Kinderschutz

Tausendfacher Kindesmissbrauch in NRW: Experte schlägt Alarm

Statistik Kindestötung 2017

143 Kinder wurden in Deutschland 2017 getötet Diese erschütternde Zahl ergab eine Sonderauswertung der polizeilichen Kriminalstatistik.

143 Kinder wurden in Deutschland 2017 getötet Diese erschütternde Zahl ergab eine Sonderauswertung der polizeilichen Kriminalstatistik.

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An Rhein und Ruhr.   Kampf gegen Gewalt an Kindern: Ex-Polizist Heinz Sprenger fordert mehr Geld für den Kinderschutz und die Einführung der Vorratsdatenspeicherung.

27 Kinder wurden in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr Opfer von Mord oder Totschlag (Vorjahr: ebenfalls 27) , die Polizeiliche Kriminalstatistik zählte 2337 Fälle von sexuellem Missbrauch. „Jeder Fall ist ein Schicksal“, betont Experte Heinz Sprenger, Kriminalpolizist im Ruhestand, im Gespräch mit der NRZ.

Er ist überzeugt, dass der Kinderschutz in NRW verbessert werden kann. Das sind einige seiner Forderungen:

LEICHTERE KOOPERATION: Jugendamtsmitarbeiter unterliegen dem „Sozialgeheimnis“ (Datenschutz) und Polizisten dem „Verfolgungszwang“ (müssen tätig werden, wenn es den Verdacht auf eine Straftat gibt). Sprenger plädiert dafür, beides zu lockern, damit sich Jugendamt und Polizei vertraulich austauschen können. Wenn das Jugendamt vor der Frage steht, ob ein Kind aus der Familie genommen wird, sollte es seiner Auffassung nach grundsätzlich einen Austausch mit der Polizei geben: „Das Jugendamt sollte wissen, ob es einen gewalttätigen Vater gibt, der schon durch z. B. Körperverletzung auffällig geworden ist.“

BESSERE AUSSTATTUNG: „Das Wohl eines Kindes darf nicht von der Finanzlage der Kommune abhängen, in der es lebt“, meint Sprenger. Er fordert eine bessere Ausstattung der Jugendämter und verbindliche Standards – etwa eine Obergrenze für die Zahl an Fällen, die ein Amtsmitarbeiter begleitet. Zudem soll es für alle, die mit dem Kindeswohl befasst sind, eine Verpflichtung zur Fortbildung geben (z. B. auch für Familienrichter).

AUSTAUSCH UNTER ÄRZTEN: „80 % der Fälle finden im sozialen Nahraum statt“, sagt der Polizist im Ruhestand. Eltern versuchten oft, die Folgen von Missbrauch oder Misshandlung zu vertuschen, indem sie mit ihren Kindern von Arzt zu Arzt gehen („Ärztehopping“). Mit dem Netzwerk „Riskid“, bei dem Ärzte Informationen austauschen, soll das unterbunden werden. Riskid stößt jedoch an Datenschutzgrenzen, ein Austausch ohne Einwilligung der Patienten/Eltern, ist nicht erlaubt. Die angeschlossenen Klinikverbünde und gut 250 Riskid-Ärzte bundesweit (davon mehr als 180 in NRW) behelfen sich bislang damit, dass sie die Eltern eine Einverständniserklärung unterschreiben lassen. Heinz Sprenger fordert eine Gesetzesänderung. Die Landesregierung habe das Thema auf der Agenda.

VORRATSDATEN: „Beim Thema Missbrauch spielt das Internet eine Riesen-Rolle.“ Sprenger fordert die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, damit Ermittler an die IP-Adressen der Täter gelangen können. Die Betreiber von Foren und Netzwerken müssten aber auch in die Pflicht genommen werden. Der Experte spricht sich deshalb für eine gesetzliche Meldepflicht für Missbrauchsdarstellungen im Internet aus.

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