Es dauert nur ein paar Minuten – und dann spüren Sie es: Ein bisschen Salz auf den Lippen – das sind die winzigen Aerosole, die sich auf den Weg in Ihre Atemwege machen. Und einatmen! Und ausatmen! Nach und nach sehen Sie im Inhalatorium nix mehr, selbst die gedämpften Lichtstreifen an den hölzernen Wänden wabern weg im Aerosol-Nebel. Das hat schon etwas Spirituelles – nunja, wir sind ja auch in Kevelaer, aber da ist viel mehr als nur guter Glauben und frohes Hoffen. „Mehrere Studien belegen die Wirkung der Thermalsole als vielversprechenden Ansatz in der Behandlung von Atemwegserkrankungen“, sagt Verena Rohde von der Abteilung Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing.
Öffnungszeiten und Eintritt
Die ca. 25 Minuten dauernden Sitzungen beginnen jeweils zur vollen und zur halben Stunde. Auf das Ende einer Sitzung werden Sie durch stärkeres Licht sowie das Einsetzen der Entlüftung aufmerksam gemacht.
Es ist keine spezielle Kleidung und kein Umziehen erforderlich. Empfehlung: Seh- und Sonnenbrillen nicht mit in die Inhalation zu nehmen bzw. in der Tasche aufzubewahren. Bitte keine Unterhaltungen, Handys ausschalten. Und dann: Einfach durchatmen.
Geöffnet: 9-19 Uhr, die letzte Sitzung beginnt um 18.30 Uhr. Eintritt: Drei Euro, Zehnerkarte 27 Euro. Kinder bis 17 Jahre zwei Euro, Zehnerkarte 18 Euro. Die Karten gibt es u.a. im Infohäuschen des Solegartens St. Jakob, am Automaten (gegenüber des Kneipp-Beckens) und im Rathaus bei der Tourist-Info. Solegarten St. Jakob, Hüls 17, 47623 Kevelaer
www.kevelaer-marketing.de
„Schuld“ ist das heilende Wasser in mehr als 550 Metern Tiefe. Ende der 90er Jahre wurde danach gebohrt und die Sole gefunden – was nicht gefunden wurde, waren treue Investoren und der richtige Zeitgeist – das ist inzwischen ganz anders. Die Stadt Kevelaer hat viel dafür getan, sich ein neues, oder besser, ein zweites, ergänzendes Image zu verpassen und den Weg in die Zukunft zu gehen – mit der Kirche und dem Pilgerwesen, mit den gesundheitsorientierten und medizinisch unterfütterten neuen Ankerpunkten.
Das Wasser ist steinalt
Was für ein Segen, möchte man sagen, welcher Kurort kann das schon bieten: Heilquelle plus Gnadenbild, Pilgertradition plus jodhaltige Therme. Die Sole, das Wasser, ist steinalt, ist tausende von Jahren über Gesteinsschichten gerieselt, hat Mineralien und Salze ausgewaschen und wird nun ans Tageslicht gefördert - gelagert tief unter der Erde, in Gesteinsschichten, die aus dem Karbon stammen, also schlappe 300 Millionen Jahre alt sind.

2020 konnte das Marienwallfahrtsstädtchen die erste große Attraktion auf der Hüls eröffnen: Das muschelförmige Gradierwerk, eine Art Freiluftinhalatorium zur Soleverdunstung. Manch Kevelaerer, manch Kevelaererin konnte sich mit dem „Reisighaufen“ (zunächst) nicht anfreunden, man fürchtete, dass Touristen den Wallfahrenden den Rang (und die Wirtschaftlichkeit) ablaufen würden. Nun, die politische und stadtfürdiezukunftfitmachen wollende „Denktruppe“ blieb mehrheitlich unbeirrt, und auf der Hüls ist nun ein bemerkenswerter Gesundheitspark gewachsen. Mit Kneipp-Anlagen und Atemwegen, Barfußpfad und Boulefeldern, Fitnessgeräten und, ja klar doch, einem Bibelgarten. Und natürlich vor allem dem prächtigen Gradierwerk, gebaut und geplant vom Architekten Peter Grund, der denn nun auch das Inhalatorium „schuf“.
Tipps zur Nutzung des Inhalatoriums
Regelmäßiges Inhalieren mit Solelösung wirkt zum einen therapeutisch durch entzündungshemmende und schleimlösende Wirkung. So können Sie sich von quälendem festsitzenden Schleim befreien. Zum anderen aber wirkt das regelmäßige Inhalieren auch prophylaktisch, denn das Inhalieren bewirkt, dass die Schleimhäute in den Atemwegen feuchtgehalten werden. Das wiederum unterstützt deren Selbstreinigungsfunktion: Eingeatmete Viren und Bakterien bleiben im feuchten Schutzfilm haften und werden dann von den rhythmisch schlagenden Flimmerhärchen der Schleimhaut wie auf einem Förderband in Richtung Rachen abtransportiert. Dann kann man sie mit dem Auswurf abhusten.
Gönnen Sie sich eine Pause und tun Ihren Atemwegen etwas Gutes:
Halten Sie sich wenn möglich 15 Minuten im Inhalatorium auf. Achtung: Individualität und langer Atem sind gefragt! Sollten Sie bereits nach wenigen Augenblicken über beispielsweise gereizte Atemwege, quälenden, nicht befreienden Husten oder gar Atemnot klagen, dann verlassen Sie bitte das Inhalatorium. Da für den Betreiber nicht vorhersehbar ist, ob Ihre Atemwege überempfindlich sind, erfolgt die Nutzung des Inhalatoriums in eigenem Ermessen und selbsthaftend. Probieren Sie daher bitte zuvor im Inneren des Gradierwerks, wie Ihre Atemwege auf das Inhalieren mit hypertoner Saline reagieren.
Ein von außen schon ungewöhnliches Gebäude, von innen eine rustikale Holzkonstruktion in Zeltform, widerstandsfähiges Lärchenholz, breite Sitzbänke, 19 einzelne, wabenartige Sitznischen. Zickzack-Leuchtlichter an den Wänden wechseln die Farben. Die Sole aus der benachbarten Quelle wird durch feine Düsen geleitet und verdichtet sich zum Nebel… Und nun einfach nur atmen, einatmen und ausatmen und einatmen…

Eine „Sitzung“ kostet drei Euro pro Person und dauert 25 Minuten, dann verliert sich der Nebel, das Licht wird heller und die nächsten können Platz nehmen. „Die Aktivierung der Solequelle ist der Ausgangspunkt zur Entwicklung von Solegarten, Gradierwerk und Inhalatorium bis zum Nahziel eines staatlich anerkannten Kurortes“, so Hans-Josef Thönnissen von den Stadtwerken, die das insgesamt etwa drei Hektar große Gesundheitsareal betreiben.
Solegarten St. Jakob
Im Januar wurde das Inhalatorium eröffnet – „im ersten Quartal haben wir damit schon über 10.000 Menschen erreicht“, so Thönnissen.
Für wen eignet sich das Inhalatorium?
Wem empfehlen Fachleute regelmäßige Aufenthalte im Inhalatorium?
Menschen, die an beispielsweise einer der folgenden Krankheiten leiden (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Asthma bronchiale, Chronisch obstruktive Bronchitis (COPD), Chronische Sinusitis, Zystische Fibrose, Bronchiektasen, Menschen, die prophylaktisch ihre Atemwege pflegen wollen.
Bitte nutzen Sie das Inhalatorium nicht, wenn Sie akut erkrankt sind und dadurch auch andere Besucher anstecken könnten.
Die intensive Salzinhalation kann manchmal eine sofortige Wirkung auslösen, beispielsweise in Form von Niesen oder Husten. Es wird gebeten, mit Rücksicht auf andere in die Armbeuge oder in ein Taschentuch zu husten und zu niesen.
Der Innenraum des Inhalatoriums wird Kameraüberwacht
Mit dem Inhalatorium hat der Solegarten St. Jakob nun einen neuen, ganz besonderen Anziehungspunkt – und die Stadt Kevelaer bewegt sich auf die Zielgerade zu: „Wir sind kurz davor, staatlich anerkannter Kurort mit Heilquellenbetrieb zu werden“, sagt Bürgermeister Dr. Dominik Pichler.

Und wenn dann noch die Sole (in reduzierter Konzentration) den nächsten Qualitätssprung auch schafft und als „Trinksole mit Arzneimittel-Anerkennung“ firmieren darf, dann ist die Stadt ihrem Marketing-Anspruch „Gesund an Leib und Seele“ wahrlich nahe gekommen. Oder wie der Bürgermeister das formuliert: „Kevelaer befindet sich auf dem Weg, ein herausragendes Zentrum für Gesundheit und Erholung zu werden und wäre damit der einzige Kurort im Bereich der Bezirksregierung Düsseldorf.


