Der Judenhass nimmt in NRW zu, und das ist eine beängstigende und abscheuliche Entwicklung. 786 antisemitische Straftaten in einem Jahr, das sind zwei pro Tag. Jüdinnen und Juden erleiden körperliche Übergriffe, werden mit Schmierereien konfrontiert, erleben Anfeindungen, spüren feindselige Blicke, wenn sie Hebräisch sprechen.
Nicht alles, was ihnen widerfährt, wird in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik erfasst. Der Anstieg der Zahlen wird von den Konflikten in Nahost getriggert.
Der Antisemitismus wird von Rechten in die Gesellschaft getragen, die das Grauen der Shoa relativieren, von Linken, die Israel das Existenzrecht absprechen, von Islamistinnen und Islamisten, die alle Jüdinnen und Juden für das Leid der Menschen in Gaza und im Libanon verantwortlich machen und dabei ausblenden, dass die aktuellen Konflikte dort mit dem Terror-Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 begannen.

Natürlich kann und muss man die Kriegs- und Besatzungspolitik der rechten israelischen Regierung kritisieren oder die Gewalt von Siedlerinnen und Siedlern im Westjordanland. Genau das machen viele Jüdinnen und Juden auch.
Der wuchernde Antisemitismus hält sich jedoch nicht mit politischer Kritik auf. Er zielt auf das gesamte Judentum, verbreitet das Gift zischelnder Verschwörungstheorien und macht das Leben für Jüdinnen und Juden in Deutschland immer schwieriger.
Wenn jüdische Gemeinden berichten, viele ihrer Mitglieder säßen auf gepackten Koffern, muss das ein Warnsignal für die gesamte Gesellschaft sein. Jüdisches Leben gehört zu Deutschland. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sich schützend vor Jüdinnen und Juden zu stellen, wenn sie bedroht werden. Deutschland darf nicht noch einmal versagen.


