Selbstverteidigung

Krav Maga: Frauen und Männer trainieren für den Selbstschutz

Instruktorin Freya Geßner (27) demonstriert, wie man den Angriff mit einem Stock abwehrt und den Gegner entwaffnet.

Foto: Lars Heidrich

Instruktorin Freya Geßner (27) demonstriert, wie man den Angriff mit einem Stock abwehrt und den Gegner entwaffnet. Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   Krav Maga ist eine Selbstverteidigungstechnik aus Israel und gilt aktuell als Trendsportart. Freya Geßner macht damit Frauen (und Männer) stark.

Krav Maga! Diesen Begriff kannten bis vor einiger Zeit nur Menschen, die sich für Kampftechniken der israelischen Armee interessierten. Inzwischen gilt Krav Maga als hip und als Trendsport und findet sich im Programm vieler Fitness-Studios. Allerdings, sagt Freya Geßner, hafte Krav Maga oft der zweifelhafte Ruf des „Hau drauf“-Sports für muskelbepackte, martialische Typen an.

Freya Geßner, 27, die im Hauptberuf bei der Finanzverwaltung NRW arbeitet, ist selbst Krav Maga-Instruktorin. Und wer sich an diesem Abend in ihrem Kurs in der Sportherberge in Duisburg-Wedau umschaut, sieht - bis auf zwei männliche Ausnahmen - nur junge, schmale, zum Teil zierliche Frauen. Und die trainieren hier Kampfsport? „Nein, keinen Kampfsport“, sagt Geßner. „Krav Maga ist ein Selbstverteidigungssystem, das das Beste aus verschiedenen Kampfsportarten verbindet.“

Viele haben nachts Angst

Also: Um „Hau drauf“ geht’s hier schon mal gar nicht, sondern um Sicherheit und Selbstschutz. „Wenn man spätabends als Frau allein unterwegs ist, fühlt man sich nicht unbedingt sicher “, sagt Ana und die anderen nicken zustimmend. Angst, Unbehagen - das kennen alle von ihnen, jedenfalls die weiblichen Teilnehmer. Die 25-Jährige ist seit fast zwei Jahren Geßners Schülerin: „Zu wissen, dass man sich verteidigen kann, gibt einem einfach mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein.“

Die Kurse, erzählt die Trainerin, seien schon vor den Ereignissen der Kölner Silvesternacht beliebt gewesen, aber danach habe es einen regelrechten Boom gegeben. Womöglich auch deshalb, weil Krav Maga relativ leicht zu lernen ist. Es trainiert Techniken, damit Frauen (und Männer) eben keine Opfer werden, auch wenn sie körperlich unterlegen sind.

Und diese Techniken werden geübt, immer wieder: In Zweierteams simulieren die Mädels und Jungs eine Attacke mit einem Messer. Eine übernimmt die Rolle des Angreifers, die andere des Opfers. „In den Angriff hineingehen“, kommandiert die Instruktorin. Ana, in der Rolle des Opfers, springt in die Schulter von Pia, drückt ihr die Hand in den Nacken, zieht das Knie nach oben, versetzt ihr damit einen Tritt und entwindet ihr mit einem gezielten Griff das Messer. Rollenwechsel, Wiederholung. Und dann noch einmal mit umgekehrter Rollenverteilung. Später kommt die Variante eines Überfalls mit einem Stock und dann mit mehreren Angreifern dazu.

Sieht ganz schön hart aus. Und fordert Kondition. „Je fitter man ist, umso besser funktioniert’s natürlich.“ Obwohl: Geßners älteste Teilnehmerin in einem ihrer Kurse ist 75, die jüngsten sind 14.

Es gibt schon mal blaue Flecken

Ernsthaft verletzt wird im Training normalerweise natürlich niemand, aber blaue Flecken gibt es durchaus mal. „Denn es geht auch darum, die Hemmung zu verlieren, jemanden richtig anzugehen“, sagt Geßner, die selbst erst vor vier Jahren zum Krav Maga gekommen ist und sich über zwei Jahre in Lehrgängen der Headinstruktoren der israelischen Armee in Tel Aviv fortgebildet hat.

Einige Monate, nachdem sie mit dem Training begonnen hatte, wurde sie selbst nachts im Bahnhof überfallen. „Da hat mich ein Mann von hinten in den Würgegriff genommen.“ Ein schlimmer Schreckensmoment. „Ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn man in sich eng und hilflos wird.“ Doch sie besann sich auf das Eingeübte - und ging zur Verteidigung über. „Ich glaube, der Mann war noch viel geschockter als ich.“

Denn oft ist allein die Tatsache, dass frau sich wehrt, schon Überraschungsmoment genug. Verlassen kann man sich nicht darauf. Deswegen geht es auch um Routine, um eingeübte Abläufe: „Wenn die Mädels 80 Prozent dessen anwenden, was sie hier trainieren, dann kommen sie gut durch.“

Nach anderthalb Stunden, an deren Ende sich die Gruppe noch ein kleines Zirkeltraining gegönnt hat, haben alle rote Köpfe. „Völlig ausgepowert“, keucht Pia. Erschöpft sind sie. Aber nicht schwach. Man würde selbst in diesem Moment wirklich niemandem raten, ihnen fies zu kommen.

>>INFOS ZU KRAV MAGA

Krav Maga kommt aus dem Hebräischen und heißt übersetzt Kontaktkampf. Entwickelt wurde das Selbstverteidigungssystem in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von dem Boxer und Ringer Imrich Lichtenfeld (1910-1998) in Pressburg (dem heutigen Bratislava), der diese Techniken mit dem Ziel lehrte, dass Juden sich gegen antisemitischen Übergriffe zur Wehr setzen konnten. Später wanderte Lichtenfeld nach Palästina aus und wurde 1948 im neu gegründeten Staat Israel Nahkampfausbilder bei der israelischen Armee. In der Folge entwickelte er Krav Maga auch als Selbstverteidigungstechnik für Polizisten und Zivilisten weiter.


Einen Workshop zu Krav Maga bietet Freya Geßner am Sonntag, 9. Juli, von 11 bis 15 Uhr in der Turnhalle der Joseph-Beuys-Gesamtschule in Düsseldorf an. Nähere Infos und Anmeldung unter 0178/8501217 oder
www.valkyrie-kravmaga.com

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