Wo auch immer sich María Corina Machado derzeit aufhält, sie ist der Macht in ihrer Heimat Venezuela kein Stück näher als vor dem US-Schlag gegen Nicolás Maduro am 3. Januar. Die Politikerin, bisher die sichtbare Figur der Anti-Chavismus-Opposition, wird im Moment in ihrer Heimat nicht gebraucht. Nicht sie, sondern die ehemalige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, und damit eine Vertreterin des bisherigen Regimes, ist jetzt die starke Frau in Caracas. US-Präsident Donald Trump, dem sich Machado immer anbiederte und dem sie ihren Friedensnobelpreis widmete, ließ die 58-Jährige fallen wie die sprichwörtliche heiße Kartoffel.
Bei seiner ersten Pressekonferenz gleich nach dem Sturz Maduros sagte Trump über Machado: „Sie hat weder die Unterstützung noch den Respekt im Land.“ Dabei sei sie ja „eine nette Frau“. Dieser Kommentar war so abschätzig, dass man zunächst dachte, der US-Präsident habe sich versprochen und in Wahrheit Delcy Rodríguez gemeint.
Trump will Machado am Donnerstag in Washington treffen
Jedenfalls war das ein vernichtender Satz von Trump über die Frau, die vor allem im Ausland als die demokratische Lösung für die venezolanische Krise angesehen wird. Schließlich war sie es, die 2024 die Proteste gegen Maduro anführte. Dieser inszenierte im Juli 2024 eine Präsidentenwahl, die er höchstwahrscheinlich manipulierte. Machado durfte ohnehin nicht antreten, und die gespaltene Opposition schickte mit dem Ex-Diplomaten Edmundo González einen Ersatzkandidaten ins Rennen. Der 76-Jährige sitzt nun im Exil in Spanien und scheint kein großes Interesse daran zu haben, im aktuellen institutionellen Chaos in seine Heimat zurückzukehren. Und Machado darf immerhin kommende Woche bei Trump in Washington vorsprechen, wie er in einem Interview sagte.
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Insgesamt müssen sich die Gegner Maduros, die jetzt die Widersacher von Delcy Rodríguez sind, erst einmal wieder sammeln und eine gemeinsame Position entwickeln. Viele befinden sich im Exil, wie Juan Guaidó, der in Miami als Professor lehrt. Er versuchte im Januar 2019 als Letzter, einen Aufstand der Bevölkerung anzuführen, als er sich als Präsident der Nationalversammlung zum wahren Staatschef erklärte. Oder die Radikal-Opposition um Leopoldo López, der Maduro schon 2014 mit Gewalt stürzen wollte. Er sitzt seit 2020 in Spanien. Henrique Capriles, der gemäßigte Maduro-Gegner, ist gerade als einer von 29 Oppositionsabgeordneten in die neue Nationalversammlung eingezogen. Aber Dutzende Oppositionelle sitzen im Knast, einige wurden und werden bei der aktuellen Amnestie seit Donnerstag auf freien Fuß gesetzt.
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Die USA werden nach Trumps Vorstellungen offenbar lange das Sagen haben in Venezuela
In den Tagen nach der überraschenden Zuerkennung des Friedensnobelpreises im Oktober genoss Machado den globalen Ruhm und inszenierte sich in vielen Stellungnahmen bereits als künftige Staatschefin Venezuelas. Im Moment aber ist es eher fraglich, ob sie im weiteren Übergang hin zu einer demokratischen Ordnung in ihrer Heimat eine große Rolle spielt. Trump bekräftigte am Donnerstag noch einmal, dass die USA möglicherweise „für eine lange Zeit“ das Sagen in Venezuela behalten würden.

Bisher meldete sich Machado nach dem Sturz Maduros nur wenig in der Öffentlichkeit. In Trumps Haussender Fox News sagte sie von einem unbekannten Ort aus, sie wolle demnächst wieder nach Hause reisen: „Ich plane, so schnell wie möglich nach Venezuela zurückzukehren.“ „Wir sind überzeugt, dass dieser Übergang weitergehen muss. Wir haben die Wahl 2024 mit überwältigender Mehrheit gewonnen. Bei freien und fairen Wahlen in naher Zukunft werden wir über 90 Prozent der Stimmen erhalten“, behauptete sie. Zudem beschuldigte sie Staatschefin Rodríguez, „eine der Hauptverantwortlichen für Folter, Verfolgung, Korruption und Drogenhandel“ in Venezuela zu sein, und erklärte, die Repression habe sich seit dem Sturz Maduros eher noch einmal verschärft.
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Trump hat kein Interesse an tiefgreifenden politischen Veränderungen
Für die USA ist dieser Vorwurf im Moment zweitrangig. Trump hat kein Interesse an tiefgreifenden politischen Veränderungen. Er setzt auf ein bestehendes Regime, das Militär und Polizei kontrollieren kann. „Washington stellt Stabilität über Demokratie“, sagt Charles Shapiro, der von 2002 bis 2004 unter Präsident George W. Bush als Botschafter in Caracas tätig war. „Sie erhalten das diktatorische Regime ohne Diktator aufrecht. Das ist äußerst riskant.“
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Anders argumentiert Phil Gunson, der in Caracas lebende Analyst der Denkfabrik International Crisis Group. „Die Entscheidung, Rodríguez zu unterstützen, fiel vielmehr nach Warnungen, dass Machados Machtergreifung gefährliche Instabilität hervorrufen könnte.“ Seine Organisation habe die Regierung in Washington bereits im Oktober davor gewarnt, einen Regimewechsel anzustreben. Das werde nicht funktionieren. „Wir vermuteten, dass es zu gewalttätigem Chaos kommen könnte. Und dann hätte Washington dafür die Verantwortung tragen müssen,“ so Gunson.

Für den Historiker Alan McPherson von der Temple-Universität in den USA ist auffällig, dass in Trumps Äußerungen im Anschluss an Maduros Festnahme kein einziges Mal das Wort „Demokratie“ oder „Wahlen“, aber oft das Wort „Öl“ gefallen sei. Es sei höchst ungewöhnlich, dass die US-Regierung bei einer solchen Intervention nicht zumindest eine symbolische Geste in Richtung der Wiederherstellung einer demokratischen Ordnung mache, sagt der Direktor des Zentrums für die Erforschung von Gewalt und Diplomatie. All das zeigt, dass hinter Trumps Streben vor allem imperiale und ökonomische Absichten stecken.







