• Vitamin D kann der Körper dank Sonnenlicht teils selbst produzieren
  • Einen Mangel können Nahrungsergänzungsmittel etwa aus der Apotheke ausgleichen
  • Eine Apothekerin sagt, wie sie hilft, die richtige Dosis zu finden

Beim Abstecher in die Apotheke geht es nicht immer nur um Medikamente. Genauso nachgefragt ist die breite Palette der Nahrungsergänzungsmittel. Zu Vitamin D greifen Menschen dabei besonders gern – ob mit oder ohne vorherigen Test beim Arzt oder in der Apotheke.

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Dabei erhoffen sich einige einen gezielten Effekt gegen Krankheiten, weiß Apothekerin Dr. Ina Lucas aus ihrer Filiale zu berichten. In ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“ verrät sie, ob Sonnencreme die Vitamin-D-Produktion verhindert, was bei zu viel und zu wenig Vitamin D droht und ob Vitamin D tatsächlich gegen Depressionen helfen kann.

Vitamin D: So viel Sonnenlicht genügt für die Produktion im Körper

Dr. Ina Lucas: „In meiner Apotheke berate ich nicht nur zu Arzneimitteln, sondern auch zu gesunder Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln. Ich freue mich, wenn Menschen umfassend an ihre Gesundheit denken. Mit meinem Fachwissen unterstütze ich sie gerne – und kann auch mit dem ein oder anderen Missverständnis bei Nahrungsergänzungsmitteln aufräumen. Vor allem wenn diese im Internet stark beworben werden.

Ein sehr häufig eingenommenes Nahrungsergänzungsmittel ist Vitamin D. Dieses Vitamin kann bei ausreichend Sonnenlicht in der Haut gebildet werden. Es wird deshalb auch „Sonnenhormon“ genannt. Für die Eigenproduktion reicht es aus, wenn Gesicht, Arme, Hände und Beine mindestens zweimal pro Woche 5 bis 30 Minuten lang ungeschützt der Sonne ausgesetzt werden. Sonnenschutzmittel – die man immer benutzen sollte – blockieren zwar die Vitamin-D-produzierenden UV-Strahlen. In der Praxis werden diese Produkte aber oft nicht vollständig oder regelmäßig aufgetragen. Die Menge an Sonnenlicht, die trotz Sonnenschutzmittel auf die Haut auftrifft, reicht oft für die Vitaminproduktion aus.

Unsere Expertin

Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..

Aber wenn die Sonne fehlt, zum Beispiel im Winter, oder wenn Menschen sich vor allem in Innenräumen aufhalten, sollte Vitamin D zugeführt werden. Lebensmittel mit viel Vitamin D sind zum Beispiel fettreiche Fischsorten. Zu Nahrungsergänzungsmitteln rate ich auch Patientinnen und Patienten, die Antiepileptika, Kortison oder Medikamente gegen Krebs einnehmen. Die Dosis ist entscheidend: Zu wenig Vitamin D lässt die Knochen brüchig werden. Zu viel kann unter anderem die Nieren schädigen. Es ist also wichtig, die richtige Dosis einzunehmen. Wie hoch diese Menge ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – das wäge ich im Beratungsgespräch individuell ab.

Wirkt Vitamin D auch gegen Krankheiten wie Depression?

Meine Haltung zur Einnahme von Vitamin D ist eindeutig: Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D empfehle ich, wenn die Blutspiegel zu niedrig sind – sie sollten aber nicht auf Verdacht eingenommen werden. Viele Apotheken bieten Vitamin-D-Tests an. Dafür wird eine kleine Menge Blut aus der Fingerkuppe abgenommen. Völlig normal ist, dass die Vitamin-D-Werte im Winter niedriger sind. Bei schwerwiegenden Erkrankungen, zum Beispiel der Nieren, ist es angeraten, mit der Ärztin oder dem Arzt vor einer Vitamin-D-Einnahme zu sprechen.

Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“

Vor kurzem fragte mich eine Patientin nach meiner Meinung zu Vitamin D gegen Depressionen – sie habe im Internet darüber gelesen. Ich bin bei krankheitsbezogenen Aussagen zu Nahrungsergänzungsmitteln skeptisch, aber auch neugierig. Die gedankliche Verknüpfung zwischen Vitamin D, Lichtmangel und Depression erscheint naheliegend, konnte wissenschaftlich aber nicht bestätigt werden.

Allgemein gilt: Gegen Krankheiten helfen Arzneimittel. Nahrungsergänzungsmittel sind hingegen Lebensmittel und gleichen Mangelzustände in der Ernährung aus. Viel zu oft beziehen sich Aussagen im Internet auf sehr kleine oder wenig repräsentative Studien und haben vor allem ein Ziel: den Umsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln anzukurbeln. Deshalb freue ich mich, wenn Patientinnen und Patienten bei mir in der Apotheke nachfragen.

Mit meiner Expertise kann ich Laborwerte und Studien einordnen und meinen Patientinnen und Patienten die Vor- und Nachteile auch von Nahrungsergänzungsmitteln anschaulich erläutern. Das mache ich sehr gerne! Die kompetente Beratung meiner Patientinnen und Patienten sehe ich als meine Berufung als Apothekerin.“