Als wäre es Schicksal. Ausgerechnet Forscherinnen und Forscher, die an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena arbeiten, haben nun eine spektakuläre Entdeckung gemacht, die mit Johann Wolfgang von Goethe zusammenhängt. Sie fanden ein rund 40 Millionen Jahre altes Fossil einer Ameise in einem Stück Bernstein, das einst dem berühmten Dichter gehörte.

In Bernstein von Goethe gefunden: Ameisenart erstmals detailliert beschrieben

Das Tier sei mit bloßem Auge nicht erkennbar und mit modernen Bildgebungstechniken identifiziert worden, teilten die Forscher mit. Gemeinsam mit Experten der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Klassik Stiftung Weimar publizierte die Jenaer Gruppe ihre Ergebnisse im Fachjournal „Scientific Reports“.

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Bei der entdeckten Ameise handle es sich um die ausgestorbene Art Ctenobethylus goepperti, die zwar oft in Bernstein gefunden werde, wie Bernhard Bock vom Phyletischen Museum der Universität Jena beschreibt. „Dank ihres guten Erhaltungszustands und der umfangreichen Untersuchungen konnten wir sie allerdings so detailliert beschreiben wie noch nie zuvor und neue Informationen über die Art und ihre Verwandtschaft gewinnen“, so der Forscher weiter.

Der Fund liefert nun also neue Erkenntnisse über die Ameisenart. So konnte das Forscher-Team feine Härchen am Körper des Tieres entdecken und zudem erstmals in das Innere der Ameise schauen, wodurch sie unter anderem Strukturen im Kopf- und Brustbereich sichtbar machen konnten.

Zur Person

Johann Wolfgang von Goethe, geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main und verstorben am 22. März 1832 in Weimar, war ein deutscher Dichter (u.a. „Faust“, „Die Leiden des jungen Werther“), Politiker und Naturforscher. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Dichter aller Zeiten. Seine Freundschaft mit Friedrich Schiller (1759–1805) wird oft als eine der berühmtesten literarischen Partnerschaften der deutschen Klassik beschrieben.

Die Ameise würde Ähnlichkeiten mit der heute in Nordamerika oder in wärmeren europäischen Regionen lebenden Ameisengattung „Liometopum“ aufweisen, heißt es. Wie die Forscher weiter ausführen, gehen sie daher davon aus, dass die Ameise aus Goethes Bernstein vermutlich große Nester in Bäumen baute – was wiederum erklären könnte, warum diese Art so oft in fossiliertem Baumharz zu finden ist.

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Ihre neuen Erkenntnisse haben sie nicht nur im Fachjournal veröffentlicht – sie haben die Ameise zugleich digital nachgebaut und eine 3D-Konstruktion erschaffen, die online abrufbar ist – für jedermann, nicht nur für Forscher. „Dieses Modell hilft Kolleginnen und Kollegen weltweit dabei, weitere Fossilien dieser Art zu identifizieren und zu vergleichen“, so Daniel Tröger von der Universität Jena.

Überraschendes Interesse: „Goethe gilt als Begründer der Morphologie“

Goethes Bernstein-Sammlung aus dem Ostseeraum umfasst etwa 40 Stücke, wie es weiter hieß. In zwei von ihnen seien nun eingeschlossene Tiere entdeckt worden – neben der Ameise auch eine Trauermücke und eine Kriebelmücke. „Goethe gilt als Begründer der Morphologie und wäre vermutlich begeistert davon gewesen, wie wir mit ganz neuen Methoden wertvolle Erkenntnisse auf diesem Gebiet gewinnen konnten“, sagt Bernhard Bock.

„Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse den Wert solch alter Sammlungen. Es ist schon faszinierend, dass ein Stück, das aus seiner Hand und Zeit stammt, in der diese Wissenschaft ihren Anfang nahm, uns heute noch so bereichern kann“, resümiert der Forscher. Die Stücke lagern im Goethe-Nationalmuseum in Weimar.

mit dpa