Als Donald Trump nach 20 Minuten dröhnender Selbstbeweihräucherung für das Premieren-Jahr seiner zweiten Amtszeit in Washington zum ersten Mal das Wort erwähnte, auf das alle im Kongresszentrum von Davos gewartet hatten, ging ein gequältes Lachen durch den pickepackevollen Saal. 

Der US-Präsident unkte, er habe zunächst vorgehabt, Grönland in seiner Rede auszulassen – aber dann gedacht, dass ihm das negativ ausgelegt werden könnte. Aus dem kurzen Humor-Anflug im Publikum des Weltwirtschaftsforums wurde wenig später eine Mischung aus Kinnladenrunter-Verblüffung und vorsichtiger Erleichterung, als der 79-jährige Rechtspopulist nach Wochen mit teils martialisch anderslautenden Andeutungen erklärte, dass er seinen Plan, „das gigantische Stück Eis” zu übernehmen, nicht mit militärischer Gewalt durchsetzen werde. 

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Wörtlich klang die Passage, die weltweit Eilmeldungen auslöste, so: „Wir werden wahrscheinlich nichts erreichen, es sei denn, ich entscheide mich für übermäßige Stärke und Gewalt, wo wir, offen gesagt, nicht zu stoppen wären. Aber das werde ich nicht tun. Das ist wahrscheinlich die wichtigste Aussage, denn die Leute dachten, ich würde Gewalt anwenden. Ich muss keine Gewalt anwenden. Ich will keine Gewalt anwenden. Ich werde keine Gewalt anwenden. Alles, was die Vereinigten Staaten wollen, ist ein Ort namens Grönland.“

Davos: Trumps kryptische Anmerkungen

Trump leitete seinen, den amerikanischen Anspruch auf Grönland aus einem höchst umstrittenen Befund ab: Dänemark, Schutzmacht Grönlands, sei niemals in der Lage, die Arktis-Insel zu verteidigen, die „unverteidigt an einem wichtigen strategischen Ort zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und China“ liege. Weil das Eiland ein „zentrales nationales Sicherheitsinteresse“ für Amerika darstelle, strebe er „sofortige Verhandlungen“ an, um den Kauf Grönlands durch die USA zu besprechen. Aus Sicherheits-Erwägungen, keinesfalls wegen der dort tief im Eis verborgenen „Seltenerden“-Mineralien wolle er die Insel haben. „Kalt und ungünstig gelegen, kann es eine wichtige Rolle für den Weltfrieden und den Schutz der Welt spielen“, sagte Trump. „Das ist eine ganz kleine Bitte.“

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Auf den bekannten Sachstand – weder Grönland noch Dänemark wollen über einen Verkauf der Insel an die USA verhandeln – ging Trump nicht ein. Wie so oft beim 47. Präsidenten erweckten kryptische Anmerkungen im weiteren Verlauf seiner Rede den Eindruck, dass eine militärische Lösung doch nicht hundertprozentig vom Tisch sein könnte. Trump sagte den europäischen Staats- und Regierungschefs im Publikum, die sich seit Tagen auf die Gegenspur zu ihm begeben, sie könnten zu Grönland Ja sagen, und Amerika wäre ihnen dankbar. Oder sie könnten Nein sagen, und „wir werden uns daran erinnern“. Was genau heißt das?

Donald Trump wettert gegen das Nobelkomitee

Ähnliches Stirnrunzeln war zuvor die Folge, als Trumps in Richtung Zuhörer erklärte, dass ohne die Bemühungen der USA im Zweiten Weltkrieg „sie alle Deutsch und ein wenig Japanisch sprechen würden”. Trump argumentierte, dass Deutschland im Zweiten Weltkrieg in Dänemark einmarschiert sei und die USA Grönland verteidigen mussten, es dann aber zurückgegeben hätten. Trump nannte Amerika wegen dieser Entscheidung „dumm“ und Dänemark „undankbar“.

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Mit der Verzichtserklärung auf eine gewalttätige Einnahme Grönlands war nach den grundstürzenden Drohgebärden der vergangenen Tage „nicht zu rechnen”, sagten Teilnehmer in ersten vorsichtigen Stellungnahmen. Noch vor dem Abflug in Schweiz am Dienstagabend, der wegen eines technischen Schadens in der Air Force One zu einem ungeplanten Flugzeugwechsel führte, hatte Trump massiv gegen die Europäer geledert und bekräftigt, dass Grönland definitiv in amerikanischen Besitz gelangen müsse.

In einem 80-minütigen Monolog über seine angeblichen historisch einmaligen Erfolge bei der Stärkung der amerikanischen Wirtschaft erneuerte Trump die Kausalkette, wonach sein Drängen auf kompromisslose Übernahme Grönlands damit zusammenhänge, dass Norwegen ihm den Friedensnobelpreis verwehrt habe. Dass der Preis vom unabhängigen norwegischen Nobel-Institut vergeben wird, ließ der 79-Jährige, der mental einmal mehr einen sehr erschöpften Eindruck hinterließ, nicht gelten. „Lasst euch von niemandem einreden, dass Norwegen nicht das Sagen hat, okay? Es ist in Norwegen!“ Dass die Regierung in Oslo beteuert, keinen Einfluss auf die Preisvergabe zu haben, sei „ein Witz”. Für Trump hat das reichste Land Skandinaviens „so viel Ansehen verloren“.

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Grönland, Trump und die AfD
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Dass Trump einen Militäreinsatz gegen ein Nato-Mitgliedsland (Dänemark) nicht frühzeitig kategorisch ausgeschlossen hatte, um Grönland unter amerikanische Kontrolle zu bekommen, hatte in Europa Entsetzen und Empörung ausgelöst. Der belgische Premierminister Bart de Wever sagte: „Ein glücklicher Vasall zu sein, ist eine Sache. Ein unglücklicher Sklave zu sein, ist was anderes.“ Die EU-Kommission wurde aufgefordert, aktiv darüber nachzudenken, wie sie mit starken Handelsinstrumenten zurückschlagen könnte, falls Trump seine Ankündigung von zehn Prozent Extra-Strafzoll für „Dänemark-Freunde” ab 1. Februar realisieren würde. Dass er seiner Drohung vorerst keine Taten folgen lässt, gab der US-Präsident dann überraschend am Abend bekannt: Auf seiner Plattform Truth Social tauchte plötzlich eine Nachricht auf: Er habe sich mit Nato-Generalsekretär Rutte über ein Rahmenabkommen in der Grönlandfrage verständigt. Demnach wolle er die angekündigten Strafzölle gegen die Europäer vorerst doch nicht verhängen. Details über den Gesprächsinhalt mit dem Nato-Chef blieben zunächst unklar.

Trump beleidigte Länder wie die Schweiz und Kanada

Trumps vage Drohungen über eine territoriale Expansion und seine Warnungen vor neuen Zöllen gegen europäische Länder, die sich seiner Gier nach Grönland in den Weg stellen, hatten die Beziehungen zu seinen Amtskollegen auf einen neuen Tiefpunkt gebracht - und die Frage aufgeworfen, ob es nach fast 80 Jahren zum Bruch des transatlantischen Bündnisses der Nato kommen würde.

Nach der Rede äußerten viele Teilnehmer Verunsicherung über die „Belastbarkeit der Aussagen des Präsidenten”. Die Skepsis knüpfte daran an, dass Finanzminister Scott Bessent und Trumps hemdsärmelig redender Wirtschaftsminister Howard Lutnick zuvor für Eintrübungen gesorgt hatten. Bessent rief die in Davos versammelten Staatenlenker dazu auf, ruhig zu bleiben und sich nicht gegen die USA zu stellen. Dänemark, Schutzmacht Grönlands, nannte er abschätzig „irrelevant“. Lutnick sorgte bei einem VIP-Dinner, bei dem er Europas Energiepolitik und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit aufs Korn nahm, für Buhrufe und kleinere Tumulte. Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, verließ sogar den Saal.

Auch Trump, der immer wieder betonte, wie sehr er Dänemark und Grönland liebe und an einer gedeihlichen Entwicklung Europas interessiert sei, lieferte jede Menge Fragezeichen. Er beleidigte Länder wie die Schweiz und Kanada, die nach seinen Worten nur lebten und gut seien, weil es Amerika gebe. Auch seine Breitseite, als er der Nato unterstellte, im Falle eines Falles nicht an die Seite Amerikas zu treten, löste Kopfschütteln im Saal aus. Am Ende bilanzierte ein europäischer Diplomat die Kernaussage Trumps eines mit Spannung erwarteten Nachmittags so: „Gebt mir Grönland, oder ich werde euch mit Zöllen in den Ruin treiben – auch wenn ich keine Truppen schicken werde, um die Insel zu erobern.”