Radfahren

Das Projekt E-Radweg soll positiver präsentiert werden

So sieht das eingerichtete Ausgleichhabitat für die Nachtigall aus - hoffentlich fühlt sie sich hier auch wohl. Falls man es auf dem Foto nicht erkennen sollte: Auf dem Acker wurde bereits eine Anpflanzung vorgenommen.

So sieht das eingerichtete Ausgleichhabitat für die Nachtigall aus - hoffentlich fühlt sie sich hier auch wohl. Falls man es auf dem Foto nicht erkennen sollte: Auf dem Acker wurde bereits eine Anpflanzung vorgenommen.

Foto: Andreas Gebbink

Kleve/Kranenburg.   Die Stadt Kleve gesteht beim E-Radweg „Kommunikationspannen“ ein. Jetzt sollen die positiven Aspekte deutlich in den Vordergrund rücken.

Jürgen Franken hätte sich diese Informationen gerne früher gewünscht. Das SPD-Ratsmitglied aus Kranenburg hörte den Ausführungen von Bernhard Klockhaus zur E-Radbahn interessiert zu. In einem gemeinsamen Umwelt- und Verkehrsausschuss wurden die Ausschussmitglieder von Kleve und Kranenburg zum ersten Mal ausführlich über den zweiten Bauabschnitt der E-Radbahn zwischen Kleve und Kranenburg informiert. „Es ist irritierend, dass wir im Vorfeld keine Informationen bekommen haben. Ich höre das alles zum ersten Mal“, sagte Franken. Auch Werner Verhoeven von der CDU Kleve meinte: „Dieser Vortrag wäre im Vorfeld hilfreich gewesen, damit diese Irritationen erst gar nicht aufkommen.“ Entsprechend viele Detailfragen tauchten zum neuen Radweg auf, für den bereits die ersten Arbeiten angelaufen sind.

Fußgänger sind nicht erlaubt

Nach der kritischen Berichterstattung in NRZ und Klever Wochenblatt bemühte sich die Verwaltung, die positiven Aspekte zu unterstreichen. Projektleiter Bernhard Klockhaus sprach von einer „Kommunikationspanne“ und PR-Berater Volker Meier sagte, dass man mit kritischen Themen wie den Rodungsarbeiten in Zukunft „deutlich anders umgehen werde“.

Die „Kommunikationspanne“ betrifft allerdings nicht nur die unzureichend kommunizierten Rodungsarbeiten, sondern auch den Projektnamen selbst. Meier sagte, dass man von der Bezeichnung E-Radbahn wegkommen wolle, da viele damit die ausschließliche Nutzung des Weges für E-Bikes verbinden. Dies sei aber nicht der Fall. Auch andere Radfahrer und Rennradfahrer dürften die Strecke benutzen. Fußgänger seien außerhalb der geschlossenen Ortschaft allerdings nicht zugelassen. Innerorts auch nur an bestimmten Stellen, so Klockhaus. Auch Skater, Speed-Pedelecs, Mofas und Mopeds seien nicht erlaubt.

Verständnisproblem beheben

Um das Verständnisproblem zu beheben, soll fortan nicht von E-Radbahn im Sinne von „Elektro-Mobilität“ gesprochen werden, sondern von einer E-Radbahn im Sinne von „Europa-Radbahn“. Man müsse den neuen Radweg als gemütlich, sicher, schnell und bequem wahrnehmen, sagte der PR-Berater. Der Radweg bekomme jetzt eine eigene Internetseite, und es wird ein Imagefilm gedreht.

Für Andreas Mayer von den Kranenburger Grünen war der Vortrag ein wenig zu viel des PR-Sprechs: „Im Endeffekt ist es Radweg und kein Event. Ich finde die Werbestrategie sehr übertrieben. Und was die Wortwahl angeht, würde ich ein bisschen ,downsizen’ auch begrüßen.“

„Insektenfreundliche Beleuchtung“

Bernhard Klockhaus erläuterte in seiner Ausführung weitere Details. Eine Beleuchtung der Strecke wird es nur innerorts geben, um Tiere und Insekten zu schützen. Das verwendete LED-Licht sei zudem „insektenfreundlich“. In Nütterden baue man zudem eine Induktionsschleife in den Radweg ein, damit dessen Nutzer bei der Überquerung des Erlendeichs rechtzeitig Vorfahrt erhalten. Ähnliches überlege man auch für die Querung der B9, allerdings finde man sich hier erst in Abstimmung mit Straßen NRW.

Bernhard Klockhaus sagte, dass die E-Radbahn ein Klimaschutzprojekt sei. Und dabei gehe es auch nicht um die Frage, ob am Ende 539 oder weniger Tonnen CO2 eingespart werden: „Jeder Kilometer mit dem Rad ist eine Entlastung. Wir müssen das gesamte Thema Mobilität betrachten. Wir haben hier ein erstklassiges Mobilitätsprojekt für den Radfahrer“, so Klockhaus. Das gesamte Projekt werde vom Kreis Kleve auch aus ökologischen Gesichtspunkten überwacht. In Kleve werde parallel zum Radweg an manchen Abschnitten auch noch ein Gehweg angelegt.

Erhebliche Höhenunterschiede

Die zum Teil erheblichen Höhenunterschiede im Gelände sollen mit so geringen Bodenbewegungen wie möglich ausgeglichen werden, so Klockhaus. Ein richtiger Plan liege aber noch nicht vor. Für die Nachtigall sei das Ausgleichshabitat bereits fertig. 3000 Quadratmeter wurden bepflanzt.

Anschluss an die Niederlande

Andreas Mayer (Grüne) bezweifelte die Verbindungsqualität zwischen Kleve und Nimwegen: In Kleve werde die Wegbreite drei Meter betragen, in Kranenburg 2,50 Meter und in Groesbeek nur noch zwei Meter. Zwischen Groesbeek und Malden werde der Weg zu bestimmten Zeiten wegen der Amphibienwanderung gesperrt und ab Malden gibt es keine Direktverbindung nach Nimwegen. Man muss auf die bestehenden Radwege zurückgreifen. Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins sieht darin kein Problem: „Wichtig ist doch, dass wir uns auf den Weg gemacht haben. Dieser Weg wird eine Initialzündung.“

>> BAUBEGINN VERMUTLICH IM SOMMER

Die Ausführungsplanung für den zweiten Bauabschnitt sei im Mai 2018 fertig. Danach werden die Leistungen ausgeschrieben. Die würde zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen. Klockhaus geht von einen Baubeginn im Sommer 2018 aus. Wenn alles funktioniere und man in Kleve und Kranenburg mit dem Bau gleichzeitig beginne, könne man im August 2019 fertig sein.

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