Kopftuch-Debatte

Hetze nach Kopftuch-Verbot gegen Duisburger Sportverein

„Kein Zutritt mit Kopftuch“ – seit der Berichterstattung über das Kopftuch-Verbot beim BSF Hamborn 07 Top-Fit wird der Verein übel beschimpft und bedroht.

Foto: Udo Gottschalk

„Kein Zutritt mit Kopftuch“ – seit der Berichterstattung über das Kopftuch-Verbot beim BSF Hamborn 07 Top-Fit wird der Verein übel beschimpft und bedroht. Foto: Udo Gottschalk

Duisburg.   Mitarbeiter eines Duisburger Sportvereins werden bedroht, weil einer muslimischen Mutter der Zutritt verwehrt wurde. Der Staatsschutz ermittelt.

„Kein Zutritt mit Kopftuch“ – seit der Berichterstattung über das Kopftuch-Verbot beim BSF Hamborn 07 Top-Fit werden der Verein, die Mitarbeiter und deren Vorsitzender Udo Salzburger angefeindet, übel beschimpft und bedroht. Vor allem in sozialen Netzwerken wird heftig darüber diskutiert, dass der Verein einer muslimischen Mutter, die ein Kopftuch trägt und ihre zwei Töchter zum Schnupperkurs begleiten wollte, den Zutritt verwehrt hat.

Die Bedrohungen gingen so weit, dass die Staatsanwaltschaft und der Staatsschutz eingeschaltet wurden. „Noch gestern haben wir anonymisierte Anrufe mit der Ankündigung erhalten: Heute geht es los, wir knallen Dich und alle andern ab und zerkleinern euren Laden“, erzählt Udo Salzburger.

Der geschäftsführende Vereinsvorsitzende ist fassungslos, was da die vergangenen Tage über ihn und den Verein hereingebrochen ist. Sogar das türkische Generalkonsulat habe bei ihm angerufen. „Es ist eine richtige Hatz gegen uns entstanden. Ich werde von Muslimen im Internet und in türkischen Zeitungen beschimpft“, sagt Salzburger, der betont, dass nicht er persönlich die Satzung aufgestellt habe, sondern die Mitglieder des Vereins.

Es bleibe beim Inhalt der Satzung

Und der bleibe in der Sache dabei: Das Kopftuch-Verbot gelte weiterhin. „Es werden weder von mir noch vom Verein noch von den Vereinsmitgliedern irgendwelche Einwände erhoben, dass türkischstämmige Bürgerinnen muslimischen Glaubens privat ein Kopftuch tragen können. Das wird selbstverständlich respektiert“, so Salzburger. Aber das gelte eben nicht für die Trainings- und sonstigen Vereinsräume.

Hier verbleibe es beim Inhalt der Satzung und der Wahrung der Interessen aller Vereinsmitglieder. „Wie es auch bei der Wahrung unseres Hausrechtes bleibt. Rechte, die auch andere Institutionen für sich in Anspruch nehmen. Sie gehen auch nicht mit Schuhen in die Gebetsräume einer Moschee oder ziehen beim Besuch einer muslimischen Familie, wenn gewünscht, die Schuhe aus. Und Sie werden auch andere Vereine finden, deren Satzungen Ausschlüsse beinhalten, die nicht jedem passen“, sagt Salzburger.

Verein will niemanden ausschließen

„Jeder Verein ist eigenständig“, erklärt Uwe Busch, Geschäftsführer des Stadtsportbundes. Er bezeichnet die Zurückweisung der muslimischen Mutter als „unglücklich“. Es sei ein Unterschied, ob eine Mutter ihre Kinder zum Sport bringt oder selbst in dem Verein Sport machen will. Grundsätzlich gebe sich aber jeder Verein seine Satzung, die vom Amtsgericht genehmigt wird, selbst.

Das Verhalten des Hamborner Vereins widerspreche aber dem Integrationskonzept des Stadtsportbundes, dem 430 Vereine angehören. Busch sieht Duisburg „relativ weit“ auf dem Integrationsweg: „Der Gedanke hat in unsere Sportvereine Einzug gehalten. Bei dem einen mehr und bei dem anderen weniger.“ Das Thema betreffe aber nicht nur Muslime, sondern auch Menschen anderer Nationalitäten. 32 an der Zahl sind bei BSF Hamborn 07 Top-Fit vertreten. Über 60 Prozent der 270 Vereins-Kinder seien muslimisch. „Wir schließen keine Religionsgruppen oder Nationalitäten von unserem Vereinsleben aus“, beteuert Udo Salzburger.

Kritik kommt aus der Politik

Kritik kommt mittlerweile auch aus der Politik: „Solch ein Vorgehen ist nichts anderes als anti-muslimischer Rassismus“, sagt Melih Keser, integrationspolitischer Sprecher der Grünen. Der Versuch, die Ablehnung über die Satzung zu rechtfertigen, sei unglaubwürdig. Der Verein selbst schreibe auf seiner Internetseite: „Wir sind gefordert, auf neue gesellschaftliche Anforderungen zu reagieren. Ziel ist es, allen Sportinteressierten den Zugang zu unserem Verein zu ermöglichen.“ Diese selbst auferlegten Grundsätze hätten die Vereins-Verantwortlichen verlassen und diskriminierten Menschen nach ihrem Aussehen, so Keser.

Dem entgegnet der Verein, dass er auch Angestellte muslimischen Glaubens beschäftige. Zudem: In dem Verein trainierten auch Priester. „Die kommen auch nicht im Talar, sondern in Zivil“, so Salzburger. Und auch im Bundestagswahlkampf habe man Mitgliedern verboten, in T-Shirts mit Werbeaufdrucken für Parteien zu trainieren.

Die Grünen fordern derweil die Stadt auf, zukünftige Förderungen für den Verein zu überprüfen. Ratsherr Rainer Grün (DAL) fragt: „Soll Integration bedeuten, dass alle kulturellen wie religiösen Eigenheiten aus der Öffentlichkeit verbannt werden, wenn sie der Mehrheitsgesellschaft nicht gefallen?“ Die Linken zeigen sich besorgt darüber, „dass diskriminierendes und rassistisches Verhalten mittlerweile bis weit in die Mitte der Gesellschaft hineinreicht“, so der migrationspolitische Sprecher der Linksfraktion, Mirze Edis. Sport stehe für Integration, Zusammenhalt und respektvollen Umgang miteinander. Die Fraktion zeige sich besorgt, dass der Vereinsvorsitzende das Verhalten seiner Mitarbeiter bekräftigte, und hält eine Entschuldigung für angebracht.

Tuba, die muslimische Mutter, freut sich über den „Rückhalt“, den sie erfährt – und das nicht nur von Muslimen. Sie sagt: „Es stehen auch viele Christen zu mir.“

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