Bummeln in Bocholt ist beliebt

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STADTENTWICKLUNG. Die City hat sich gewandelt: Die Marketing-Gesellschaft hat für ihre Ideen diverse Preise eingeheimst.

BOCHOLT. Am westlichen Rand des Westmünsterlandes liegt Bocholt für den Niederrhein doch relativ nah. Das hat sich das Stadtmarketing erfolgreich zu Nutze gemacht. Häufig zieht es Konsumenten aus Wesel, Xanten, Emmerich, Goch und Kleve zum Einkaufsbummel nach Bocholt. Wir haben uns mit Stadtmarketing-Geschäftsführer Ludger Dieckhues über die Bocholter Strategie unterhalten.

Das Stadtmarketing entstand als Reaktion auf den Bau des Oberhausener Centros. "Es sind 25 Minuten von Bocholt nach Oberhausen. Es bestand die Sorge, dass gerade die niederländischen Besucher an Bocholt vorbei nach Oberhausen fahren", erklärt Dieckhues. Immerhin kommen bei verkaufsoffenen Sonntagen nicht selten 40 Prozent der Besucher aus dem Nachbarland. Die Antwort war der Bau der Shopping-Arkaden sowie die Neugestaltung des Neutorplatzes: "So ist es gelungen, die Leute in Bocholt zu halten."

Gemeinsame Strategien

Doch der Reihe nach: Bevor es das Stadtmarketing gab, war ein ehrenamtlicher Werbering aktiv. Entscheidend sei gewesen, so Dieckhues, dass Stadtplanung und Marketing fortan gemeinsam angegangen wurden. Die Handelstreibenden der "neuen" (Arkaden, Neutorplatz) und "alten" Innenstadt konnten für gemeinsame Marketing-Strategien geeint werden: "Wir konnten den alteingesessenen Innenstadtakteuren die Angst vor den Arkaden nehmen", meint Dieckhues. Aktionen wurden etwa mit Rundlauf-Gewinnspielen kombiniert, die die Besucher in sämtliche Straßenzüge lockten. Die Stadt beteiligt sich finanziell nur gezielt an Projekten, bei denen auch Sponsoren mitwirken - kein Gieskannenprinzip, betont Dieckhues.

Gebündelte Werbemaßnahmen zeigten Erfolge, gemäß dem Motto "Klotzen statt Kleckern". Lebensgroße Dinosaurierfiguren flogen ein; Dampfloks zierten die Innenstadt; auf sieben Plätzen in der Innenstadt entstanden thematische Gärten - sicherlich Hingucker, die einzelne Straßengemeinschaften nicht hätten finanzieren können. Konzerte am Hünting mit Brian Adams, BAP oder Carlos Santana trugen dazu bei, Bocholt überregional bekannt zu machen.

Große Ereignisse nicht verpuffen lassen

Isolierte Aktionen gehörten der Vergangenheit an. Als zum Beispiel die Aar - der Fluss, der durch die Innenstadt fließt - mit Beleuchtung versehen wurde, nutzte Bocholt die Einweihung zu dem Fest "Aar-Glanz" in Verbindung mit einem Einkaufswochenende: "Solche Ereignisse sollten nicht an einem Abend verpuffen", sagt der 44-Jährige.

2004 übernahm das Stadtmarketing den Wochenmarkt, weitete diesen um einen Abendmarkt donnerstagabends und einen Krammarkt fünf mal im Jahr aus - beide mit Basarcharakter, der über das Angebot frischer Ware hinaus geht. Die Kirmes konnte als größtes Volksfest im Münsterland etabliert werden. An vier Tagen kommen über 600 000 Besucher.

Die Aktivitäten der Marketing Gesellschaft hat Bocholt diverse Preise beschert, die wiederum Geld in die Kassen spülten. Geld für größere Aktionen. Fünfmal nahm Bocholt an der Cityoffensive "Ab in die Mitte" teil. Die Aar-Beleuchtung wurde mit dem NRW-Städtebaupreis "Stadt-Licht-Fluss" ausgezeichnet. 2002 gab's den Preis "Urbanicom" für die frühzeitig aufgebaute Kooperation im Handel während des Baus der Arkaden. 2004 erntete die Gesellschaft den "Westfalensprung" für das beste Stadtmarketing bei Orten bis 100 000 Einwohner (Bocholt zählt 74 000) in Westfalen.

Probleme möchte Ludger Dieckhues nicht totschweigen. Kaufhäuser wie C & A oder Peek & Cloppenburg zog es von der "alten" Innenstadt in die Arkaden, was die Nordstraße sicherlich schwächte. Dieckhues und Co. gelang es, die Leerstände auf der Nordstraße von elf in 2004 auf einen in 2008 zu reduzieren. In der Osterstraße gebe es zwar "nur" zwei leer stehende Lokale. Aber: "Die Qualität des Einzelhandels an den Enden der Fußgängerzone ist schwer zu halten", gibt der Stadtmarketingleiter zu.

Ein großes Sorgenkind sei aktuell Hertie (wir berichteten). Bis Ende Oktober soll sich entscheiden, ob das Kaufhaus in Bocholt, das erst 2007 erfolgreich umgestaltet wurde, geschlossen wird. Sollte es zum Aus kommen, überlegt Dieckhues, ob ein dahinter leerstehendes Fabrikgebäude eventuell sogar in die künftige Planung einbezogen werden sollte. Wohnen an der Aar könnte attraktiv sein. Erfreulich findet Dieckhues die Ansiedlung von Saturn in den Arkaden seit Mai dieses Jahres.

Mit Kundenfreundlichkeit gegen neue Zentren punkten

Dass Konsumenten aus der Umgebung in den neuen Einkaufszentren - zum Beispiel Forum in Duisburg oder Limbecker Platz in Essen - bummeln, sei nicht zu verhindern. "Wir können durch Kundenfreundlichkeit, gute Beratung und kurze Wege punkten - die eigenen Stärken stärken", entgegnet Dieckhues.

In 2010 feiert Bocholt zehnjähriges Jubiläum der umgestalteten Innenstadt, was sicherlich auch mit größeren Aktionen angegangen wird.

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