Es ist eine verzweifelte Kampfansage an das Mullah-Regime. Und eine dringende Mahnung an die Bundesregierung, endlich beim Sturz der Teheraner Regierung zu helfen: „Das Regime war noch nie so schwach wie jetzt“, sagt der Sohn des letzten iranischen Schahs, Reza Pahlavi, am Donnerstag bei einem Besuch in Berlin. Es gebe die einmalige Gelegenheit, der Mullah-Herrschaft „ein Ende zu setzen“. Der 65-Jährige drängt die Regierungen Europas, auch die deutsche, zu einem Kurswechsel: „Wenn Sie glauben, Sie könnten mit diesem Regime Frieden schließen, irren Sie sich gewaltig.“
Pahlavi kämpft den Kampf seines Lebens. Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs lebt seit Jahrzehnten im Exil in den USA – jetzt hat er die Hoffnung, dass er das verhasste Regime doch noch stürzen kann. Aber Pahlavi hat in Teheran einen brutalen Gegenspieler: Ahmad Vahidi. Seit März führt der 67-Jährige die Revolutionsgarden (IRGC), nachdem zwei Vorgänger getötet wurden. US-Geheimdienste beschreiben den Mann, der im Iran-Irak-Krieg kämpfte, die berüchtigten Kuds-Brigaden führte, Verteidigungsminister war und an der Niederschlagung innerer Unruhen mitwirkte, als den zurzeit einflussreichsten Strippenzieher im Schattenreich zwischen Militär und Mullahs. Vahidi ist kein Volkstribun. Er ist kein Prediger. Er ist ein Offizier des Systems.
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Schah-Sohn Reza Pahlavi: Hoffnungsträger oder nächster Autokrat?
Für Pahlavi ist er ein Peiniger der übelsten Sorte: „Die Welt darf nicht zuschauen, wie das Regime die Bürger im Iran unterdrückt“, fordert der Schah-Sohn, als er sich in der Bundespressekonferenz in Berlin an die deutsche Öffentlichkeit wendet. 40.000 Menschen im Iran seien bei den jüngsten Protesten von den Unterdrückern „abgeschlachtet“ worden, doch der Kampf gehe weiter. Pahlavi wirbt derzeit auf Europareise um Unterstützung für den Freiheitskampf der Iraner. Sein Credo: Er wolle die einende nationale Figur sein, er führe den Dialog mit den verschiedenen Teilen der Opposition. „Ich bin überzeugt, dass er eine Person sein kann, die einen Übergang leitet“, sagt der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet, der Pahlavi später zusammen mit anderen Bundestagsabgeordneten zum Gespräch trifft. Falls das Regime stürze, dann könnten sich „viele auf ihn verständigen“.
Das Problem: Die iranische Opposition ist tief gespalten, Pahlavi wird nur von einem Teil unterstützt. Im Januar, während der breiten Proteste gegen das Mullah-Regime, schien es, als könne er als Symbolfigur die Opposition tatsächlich zu einem Umsturz befeuern. Doch dann schlug das Regime die Proteste mit gnadenloser Härte nieder – jetzt ist Pahlavi umstritten wie zuvor. Kritiker werfen dem Schah-Sohn vor, er habe sich nie von der blutigen Herrschaft seines Vaters distanziert, der sich mithilfe einer brutalen Geheimpolizei an der Macht hielt. Die Befürchtung, dass ein „System Pahlavi“ lediglich die alte Autokratie durch eine neue ersetzen würde, wird durch radikale Monarchisten genährt.

Der Riss spiegelt sich auch in Berlin wider: Vor seinem Besuch warnten zahlreiche deutsch-iranische Gemeinschaften, ein Empfang für Pahlavi untergrabe die echten demokratischen Bestrebungen des iranischen Volkes. Während Pahlavi in Berlin auftritt, demonstrieren im Regierungsviertel erst Exil-Iraner gegen das Mullah-Regime und für die Unterstützung des Schah-Sohns, später versammeln sich regimetreue Gegner Pahlavis zur Gegenkundgebung. Nach einem Pressetermin wurde Pahlavi von einem jungen Mann mit einer roten Flüssigkeit bespritzt und an Hals und Schulter beschmiert. Polizisten nahmen den Täter fest. Die Bundesregierung lehnt ein Gespräch mit dem Exil-Iraner ab, er sei ja nur als Privatmann in Berlin. Die Regierung versucht derzeit, die bestehenden Kontakte mit den Machthabern in Teheran zu beleben, um die Friedensbemühungen zu unterstützen. Ein Ende des Krieges, nicht ein Regimewechsel, hat für Berlin Priorität.
Ahmad Vahidi: Mit mörderischer Vergangenheit an die Spitze der Revolutionsgarden
Aber ob Teheran ein Friedensabkommen schließt, dürfte maßgeblich auch von Vahidi abhängen, weniger von Außenminister Abbas Araghtschi oder Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf. Vahidi ist ein Verfechter der Ideologie „Tod für Amerika“. Analysten bringen ihn mit einigen der tödlichsten Anschläge in Verbindung, die von iranisch unterstützten Netzwerken in den vergangenen 40 Jahren weltweit verübt wurden. Das US-Finanzministerium sanktionierte ihn ebenso wie die EU, Interpol hält seit 2007 eine weltweite Fahndungsbitte (red notice) gegen ihn aufrecht, wegen der mutmaßlichen Beteiligung an einem Bombenanschlag in Buenos Aires, bei dem 85 Menschen getötet wurden.
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Teheran bestreitet jede Beteiligung. „Ahmad Vahidi ist die Verkörperung des militantesten Flügels der Islamischen Republik“, sagte die Analystin Lisa Daftari im US-Fernsehen. „Jemanden mit einer derart blutigen und mörderischen Vergangenheit an die Spitze des Korps der Islamischen Revolutionsgarden zu setzen, bestätigt, dass das Regime sich unter Druck nicht mäßigt.” Im Gegenteil, fügte Daftari hinzu, „es setzt noch stärker auf Männer, deren Karrieren auf Geiselnahmen, Attentaten und innerer Unterdrückung beruhen.” Sein Aufstieg sei der Beleg, dass jetzt die Kriegsmaschinerie Teherans das Sagen hat. Vahidi steht für die neue Tektonik der Macht in Teheran. Nach den Tötungen an der Spitze des Regimes haben die Revolutionsgarden ihren Griff auf die Kriegs- und Sicherheitsentscheidungen verstärkt. Der Iran-Experte Ali Vaez: „Die Revolutionsgarden sind nun der Staat.” Sie haben das Vetorecht.
Pahlavi: „Je früher dieses Regime verschwunden ist, desto eher wird auch der Konflikt enden“
Das wird in den Verhandlungen mit den USA immer spürbarer. Nach Einschätzung des renommierten Institute for the Study of War (ISW) in Washington steht Vahidi in einem offenen Machtkampf mit Parlamentspräsident Ghalibaf und anderen Funktionären, die Diplomatie zumindest als Instrument offenhalten wollen. Er soll auch der einzige Funktionär mit direktem Zugang zum neuen Obersten Führer Mojtaba Khamenei sein, der bei dem tödlichen Anschlag auf seinen Vater Ali Khamenei zu Beginn des Krieges schwer verletzt wurde. Würde ein Mann wie er ein Friedensabkommen mit Trump mittragen? Der „Iran Primer” zitiert ihn mit dem Satz, Verhandlungen mit den Amerikanern seien „immer ein falscher Schritt“; speziell unter Trump seien sie „irrational und unmöglich“. Wenn Vahidi einem Arrangement zustimmt, „dann am ehesten einer militärisch nützlichen Atempause“, sagen Iran-Insider in Washington.

Deshalb ist Vahidi die eigentliche Hardliner-Hürde. Er verkörpert den Übergang von der alten Islamischen Republik, in der Klerus, Sicherheitsapparate und Politik noch austariert wurden, zu einer Kriegsordnung, in der die Revolutionsgarden das letzte Wort beanspruchen. Er muss keinen Deal verhindern, um ihn zu entwerten. Es reicht, wenn er ihn verengt: auf einen Waffenstillstand, eine technische Pause, eine vorläufige Formel. Schah-Sohn Pahlavi warnt: Verhandlungen mit den Überresten dieses Regimes seien keine Lösung – die gebe es nur, indem dem iranischen Volk beim Umsturz geholfen werde. „Je früher dieses Regime verschwunden ist“, sagt Pahlavi, „desto eher wird auch der Konflikt enden.“




