Himbeeren & Co.

Billig-Importe setzen den Obstbauern in NRW zu

Im Rheinland sind die ersten Himbeeren reif. Die Ernte hat begonnen.

Im Rheinland sind die ersten Himbeeren reif. Die Ernte hat begonnen.

Foto: Sabine weis / Provinzialverband

Am Niederrhein.  Im Rheinland hat die Himbeerernte begonnen. Die Obstbauern haben Sorgen. der Konkurrenzdruck aus Südeuropa und Afrika wird immer größer.

Es ist wieder Himbeerzeit, im Rheinland hat die Ernte begonnen. Die hiesigen Obstbauern plagen aber Sorgen. Billig-Konkurrenz aus Süd-Europa, Nordafrika und der Türkei setzt ihnen mehr und mehr zu. Für manch’ hiesigen Erzeuger geht es ans Eingemachte: „Man merkt so langsam, es geht nicht mehr“, sagt Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer.

Dass Höfe generationsbedingt aufgegeben werden, kennt man. Insolvenzen sind die gut 400 Obsterzeuger aber nicht gewöhnt. Tatsächlich habe es im vergangenen Jahr einzelne gegeben, berichtet Muß im Gespräch mit der Redaktion. Der Konkurrenzdruck aus dem Ausland ist groß. Wegen niedrigerer Löhne, geringerer Öko- und Sozialstandards kann dort erzeugtes Obst auf dem deutschen Markt immer noch günstiger angeboten werden als heimisches – trotz langer Transportwege.

Schälchen Himbeeren für nur einen Euro

Himbeeren sind dafür nicht das einzige, aber ein besonders gutes Beispiel. „Jede Frucht muss von Hand gepflückt werden“, sagt Muß. Im kalkulierten Preis steckt also jede Menge Arbeitskraft. Im Rheinland zahle man den Saisonkräften zumeist aus Polen und Rumänien den auf 9,19 Euro erhöhten Mindestlohn – „in Marokko sind es 15 Euro am Tag“. In Portugal liege der Bruttomindestlohn bei 3,61 Euro pro Stunde, in Spanien bei 5,45 Euro. Die Folge: Im Lebenseinzelhandel werde das 125-Gramm-Schälchen Himbeeren aus diesen Ländern laut Werbung für circa einen Euro angeboten.

„Da können wir nicht mithalten“, sagt der Vertreter des Provinzialverbandes. Für 125 Gramm Himbeeren aus heimischer Erzeugung seien mindestens 1,25 Euro fällig. In Marokko scheint sich die Produktion für den deutschen Markt trotz des 2500 Kilometer langen Transportweges zu lohnen. Der Konzern Driscoll’s habe seine Himbeerproduktion in dem nordafrikanischen Land ausgeweitet und riesige Flächen aufgepflanzt, berichtet Muß.

Erdbeerpreis zum Saisonstart im Keller

Aber es geht eben nicht nur um Himbeeren: Zu Beginn der Freilandsaison habe der Erzeugerpreis für Erdbeeren bei lediglich 1,05 Euro je Pfund gelegen. 1,20 Euro müssten es aber schon sein, damit hiesige Erzeuger ihre Kosten decken

können“, meint Muß. Und im vergangenen Sommer habe es eine Phase gegeben, da habe der Lebensmitteleinzelhandel überhaupt keine deutschen Süßkirschen angenommen, dafür aber seinen Kunden günstig Kirschen aus der Türkei angeboten. „Dort sind Pflanzenschutzmittel erlaubt, die bei uns lange verboten sind“, sagt Muß.

Er klagt: „Wir beobachten, dass der Lebensmittelhandel, der in den letzten Jahren verstärkt auf regionale Produkte gesetzt hatte, jetzt fast nur noch den Preis im Blick hat.“ Die Rheinischen Obsterzeuger wollen in nächster Zeit verstärkt auf ihre Probleme aufmerksam machen. Auf einer Veranstaltung in der kommenden Woche in Meckenheim bei Bonn stellen sie zum Beispiel die Frage, ob der heimische Süßkirschenanbau noch eine Zukunft habe. Weitere Aktionen würden folgen, kündigt Muß an. „Unser Appell geht an den Verbraucher“, sagt der Geschäftsführer des Provinzialverbandes. Kunden sollten regionale Produkte in den Supermärkten einfordern, falls diese nicht vorhanden seien. Oder andere Möglichkeit: regionales Obst direkt beim Erzeuger kaufen, im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt.

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