahmen aus Öl- und Gasexporten fließen in den Staatshaushalt. Russland ist zwar mit einer Förderung von 10,7 Millionen Barrel am Tag der drittgrößte Ölproduzent der Welt. Es verdient aber immer weniger Geld damit. So kalkulierte das russische Finanzministerium in den Haushaltsplanungen für 2026 mit einem Preis von 59 Dollar pro Barrel des eigenen Ural-Öls. Zwischen dem 22. und dem 28. Dezember fiel der Preis auf 33 bis 34 Dollar. Gründe hierfür sind das weltweite Überangebot und die internationalen Sanktionen: Putin muss das „schwarze Gold“ vor allem über seine „Schattenflotte“ zu Discount-Preisen nach China oder Indien transportieren. In der Folge ist Russlands Haushaltsdefizit zuletzt auf etwa 4,2 Billionen Rubel (42,7 Milliarden Euro) angewachsen. Ein zusätzliches Etatloch könnte entstehen, wenn Kredite und Investitionen in Milliardenhöhe, die Russland dem Maduro-Regime zur Verfügung gestellt hatte, verloren gehen.

Das heißt: Putin steht weniger Geld für den Ukraine-Krieg, Beamtengehälter und Renten zur Verfügung. Sollte via Trumps Intervention mittelfristig deutlich mehr venezolanisches Öl auf den Weltmarkt kommen, würde das noch mehr auf das russische Budget drücken. Dass sich der Kremlchef dadurch zu mehr Zugeständnissen im Ukraine-Krieg gezwungen sieht, darf aber bezweifelt werden. Er beharrt auf seinen maximalen Kriegszielen und rechnet mit der Opferbereitschaft seiner Bevölkerung. So kippte er sein Versprechen, Steuern nicht vor dem Jahr 2030 zu erhöhen, kurzerhand. Im September erhöhte die russische Regierung die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent.