Zusammenfassung

  • In zwölf Bundesländern liefen am frühen Morgen Durchsuchungen bei mutmaßlichen Rechtsextremisten.
  • Einsätze gab es laut Bundesanwaltschaft auch in acht NRW-Städten und -Kreisen.
  • Im Fokus stehen die kriminellen Vereinigungen „Jung und Stark“ sowie „Deutsche Jugend voran“.

Gut eine Woche nach der Großrazzia gegen die Hells Angels gab es erneut einen größeren Polizeieinsatz in Nordrhein-Westfalen: Am frühen Mittwochmorgen liefen in mehreren Städten Durchsuchungen bei mutmaßlichen Rechtsextremisten. Es gebe neun Beschuldigte, hieß es aus Sicherheitskreisen. Sie seien alle deutsche Staatsbürger. Einer der Beschuldigten sei wegen einer anderen Angelegenheit bereits zuvor in Untersuchungshaft gekommen. 

Die Maßnahmen in landesweit acht Städten und Kreisen richteten sich den Angaben zufolge gegen die Gruppe „Jung und Stark“. Einsätze gab es laut Bundesanwaltschaft in Bochum, Duisburg, Essen, Mülheim, Oberhausen sowie im Hochsauerlandkreis und in den Kreisen Mettmann und Minden-Lübbecke. Insgesamt wurden offenbar neun Objekte durchsucht.

Razzia gegen mutmaßliche Rechtsextremisten: Durchsuchungen in zwölf Bundesländern

Daneben liefen Durchsuchungen in elf weiteren Bundesländern. Über 600 Polizeikräfte des Bundes und der beteiligten Länder waren im Einsatz. Die Maßnahmen richten sich bundesweit gegen insgesamt 36 Beschuldigte. Ihnen werde die Bildung oder Mitgliedschaft in den kriminellen Vereinigungen „Jung und Stark“ sowie „Deutsche Jugend voran“ vorgeworfen, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

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Es bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten herausgehobene Mitglieder der beiden Gruppierungen seien, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Den meisten Beschuldigten werde Rädelsführerschaft zur Last gelegt. Gegen acht Beschuldigte werde auch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Festnahmen gab es den Angaben zufolge nicht. „Die heutigen Durchsuchungen dienen dazu, die bestehenden Verdachtsmomente aufzuklären“, so die Sprecherin der Generalbundesanwalt.

Beschuldigte rufen zu Gewalttaten gegen politische Gegner auf

Die Gruppen existieren nach Angaben der Bundesanwaltschaft seit Mitte 2024, sie seien bundesweit organisiert und hätten in den Ländern Regionalgruppen. „Deutsche Jugend voran“ trete bisweilen unter dem Namen „Neue Deutsche Welle“ auf. Die Mitglieder vernetzten sich sowohl über soziale Medien als auch bei regelmäßigen Treffen. Dabei werde zu Gewalttaten gegen politische Gegner sowie gegen vermeintlich Pädophile aufgerufen. 

„Einige Beschuldigte sollen dementsprechend Angehörige der linken Szene oder Personen angegriffen haben, die sie für pädophil hielten. Die Opfer wurden jeweils von mehreren Angreifern geschlagen und trugen nicht unerhebliche Verletzungen davon“, hieß es.

Diese Gruppen haben gezielt Jugendliche ins Visier genommen. Das ist der gezielte Angriff auf die Zukunft unserer Gesellschaft.

NRW-Innenminister Herbert Reul

„Diese Gruppen haben gezielt Jugendliche ins Visier genommen - über soziale Medien, mit einfachen Feindbildern und radikaler Propaganda“, erklärte NRW-Innenminister Herbert Reul am Mittwoch. „Das ist der gezielte Angriff auf die Zukunft unserer Gesellschaft. Wir setzen dem heute ein deutliches Zeichen entgegen.“

BKA: Neue rechte Jugendgruppen treten vermehrt in Erscheinung

Seit 2024 häufen sich die Gewalttaten von teils sehr jungen Neonazis, etwa bei Angriffen auf Paraden zum Christopher Street Day, der den Rechten von lesbischen, schwulen und anderen queeren Menschen gewidmet ist. Das Bundeskriminalamt (BKA) erklärte Mitte 2025: „Die Polizeibehörden aus Bund und Ländern beobachten seit etwa Mitte vergangenen Jahres, dass in der rechten Szene neue Jugendgruppen in Erscheinung getreten sind, die sich zunächst im virtuellen Raum gegründet haben.“ Diese träten inzwischen vermehrt durch Veranstaltungen, Störaktionen und Straftaten in Erscheinung.

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Die größte dieser Gruppen war damals nach Angaben aus Sicherheitskreisen „Jung und Stark“ mit einer Anhängerzahl im mittleren dreistelligen Bereich. Auch die Gruppe „Deutsche Jugend voran“ ist im Visier der Ermittler. Schätzungsweise mehr als hundert Menschen fühlen sich demnach dieser Gruppe zugehörig. Weitere relevante Vereinigungen seien „Der Störtrupp“ sowie die Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“. Mutmaßliche Angehörige der „Letzten Verteidigungswelle“ stehen aktuell in Hamburg wegen mehrerer Gewalttaten vor Gericht.

Hubig besorgt über Zulauf zu militanten Rechtsextremisten

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig zeigte sich am Tag der Durchsuchungen besorgt: „Die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes lassen keinen Zweifel daran, dass wir die Bedrohung durch Rechtsextremismus sehr ernst nehmen müssen“, erklärte die SPD-Politikerin am Mittwoch in Berlin. 

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„Militante rechtsextreme Gruppen haben Zulauf – erschütternderweise gerade auch unter jungen Menschen“, fügte sie hinzu. „Ihre Aktionen richten sich gegen alle Menschen, die sie in ihrem rechtsextremen Weltbild als Feinde identifiziert haben - und zugleich gegen unsere Demokratie. Rechtsextremismus ist die größte Gefahr, die Deutschland von innen droht.“ (dpa/red/korfi)