Behinderten-Werkstatt

Duisburger WfB-Chefin rechtfertigt hohes Gehalt

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Foto: Jörg Schimmel

Duisburg.   Roselyne Rogg, Chefin der Duisburger WfB, wehrt sich gegen Vorwürfe, 370 000 Euro Gehalt seien zu hoch und will Vertrag bis Mitte 2019 erfüllen.

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Vielleicht, so Roselyne Rogg, habe sie zu lange geschwiegen. Um aber Schaden von der Werkstatt für Behinderte zu nehmen, der durch die Diskussion um ihre Gehaltsbezüge entstanden sei, ging die 54-Jährige WfB-Chefin gestern an die Öffentlichkeit und wies die Vorwürfe zurück, mit 370 00 Euro im Jahr eine zu hohe und nicht mehr angemessene Vergütung zu erhalten: „Natürlich ist das ein hohes Gehalt. Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung zahlt aber nicht zu viel für mich. Meine Leistungen rechtfertigen mein Gehalt“, erklärte Roselyne Rogg. Zugleich kündigte sie mit Tränen in den Augen an, wegen „mangelnden Rückhalts im Aufsichtsrat“ ihre Tätigkeit bei der Werkstatt zu beenden – vertragsgemäß Ende Juni 2019. Bis dahin wolle sie ihren Nachfolger, der nun gesucht werden muss, einarbeiten und auch die noch anstehenden Projekte wie den Aufbau eines Konzeptstores aus Ars Vivendi und Kleiner Prinz im Sparkassen-Karree am Kuhlenwall begleiten.

SPD-Fraktion sieht keine Basis

Ob sie dies noch kann, bleibt abzuwarten. Am Mittwoch tagt der WfB-Aufsichtstat. Aus der SPD-Ratsfraktion war bereits zu hören, dass sie keine Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit mit Rogg sieht. Sie drängt auf eine sofortige Freistellung. Auch die CDU-Fraktion distanzierte sich bereits von Rogg. Sie selbst spricht von einer „Kampagne gegen sie“ und „unterschiedlichen, unvollständigen und teilweise falschen Informationen“, die im Umlauf gewesen sein. Richtig sei, dass sie 2009 mit einem Gehalt von 85 000 Euro plus 30 000 Euro Altersvorsorge plus 24 000 Euro Erstattung von Sozialversicherungsbeiträgen plus Dienstwagen eingestellt wurde. Schon damals habe sie nur mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhold Spaniel über ihr Gehalt verhandelt.

Nach weiteren Einkommenssteigerungen liegt ihr Gehalt seit 2016 bei 200 000 Euro, plus 100 000 für Altersvorsorge plus 24 000 für die Sozialversicherung plus 15 Prozent Tantieme, plus Dienstwagen, also unterm Strich: 370 000 Euro. Ein von der Werkstatt in Auftrag gegebenes Gutachten der Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton bestätigte im Mai, dass diese Vergütung „nicht überhöht ist“ – anders als das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten, das von überhöhten Bezügen spricht.

Spaniels Handeln wird überprüft

Jede Gehaltserhöhung, so Rogg, sei mit Reinhold Spaniel, „hart“ verhandelt worden. Auch Oberbürgermeister Sören Link sei eingebunden gewesen. „Es war keine Mauschelei“, betont Rogg. Sören Link hingegen ließ dazu erklären: Er sei auch in keiner Gehaltsabsprache eingebunden gewesen, 2013 war er noch gar nicht im Amt. Im Mai 2016 habe Spaniel ihn „im Rahmen einer routinemäßigen Abstimmung kurz auf das Anstellungsverhältnis von Roselyne Rogg bei der WfB angesprochen.“ Zuvor hätte sich Spaniel an die Stadt-Kämmerin gewandt und eine vorzeitige Verlängerung des Vertrages von Roselyne Rogg vorgeschlagen.

Dabei habe Spaniel den Eindruck vermittelt, dass Rogg rund 150 000 Euro im Jahr verdiene und dies unverhältnismäßig wenig sei. Scheinbar war diese Angabe falsch. Da eine Vertragsverlängerung frühestens ein Jahr vor Ablauf des Altvertrages vorgesehen ist, lehnte die Kämmerin in Rücksprache mit Link ab. Zu einer detaillierten Prüfung der Gehaltshöhe kam es deswegen in 2016 nicht. „Zu keinem Zeitpunkt war ein Gehalt in der heute zur Rede stehenden Dimension mit Oberbürgermeister Sören Link abgesprochen - und es hat und hätte auch niemals seine Zustimmung gefunden“, sagt die Sprecherin des OB, Anja Kopka.

„Die Werkstatt steht besser da, als jemals zuvor“

Derzeit werde die Ordnungsmäßigkeit der Handlungen des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhold Spaniel überprüft. Die Stadt wisse um den Beitrag, den Roselyne Rogg für die WfB geleistet habe. „Allerdings weiß die Stadt auch um ihre Verantwortung für die Menschen mit Behinderung in Duisburg, die weniger als in anderen Werkstätten im Landesvergleich verdienen“, so Kopka.

Roselyne Rogg rechtfertigt die Erhöhungen ihres Gehaltes damit, „dass die Werkstatt besser da steht, als je zuvor“. Die Einnahmen hätten sich seit 2009 von 18 auf 26,7 Millionen Euro um 49 % erhöht. Die Umsatzerlöse sind in der Zeit von 1,1 auf 2,7 Mio Euro gestiegen. Die Zahl der beschäftigten Menschen mit Behinderung sei um 20 Prozent auf 1106 angewachsen. „Die Werkstatt ist ein Vorzeigeunternehmen geworden. Vor Jahren war sie noch unbekannt“, so Rogg. Vor ihrer Zeit habe es zwei Geschäftsführer gegeben. Sie sei für die pädagogische, kaufmännische und technische Leitung sowie Strategie und Personal verantwortlich. Eine WfB zu leiten, sei „komplexer“ als manches mittelständige Unternehmen. Und: „Mitarbeiter mit Behinderung sind nicht Mitarbeiter zweiter Klasse.“ Man müsse sich von der Vorstellung entfernen, „dass im sozialen Sektor keine marktgerechte Vergütung gezahlt werden muss“.

Anmerkung der Redaktion: Wir werden auch in den kommenden Tagen über die aktuellen Entwicklungen rund um die Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderungen berichten. Besuchen Sie uns wieder, um alles Wichtige zum Thema zu erfahren.

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