Zusammenfassung
- ADHS-Betroffene vergessen oft eine wichtige „Tagesaufgabe“
- Doch warum passiert das eigentlich? Und wie gefährlich kann es werden?
- Ein Arzt klärt auf und verrät einfache Strategien und Tipps
Menschen mit ADHS kennen es gewiss: Sie sind durstig, schenken sich ein Glas Wasser ein – und werden dann abgelenkt. Vom Fernseher, dem Kind, einem Kollegen oder den eigenen Gedanken. Dabei ist es für Betroffene von ADHS besonders wichtig, Wasser zu trinken. Psychiater Thilo Palloks erklärt, warum, und gibt Tipps, mit denen es in Zukunft besser klappen könnte.
ADHS-Betroffene: Deshalb vergessen sie häufig das Trinken
In seiner Praxis in München behandelt er Menschen mit ADHS und ADS. Schätzungen zufolge leiden rund zwei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sowie rund fünf Prozent der Erwachsenen an der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS). Meist machen sich die Störungsbilder schon bei Kindern bemerkbar. Doch in den vergangenen Jahren rückt auch die Diagnose von ADHS und ADS bei Erwachsenen immer stärker in den Fokus.
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Die Hauptsymptome von ADHS sind Impulsivität, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität. Bei ADS fallen die impulsiven und hyperaktiven Neigungen weg. Eins bleibt: die Unaufmerksamkeit. Sowohl Menschen mit ADHS als auch mit ADS fällt es häufig schwer, aufmerksam zu sein – ein Grund, warum vermeintlich wichtigere Impulse das Wassertrinken oft in den Hintergrund drängen.
Wassermangel: Kindern mit ADHS droht besondere Gefahr
Bei Psychiater Thilo Palloks werden besonders Kinder und Jugendliche mit ADHS und ADS vorstellig. Gerade ihnen könne es schwerfallen, regelmäßig Wasser zu trinken: „Kinder sind lustbetont, sie suchen oft eine schnelle Befriedigung“, sagt der Experte. Für Kinder mit ADHS gelte das erst recht. Eine lustbetonte Handlung – etwa das Spielen mit Freunden oder ein zuckriges Getränk anstelle von Wasser – lasse den Dopaminspiegel schneller in die Höhe schnellen. Kindern mit ADHS mangelt es an Dopamin, einem sogenannten Botenstoff oder Neurotransmitter, der Signale an Nervenzellen weiterleitet. Bekannt ist er als „Botenstoff des Glücks“.

Wasser stehe oft nicht an erster Stelle, dabei sei es „für alle Stoffwechselvorgänge des Körpers extrem wichtig“, so der Experte. Trinken wir zu wenig, wird unser Blut dicker, der Blutfluss verschlechtert sich und die Sauerstoffversorgung im Gehirn nimmt ab. So können die Stimmung, Konzentration, Wachheit, Reaktionsfähigkeit und Leistungsfähigkeit abnehmen – und damit just die Symptome verstärken, mit denen ADHS-Kinder ohnehin zu kämpfen haben.
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Hinzu komme, dass Betroffene ihren Körper häufig weniger stark spürten. Das liege daran, dass ihren Gehirnen ein Filter fehle. Verglichen mit Gleichaltrigen hätten sie unruhige, reizoffene Gehirne, erklärt Thilo Palloks. Jeder Gedanke und jedes Gefühl komme ungefiltert durch – „da fällt das Durstgefühl schon mal hinten rüber“.
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Arzt rät ADHS-Betroffenen: Trinken als „Tagesaufgabe“ sehen
So lautet sein Rat: Menschen mit ADHS sollten sich – ebenso wie Betroffene anderer Störungsbilder, etwa Depressionen, Ängsten oder Zwängen – eine gesunde Lebensweise angewöhnen. „Eine gesunde Ernährung und gute Flüssigkeitszufuhr verbessern die allgemeine Organfunktion, auch die des Gehirns“, sagt der Psychiater. Menschen mit ADHS und anderen, die dazu tendieren, das Wassertrinken zu vergessen, rät er zu kleinen Tricks.

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So könne man etwa zu jeder Stunde ein Glas Wasser trinken und sich zur Erinnerung einen Wecker stellen. Alternativ könnten sich Betroffene am Morgen zwei Flaschen mit je einem Liter abfüllen. Das sei dann die Menge, die sie über den Tag verteilt trinken sollten: „So haben sie die Tagesaufgabe optisch vor Augen.“
Dieser Artikel erschien erstmals im April 2025.












