Öffentlicher Nahverkehr

Nahverkehr zum Nulltarif - In Monheim läuft ein Praxis-Test

 

 

Foto: Norbert Jacobs

Monheim.   Monheims Bahnen bieten vom 5. November bis 11. November den Fahrgästen auf fünf Bus-Linien Fahrten zum Nulltarif an. Ein Modell für die Zukunft?

Hereinspaziert! Detlef Hövermann steht vor einer geöffneten Bustür und bittet die Fahrgäste in den Bus einzutreten. Bitte hier entlang, sagt die Geste mit der rechten Hand, mit der der Geschäftsführer der „Bahnen der Stadt Monheim GmbH“ (BSM) zum kostenlosen Mitfahren einlädt. Ein schönes Foto, es illustriert perfekt eine Aktion, die in Monheim von den BSM gestartet wurde und die nicht gerade alltäglich ist.

Tatsächlich dürfen vom 5. bis zum 11. November alle Fahrgäste bestimmte Buslinien in Monheim benutzen, ohne einen Cent berappen zu müssen. Fahr mit zum Nulltarif, wäre ein möglicher Slogan für diese Woche. Der Fahrgast steigt ein, geht zum Fahrer und bittet um ein Ticket zum Nulltarif, mehr ist nicht zu tun.

Fünf Buslinien in Monheim kostenlos nutzbar

„Mit den ausgegeben Nulltarif-Tickets, die natürlich gezählt werden, können wir später feststellen, wie viele Fahrgäste an der Aktion teilgenommen haben“, erklärt Hövermann gegenüber der NRZ. Wird das Angebot gut angenommen? Sein erster Eindruck? „Ich glaube schon, dass die Fahrgastzahlen etwas zugenommen haben, aber das ist wirklich nur ein erster Eindruck, belastbar ist das nicht.“

Monheim und die BSM haben mächtig geworben, „die Aktion ist im Umkreis gut bekannt“, glaubt Hövermann, der insgesamt fünf Buslinien aufzählt, die während der Aktion unentgeltlich genutzt werden können. Konkret sind dies drei Linien, die erst ab kommenden Wochenende fahren werden, sowie zwei weitere Schnellbus-Linien, die bereits seit Montag zum Nulltarif befördern und die laut Hövermann vornehmlich von Pendlern genutzt werden.

Zu viele Fahrgäste durch Gratis-Angebot

Ob das Angebot mehr ist als eine Werbegeschichte für den eigenen Nahverkehr, ist die Frage, die auf der Hand liegt. Ist es vorstellbar, dass die Stadt Monheim dauerhaft für die Kosten einspringt und in Zukunft das Busfahren zum Nulltarif einführt? Detlef Hövermann kann da keine konkrete Antwort liefern. „Das hängt nicht nur von der Auswertung der Zahlen ab“, betont der Geschäftsführer. „Da ist schwer zu sagen, denn für Berufspendler dürfte das Nulltarif-Angebot nur interessant sein, wenn es über unsere Stadtgrenze hinaus genutzt angeboten werden könnte.“ Kurzum: Ein Alleingang macht wenig Sinn, nur gemeinsam mit anderen Verkehrsbetrieben würde die Sache rund werden können. „Ob das ein Modell sein kann, können wir nicht allein entscheiden.“

Feste steht: Monheim ist die erste Stadt in Nordrhein-Westfalen, die Gratis-Busfahren ausprobiert. Bundesweit gab es durchaus schon Vorgänger. Im brandenburgischen Templin lief ein Versuch sogar quasi in grauer Vorzeit, von 1998 bis 2002. Die Stadt finanzierte den Gratis-ÖPNV mit Einnahmen aus der Kurtaxe, die die 16.000-Einwohner-Kleinstadt in der Uckermark erhebt.

Auch Essen soll Gratis-Nahverkehr erproben

Der Erfolg war sensationell, die Fahrgastzahlen kletterten auf das 15-fache früherer Tage, als allerdings noch verschwindend wenige in Templin zustiegen. Weil aber die Busse immer voller wurden, erreichten auch die Kosten für die Stadt eine Höhe, die nicht mehr zu bewältigen war. Die Touristen zeigten sich zudem verärgert, dass sie den Busverkehr finanzierten. Ergebnis: Der Test wurde eingestellt, gleichwohl ist Busfahren in Templin weiterhin spottbillig. Für 3,67 Euro im Monat gibt es freie Fahrt im gesamten Stadtgebiet.

Noch sehr aktuell und konkret sind die Pläne in Tübingen. Der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer behauptet, das Konzept liege fertig in seiner Schublade. Umgesetzt wird es allerdings nur im Ansatz. In der beschaulichen Universitätsstadt gilt bislang: Samstag ist Busfahren gratis – was bei all jenen Kunden natürlich für Verärgerung sorgt, die ein Monatsticket haben.

Und auch in Palmers Stab wurde nachgerechnet, dass es rund 15 Millionen Euro kosten würde, den Busverkehr im Ganzen freizugeben. Ein ordentlicher Brocken, selbst für eine finanziell gut gestellte Stadt wie Tübingen. Lars Wagner vom Verband der Verkehrsunternehmen warnt davor, das finanzielle Problem zu unterschätzen. „Wenn wir über Städte reden, in denen es Straßen- und U-Bahnen gibt, erreichen wir finanziell noch ganz andere Hausnummern“, sagt der Verbandssprecher und spielt damit auch auf die Stadt Essen an – sie gehört zu den vom Bund im Rahmen der Dieseldebatte auserkorenen Erprobungsstädten, die Gratis-Nahverkehr testen sollen.

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