Nach den heftigen Meinungsverschiedenheiten zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. aufgrund des Iran-Kriegs stehen die Zeichen zwischen Washington und dem Heiligen Stuhl vorerst wieder auf Entspannung. US-Außenminister Marco Rubio besuchte den Papst am Donnerstag (7. Mai) im Vatikan. Italienische Medien stellten den Besuch des US-Außenministers als „Tauwetter“-Diplomatie dar. Rubio ist Sohn kubanischer Einwanderer und, anders als Trump, selbst Katholik.

Der Konvoi Rubios fuhr nach dem Eintreffen am Vormittag über die zentrale römische Prachtstraße Via della Conciliazione. Es herrschten strenge Sicherheitsvorkehrungen, ein Großteil des Geländes rund um den Petersplatz wurde abgeriegelt, Hubschrauber überflogen das Areal. Es handelte sich um das erste Treffen zwischen Papst Leo XIV. und einem Mitglied des Kabinetts von US‑Präsident Trump seit fast einem Jahr.

Marco Rubio beim Papst: Treffen im Vatikan dauerte nur eine halbe Stunde

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Das nicht öffentliche Gespräch zwischen Leo und Rubio, der zugleich Trumps nationaler Sicherheitsberater ist, dauerte etwa eine halbe Stunde. Anschließend wurde Rubio vom vatikanischen Chefdiplomaten, Kardinal Pietro Parolin, empfangen. Insgesamt rund zweieinhalb Stunden verbrachte der US-Außenminister im Vatikan.

Leo, der am Freitag sein erstes Jahr an der Spitze der katholischen Kirche vollendet, ist der erste Papst aus den USA. Er hatte den Unmut Trumps auf sich gezogen, nachdem er sich als entschiedener Kritiker des US-israelischen Kriegs gegen den Iran sowie der harten Einwanderungspolitik der Trump-Regierung positioniert hatte. Der Präsident setzte seine beispiellosen öffentlichen Angriffe auf den Papst in den vergangenen Wochen fort und löste damit Kritik christlicher Führungspersönlichkeiten aus dem gesamten politischen Spektrum aus.

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Papst kontert Trump: „Kirche seit Jahren gegen alle Atomwaffen“

Am Montag hatte Trump behauptet, der Papst halte es für akzeptabel, wenn der Iran Atomwaffen erhalte. Zudem sagte er, Leo „gefährde viele Katholiken“, weil er sich gegen den Krieg ausspreche. Leo erklärte Journalisten nach dem jüngsten Angriff, er verbreite lediglich die christliche Friedensbotschaft. Zugleich wies der Papst entschieden die Vorstellung zurück, er unterstütze Atomwaffen, die nach der Lehre der katholischen Kirche unmoralisch seien. „Die Mission der Kirche ist es, das Evangelium zu verkünden, Frieden zu predigen. Die Kirche hat sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen ausgesprochen, daran besteht kein Zweifel“, sagte der Papst.

Als Rubio am Donnerstag im Vatikan eintraf, verließ der polnische Ministerpräsident Donald Tusk gerade ein Treffen mit Leo. Tusk sagte Journalisten, er habe mit dem Papst darüber gesprochen, wie internationale Zusammenarbeit gestärkt und Hoffnung in der Welt geschaffen werden könne. „Es ist noch immer möglich, dass die Welt nicht im Chaos versinkt, wenn gute Menschen, Menschen guten Willens, zusammenfinden und geeint handeln“, sagte Tusk auf Polnisch.

Möglicher Trump-Nachfolger

Papst Leo hat sich in den vergangenen Wochen auf der Weltbühne zunehmend deutlicher geäußert. Während einer Afrikareise durch vier Länder im vergangenen Monat kritisierte er scharf die Entwicklung der globalen Führung und sagte, die Welt werde „von einer Handvoll Tyrannen verwüstet“. Später erklärte er allerdings, die Bemerkung habe sich nicht direkt gegen Trump gerichtet.

Rubio bleibt für zwei Tage in Rom. Am Freitag will er Ministerpräsidentin Giorgia Meloni treffen, die den Papst gegen Trump verteidigt hatte. Auch Melonis Verteidigungsminister Guido Crosetto hatte erklärt, der Krieg gegen den Iran gefährde die Führungsrolle der USA. Linksparteien und Studentenbewegungen protestierten am vergangenen Freitag in Rom gegen Trumps Angriffe gegen den Papst. „Wir sagen mit Nachdruck: Schluss mit dem Krieg, Schluss mit den Waffen, um dem Planeten eine Perspektive des Friedens zu geben“, sagte der Chef der linksgrünen Gruppierung AVS, Angelo Bonelli.