Abnehmspritzen wie Ozempic, Mounjaro oder Wegovy erleben derzeit einen regelrechten Hype. Ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, werden sie mittlerweile von vielen gezielt zur Gewichtsabnahme eingesetzt. Sie hemmen den Appetit, fördern ein schnelleres Sättigungsgefühl – und könnten laut einer neuen Studie sogar den Geschmackssinn verändern. Doch wie erklären sich Wissenschaftler diese Beobachtung?
Veränderte Geschmackssinne und unangenehme Nebenwirkungen
In einer internationalen Studie der Universität Bayreuth führten Forscherinnen und Forscher aus Deutschland und Österreich eine Online-Umfrage durch, um herauszufinden, ob sich das Geschmacksempfinden von Menschen durch die Verwendung von Abnehmspritzen verändert. Befragt wurden 411 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bereits mit einer solchen Therapie begonnen hatten. Das Ergebnis sorgte für Überraschung: 21 Prozent berichten, dass Speisen süßer schmecken als zuvor, während etwa 22 Prozent angaben, dass sie ihr Essen nun als salziger empfinden.

Neben den Veränderungen im Geschmackssinn offenbarte die Umfrage weitere interessante Beobachtungen. So gaben rund die Hälfte der Befragten an, generell weniger hungrig zu sein, und zwei Drittel berichteten, dass sie deutlich schneller ein Sättigungsgefühl verspüren. Doch es gibt auch Schattenseiten: Viele Teilnehmer klagten über Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen und Aufstoßen. Vor allem in den ersten Wochen der Behandlung sind diese Beschwerden offenbar besonders häufig: 25 bis über 40 Prozent der Befragten gaben an, unter Übelkeit zu leiden.
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Forscher über die Studien-Ergebnisse: „ein hochinteressanter Befund“
Die Veränderung des Geschmackssinns sei „ein hochinteressanter Befund, da horcht man erst einmal auf“, erklärt Dr. Stefan Kabisch, Stoffwechselmediziner an der Charité in Berlin, gegenüber der „Apotheken-Umschau“. Dennoch betont er, dass die Ergebnisse der Studie lediglich erste Hinweise liefern: „Das ist eine reine Umfrage, es geht um persönliche Eindrücke oder Einschätzungen. Es werden keine objektiven Daten oder nachprüfbare Fakten erfasst.“

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Kabisch weist zudem darauf hin, dass die Auswahl der Befragten nicht repräsentativ sei. „An einer Online-Umfrage nehmen natürlich nur diejenigen Menschen teil, die darauf Lust haben oder ein Interesse daran haben, sich zu äußern“, betont er. Der Experte hält es zudem für denkbar, dass die beobachteten Veränderungen im Geschmackssinn weniger auf die Abnehmspritzen selbst zurückzuführen sind, sondern vielmehr mit der reduzierten Nahrungsaufnahme zusammenhängen könnten.
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Geschmacksveränderungen als Schlüssel zum Abnehmerfolg?
Obwohl die Studie auf einer nicht-repräsentativen Umfrage basiert, passen die Ergebnisse laut Stoffwechselmediziner Kabisch gut zur bisherigen Forschung. „Wir sehen unter diesen Medikamenten nicht nur eine Gewichtsabnahme, sondern auch eine Verhaltensänderung in Bezug auf das Essverhalten. Eine Geschmacksveränderung könnte das zumindest zum Teil erklären.“ Besonders auffällig: Viele Befragte berichteten, dass die Veränderung bereits kurz nach Beginn der Therapie eintrat.
Interessant ist auch der Zusammenhang zwischen verändertem Geschmack und reduziertem Appetit: 67 Prozent der Teilnehmer, die Essen süßer wahrnahmen, verspürten weniger Hunger, 85 Prozent weniger Heißhunger. „Das legt zumindest die Möglichkeit nahe, dass die durch das Medikament entstandenen Geschmacksänderungen den Abnehm-Effekt dadurch verstärken, dass der Heißhunger vermindert ist“, sagt Neurologe Prof. Dr. Peter Berlit gegenüber der „Apotheken Umschau“. Dennoch stellten die Forscher fest, dass der veränderte Geschmack allein kaum Einfluss auf den BMI hat.
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Weitere Studien nötig
Für die beiden Experten ist klar: Ob Abnehmspritzen tatsächlich den Geschmackssinn verändern, muss in weiteren Studien genauer untersucht werden. Berlit von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie schlägt dafür beispielsweise die Elektrogustometrie vor – ein Verfahren, bei dem schwache elektrische Ströme über eine kleine Elektrode auf die Zunge geleitet werden. Diese reizen den Geschmackssinn direkt, wodurch sich messen lässt, wie Betroffene auf verschiedene Geschmacksreize reagieren.











