Das ist schon ein munteres Grüppchen, das sich da gefunden hat. Seit knapp 14 Tagen arbeiten, wohnen, leben und essen neun junge Künstlerinnen und Künstler miteinander – man tauscht sich aus, regt sich an und manchmal auch auf, arbeitet und verwirft, diskutiert und arbeitet wieder. Fast ein bisschen so wie in ehemaligen WG-Zeiten – nur noch kreativer. Was einen witzigen Zwischenhöhepunkt erreicht mit einer ungewöhnlichen Fotosession – siehe hier:

Neun kreative Köpfe (ja doch, hinter der Kamera ist ja auch noch eine(r) suchen – ja was wohl? Den Ball? Die perfekte Linienführung? Den Sinn im Spiel? Die Kunst gar? Das kommt davon, wenn einer den alten Minigolfplatz an Haus Nummer 6 zum Kunstobjekt erklärt und ein Stücken Rasen penibel mit der Schere so bearbeitet, dass es das perfekte Green wird… Nunja, alles passt prima zum Titel der Ausstellung, zu der das Kunstlabor ArToll nun wieder aufs Gelände der LVR-Klinik einlädt: „Gewöhnung gegen alles“.
Gewöhnung gegen alles
Junge Künstler also sind ins Sommerlabor eingeladen, ehemalige Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie. Ein paar waren schon einmal oder gar mehrfach ArToll-Gäste, drei lernen das seltsame, atmosphärisch dichte Ambiente in dem ungewöhnlichsten Atelier des Landes gerade erst kennen – und alle verarbeiten Raum, Emotion, Geist, Seele, Atmosphäre und Kunstidee auf ihre Weise. Und das ist spannend zu sehen, zu spüren, zu entdecken. „Gewöhnung gegen alles“ – schon das Wortstück ist ungewöhnlich und hakt – aber es macht aufmerksam und lässt sich in allen Räumen und Arbeiten finden, irgendwie.
Jose Zky füllt den Raum und die Wände mit Objekten, Blätter einer Zeichenserie werden komponiert, Steintafeln sind im Entstehen – noch ist die Kunst nicht zu Ende gedacht – bis morgen ist noch Zeit. Jonas Gerhard ist der, der den Minigolfplatz geschrubbt hat, sich aber im ArToll vor allem sehr intensiv mit Sudoku-Heftchen beschäftigt, die er aus Italien mitgebracht hat. Zahlen, Symbole, grafische Elemente fügen sich zu einer Botschaft zusammen, die in Farbe umgesetzt ihre Schönheit und technische Ästhetik sichtbar macht.

Domingo Chaves ist draußen im Park auf die Suche gegangen. Und natürlich hat er Naturmaterialien gefunden, wunderschön gelbgesprenkelte Aukubeblätter - ihre und damit die Vergänglichkeit, die Zeitlichkeit allen Seins, lässt sich spüren in den Blatt-Collagen und Installationen.
Marlin de Haan hat drei alte Liegestühle mitgebracht, und plötzlich finden sich Holzteile an der Wand, fast schwebend, doch mit kräftigem blauen Klebeband zur Starrheit verdonnert – oder zum Schweben, wie man es gerade so sieht. Der Raum wartet noch auf seine Eroberung – wie gesagt, Eröffnung ist erst morgen Nachmittag, da bleiben noch viele Stunden Zeit fürs kreative Vollenden.
Friederike Haug druckt und druckt und komponiert ihre Zeichnungen und bedruckten Flächen – mittendrin hängt (noch?) ein weißes Tuch, ein paar aufeinander gestapelte Getränkedosen ihres Vorgängers – man wechselt mitunter die Arbeitsräume -- stehen noch ‘rum und wachsen irgendwie in die Kunst der anderen hinein...
Ae ran Kim schafft Raumillusionen mit Videoinstallationen, Filme und Papierquadrate, der Raum wird die Skulptur, die Projektion fast schon zur Skulptur.
Klara Paterok lässt Farbe fließen, Aquarelltechnik mal ganz groß, auf riesigen Bahnen, zart und leicht und mit dem Hauch der Unendlichkeit. Christian Theiss macht es anders – er macht alles groß und stark und zart zugleich. Skulpturen aus Pappmaché und ineinandergekleisterte Umzugsdeckenschnipsel.
Jungwoon Kim installiert sich durch den Raum – gerade mit schmalen, schlauchähnlichen von der Decke baumelnden Wurmwesen, die, Achtung: leben! Sie atmen, pulsieren und wenn man wagt, sie zu berühren, spürt man den Strom des Lebens – oder ?
Die Ausstellung
„Gewöhnung gegen alles“, ArToll Kunstlabor. Eröffnung morgen, 3. September, 15 Uhr. Begrüßung: Carla Gottwein, 2. Vorsitzende ArToll Kunstlabor e.V.; Grußwort: Stephan Reinders, Bürgermeister der Gemeinde Bedburg-Hau; Einführung: Susanne Figner, Museum Kurhaus Kleve. Geöffnet: Freitag bis Sonntag, 15-18 Uhr; Finissage: Sonntag, 18. September, 12-16 Uhr. Zur Mulde 10, Bedburg-Hau, Haus 6, Gelände der LVR-Klinik.
Neun unterschiedliche Herangehensweisen an Raum, Zeit und Gestaltung. Man darf sich Zeit nehmen, sich einlassen auf das, was erst einmal komisch ist, oder anders, oder fremd, oder irritierend, oder schön, ungewöhnlich und ungewohnt. Und doch verblüffend großartig, voller Gedanken und Inspirationen, Ideen und kluger Gedanken. „Wir sind froh, dass wir unser Sommerlabor wieder mit Leben füllen können“, sagt Carla Gottwein, 2. Vorsitzende im noch jungen neuen Vorstand vom ArToll Kunstlabor e.V. – mehr vernetzen wolle man sich künftig. Und jungen Kunstschaffenden ein Forum bieten. Der Anfang ist gemacht.


