Orangensaft zum Frühstück oder ein bunter Smoothie nach dem Fitnessstudio – was viele für gesund halten, könnte laut einer neuen Studie eher schädlich sein. Ein häufiger Denkfehler: Wir verbinden Fruchtsäfte mit Vitaminen und Ballaststoffen, doch diese gehen beim Herstellungsprozess der Getränke oft verloren.

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Die Folge? Wir nehmen in kurzer Zeit nur eine große Menge Zucker auf. Oft hat schon ein Glas Saft mehr, als empfohlen wird. Forscher der Universität Wien haben nun zudem festgestellt, dass Fruchtzucker Entzündungsprozesse im Körper ankurbeln und so das Immunsystem belasten kann. Doch wie lässt sich das erklären?

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Forscher untersuchen Immunreaktionen nach Fruchtzucker-Verzehr

Fruchtzucker, auch als Fruktose bekannt, ist eine natürliche Zuckerart, die vor allem in Obst, aber auch in Gemüse und Honig vorkommt. Er sorgt dafür, dass Früchte süß schmecken. Fruchtsaft, Smoothies, viele Fertigspeisen und auch Limonaden enthalten oft größere Mengen davon – entweder von Natur aus, oder weil er bei der Herstellung zugesetzt wird. Fruktose steckt also nicht nur in frischem Obst, sondern auch in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln und Getränken.

Young woman enjoying a glass of orange juice in her modern kitchen
Ein Glas Saft täglich, um gesund zu bleiben? Ein Forscherteam aus Wien rät davon ab.© iStock | Brasileira

Um herauszufinden, wie sich Fruchtzucker aus der Nahrung auf den Menschen auswirkt, führte ein Forschungsteam der Universität Wien eine Ernährungsstudie mit 36 gesunden Teilnehmenden durch. Das Ziel war, zu beobachten, welche Immunreaktionen nach dem Verzehr von Fruktose im Körper ablaufen. Dazu wurden Personen zwischen 20 und 40 Jahren ausgesucht. Alle konsumierten kaum Alkohol und waren Nichtraucher. Das Gewicht aller Teilnehmer lag im Normbereich. Vor und nach der Zufuhr von Fruchtzucker nahmen die Forscher Blutproben.

Das Team führte anschließend zwei Teilversuche durch:

  • 1. Teilversuch: Drei Tage lang erhielten die Teilnehmer eine Kost, bei der 25 Prozent der Kalorien aus Fruchtzucker stammten – etwa 120 bis 150 Gramm Fruktose am Tag.
  • 2. Teilversuch: Die Probanden tranken innerhalb einer Stunde ein Getränk mit 110 Gramm Fruchtzucker – so viel steckt etwa in einem Liter Apfelsaft oder auch in einem Softdrink wie Cola.

Die Forscher entdeckten, dass bestimmte Abwehrzellen, die sogenannten Monozyten, nach dem Trinken des Fruchtzuckers stärker auf Bakterien reagierten. Schon nach wenigen Stunden setzten die Zellen deutlich mehr entzündungsfördernde Stoffe frei – bis zu fünfmal so viel wie vorher. Das bedeutet: Schon der kurzfristige Verzehr von viel Fruchtzucker kann das Immunsystem belasten und Entzündungen im Körper fördern.

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Fruchtzucker aktiviert Immunreaktion und fördert Entzündungen im Körper

Nun werden sich viele die Frage stellen, warum sich ausgerechnet Fruchtsäfte negativ auf unseren Körper auswirken. Das erklären die österreichischen Forscher folgendermaßen: Die Untersuchung zeigte, dass Fruktose bestimmte „Schalter“, wie TLR2, in unseren Abwehrzellen aktiviert. Das TLR2 gilt als wichtiges Protein des angeborenen Immunsystems. Es erkennt Krankheitserreger und löst anschließend die Abwehrreaktion aus. Sollte dieser Prozess zu häufig in Gang gesetzt werden, kann unser Immunsystem darunter leiden, denn es entstehen Entzündungen, obwohl wir eigentlich gesund sind.

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Doch die Forscher konnten noch mehr beobachten: Fruchtzucker löst im Körper eine regelrechte Kettenreaktion aus. So führt die Fruktose schon nach kurzer Zeit dazu, dass unsere Energiereserven sinken. In der Folge wird ein weiteres Protein aktiviert, das sogenannte SP1, das wiederum die Produktion von bestimmten Entzündungsrezeptoren verstärkt.

Auch im Darm zeigte sich der Einfluss von Fruchtzucker: Nach nur 14 Stunden hatten die Teilnehmenden deutlich mehr GLUT5-Transporter, die Zucker aufnehmen. Gleichzeitig wurden die Immunzellen unter der Darmwand deutlich empfindlicher gegenüber Bakterien.

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Fruchtzucker im Saft: Schon kleine Mengen schwächen das Immunsystem

Die Studienautoren warnen, dass selbst geringe Mengen Fruktose, wie sie schon in einem Glas Saft stecken, messbare Auswirkungen auf das Immunsystem haben können. Wer regelmäßig viel Fruchtzucker konsumiert, riskiert auf Dauer sogar eine Fettleber. Deshalb empfehlen die Forscher: Obst besser pur genießen, statt als Saft. Noch gesünder sind Wasser, ungesüßte Tees oder schwarzer Kaffee. Nicht zu vergessen: Der in der Weihnachtszeit so beliebte Glühwein oder Kinderpunsch enthält mehr Fruktose, als viele denken.

Die Wissenschaftler betonen, dass noch mehr Studien nötig sind, um genau zu klären, wie Fruchtzucker das Immunsystem beeinflusst. Besonders wichtig sei das mit Blick auf Menschen mit Stoffwechselerkrankungen, weil Fruchtzucker hier eventuell die Genesung erschweren kann.