Der Präsident des Reservistenverbandes, Bastian Ernst, fordert eine deutliche Anhebung der Altersgrenze für Reservisten, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. „Wir sollten die Altersgrenze für Reservisten von 65 auf 70 Jahre erhöhen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er verwies darauf, dass ja auch das Renteneintrittsalter steige.

„Die Leute bleiben länger fit. Wir sollten diese Ressourcen von Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung nicht verschwenden“, so Ernst. „Und wenn wir auf Seite der Jungen ein Nachwuchsproblem beklagen, dann sollten wir an der anderen Seite der Alterspyramide ebenfalls nachbessern.“

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Pistorius stellt deutsche Militärstrategie vor

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will am morgigen Mittwoch (22. April) die deutsche Militärstrategie sowie das neue Fähigkeitsprofil der Bundeswehr vorstellen. Die erste Militärstrategie beschreibt, wie Deutschland Bedrohungen begegnen wird – und die Bundeswehr ihrem Personalproblem.

Reservisten der Bundeswehr sind bislang nicht verpflichtet, an Wehrübungen teilzunehmen. Sie müssen ebenso wie ihre Arbeitgeber ihre Zustimmung zu einer Wehrübung geben. An diesem Freiwilligkeitsprinzip gibt es schon länger Kritik.

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Ernst zu Wehrübungen: Arbeitgeber „sollten kein Einspruchsrecht haben“

Ernst plädiert dafür, das Prinzip der Freiwilligkeit auf Seiten der Arbeitgeber aufzuheben: „Sie sollten kein Einspruchsrecht haben, wenn Reservisten zu Übungen eingezogen werden sollen.“ So könnten Übungen von jährlich bis sechs Wochen ermöglicht werden, sagte Ernst gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

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Angesichts fast einer Million potenzieller Reservisten in Deutschland sieht er in dem Modell einen entscheidenden Beitrag zur nationalen Sicherheit, von dem langfristig auch die Unternehmen profitierten. Die Reservisten selbst sollen in Friedenszeiten aber nicht zum Dienst gezwungen werden, betonte Ernst.

Bundeswehr soll auf 260.000 Soldaten und 200.000 Reservisten anwachsen

Nach derzeitigen Plänen soll die Bundeswehr bis 2035 um 80.000 auf mindestens 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten anwachsen. Außerdem sollen 200.000 Reservisten bereitstehen. Diese Reserve soll wesentlich aus den Männern und Frauen aufgebaut werden, die den neuen Wehrdienst leisten, für den seit Jahresbeginn die gesetzlichen Grundlagen da sind. Sie sehen die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008 vor.

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Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Oberst André Wüstner, geht aktuell davon aus, dass in spätestens zwei Jahren auch die Debatte um einen verpflichtenden Wehrdienst wieder aufkommen wird, um den Personalbedarf der Bundeswehr zu decken.

Zahl der Reservisten ist derzeit unklar: „Aufgabe der neuen Wehrerfassung“

Wie viele Reservisten es aktuell gibt, ist laut Bastian Ernst derzeit unklar. Bekannt sei, dass acht bis neun Millionen Menschen bei der Bundeswehr gedient hätten und rund 60.000 Reservisten beordert werden könnten, also von der Bundeswehr fest eingeplant und damit schnell verfügbar seien.

Der Reservistenverband habe etwa 110.000 Mitglieder. „Aufgabe der neuen Wehrerfassung wird es jetzt sein, die Zahl genau zu erfassen.“ Der 39 Jahre alte Ernst aus dem niedersächsischen Delmenhorst ist im April zum neuen und bislang jüngsten Präsidenten des Reservistenverbandes gewählt worden.

awe/dpa