Hambacher Forst

Mit Fäkalien beworfen: Polizisten brechen Einsatz ab

Mehrere Mitglieder der zweiten Hundertschaft der Polizei Bochum sind bei den Demonstrationen im Hambacher Wald so heftig mit Kot und Urin beworfen worden, dass sie den Dienst vorzeitig beenden mussten.

Mehrere Mitglieder der zweiten Hundertschaft der Polizei Bochum sind bei den Demonstrationen im Hambacher Wald so heftig mit Kot und Urin beworfen worden, dass sie den Dienst vorzeitig beenden mussten.

Foto: Polizei NRW

Düsseldorf.   Zwei Tage nach dem tödlichen Unfall eines Video-Bloggers im Hambacher Forst haben sich die Auseinandersetzungen wieder zugespitzt.

Nach Informationen unserer Redaktion sind am Freitagvormittag mehrere Mitglieder der zweiten Hundertschaft der Polizei Bochum so heftig mit Kot und Urin beworfen worden, dass sie den Dienst vorzeitig beenden mussten. Fotos des Einsatzes, die unsere Redaktion erreichten, zeigen massiv mit Fäkalien verdreckte Uniformen, Helme und Pistolen.

Video-Blogger dokumentierte Leben in Baumhäusern

Nach dem tödlichen Unfall des Video-Bloggers Steffen M. aus Leverkusen am Mittwoch hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) die Räumung der illegalen Baumhäuser im Hambacher Forst bis auf Weiteres ausgesetzt. Der 27-Jährige wurde von den Aktivisten als „Freund“ bezeichnet und hatte offenbar längere Zeit deren Leben in den Baumhäusern am Tagebaurand des Rheinischen Braunkohle-Reviers dokumentiert. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Aachen brach er ohne Fremdverschulden durch eine defekte Baumhaus-Brücke.

Innenminister Reul appellierte, die letzten der ursprünglich 51 Baumhäuser freiwillig zu verlassen. Die Aktivisten wiesen das am Freitag zurück: „Das letzte, womit wir ihm jetzt einen Gefallen tun würden, wäre auf die zynische und geschmacklose Forderung Reuls einzugehen und jetzt wegen Steffens Tod die Baumhäuser zu räumen“, erklärten am Freitag zwei Männer, die sich „Lykke und Jörn aus dem Hambacher Forst“ nannten.

Neue Barrikaden errichtet?

Das NRW-Innenministerium beklagte, dass das aktuelle Moratorium von einzelnen Aktivisten genutzt werde, um neue Barrikaden auf Zufahrts- und Rettungswegen zu errichten. Diese wollte der Energiekonzern RWE am Freitag - abgesichert von Polizisten - entfernen. Das sei notwendig, um Flucht- und Rettungswege freizuhalten, erklärte die Polizei. Aktivisten reagierten darauf mit Sitzblockaden und Vorwürfen an die Behörden, unter anderem an NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). "Herr Reul missachtet hier nicht nur die Klimakrise, sondern auch den Respekt für Trauer", erklärte eine Sprecherin der Initiative Ende Gelände.

Das Moratorium gelte auch weiterhin, betonte die Polizei am Freitag. Aber Barrieren am Boden müssten weg. Dazu zählten nicht nur aufgetürmte Äste, sondern auch sogenannte Tri- und Monopods - das sind Konstruktionen über Waldwegen, auf denen Waldbesetzer ausharren. Wann die Räumung der Baumhäuser fortgesetzt wird, ließ die Landesregierung bislang offen.

Innenminister Reul stellte klar, dass die Polizei den höchstrichterlich bestätigten Abriss der Baumhäuser fortsetzen werde. Der Energiekonzern RWE will ab Oktober seine Braunkohle-Abbaurechte nutzen und den 200 Hektar großen Restwald im Hambacher Forst roden. Eine Leitentscheidung der rot-grünen Landesregierung aus dem Jahr 2016 hatte die rechtliche Lage des Energieversorgers im Rheinischen Revier extra noch einmal bekräftigt. Ein kurzfristiger Verzicht auf die Rodung des Waldes würde das Unternehmen vier bis fünf Milliarden Euro kosten, sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz. (mit dpa)

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